Musikgeschichte(N)

"Was sind denn das für Striche und Punkte über den Wörtern?" Anna staunt. Zusammen mit ihrer Tante Erika steht sie vor einem sehr alten Buch im Museum.

Tante Erika, die selbst im Kirchenchor singt, kennt sich aus. "Das ist ein Graduale", erklärt sie, und ihre Stimme klingt ganz feierlich. "Das ist ein ganz altes Gesangbuch. Darin stehen in lateinischer Sprache Texte, die in der Messe gesungen wurden. Die Punkte und Striche sind die Noten der Melodie." Seit ungefähr 1600 Jahren werden Melodien bei uns aufgeschrieben. Zum ersten Mal haben das wahrscheinlich die Mönche in den Klöstern getan. Melodien aufzuschreiben war praktischer, als sie jedes Mal vorzusingen. Jeder konnte sie für sich allein üben und vom Blatt absingen. Außerdem wurden die Melodien nicht vergessen, wenn sie lange nicht gesungen wurden. Wie heute waren die ersten Noten Zeichen aus Punkten und Strichen. Sie wurden im Gesangbuch zwischen die Liedzeilen geschrieben. Allerdings waren die ersten Notenzeichen noch sehr ungenau. Sie gaben einfach nur an, ob die Töne höher oder tiefer wurden. Weil dabei niemand erkennen konnte, um wie viel ein Ton höher stieg oder abfiel, dachte man sich die Notenlinien aus. Der Abstand zwischen zwei Linien steht für den Abstand zwischen der Höhe von zwei Tönen. Das ist so wie eine Treppe mit Stufen, auf der sich die Töne bewegen. So bekommen die Sänger und Musiker eine bessere Vorstellung, wie eine Melodie verläuft. Unsere heutige Notenschrift mit ihren fünf Linien und ihren Feinheiten, die angeben, wie lange ein Ton dauern, wie laut er sein darf und vielem mehr, ist noch recht neu. Etwa vor 500 Jahren fing man an, sie zu entwickeln. Wer selbst mal gucken will, wie die Noten und die Gesangbücher früher aussahen, kann gerade im Museum am Dom in der Ausstellung "Das Gewand" sehr schön verzierte alte Graduale sehen. Eva-Maria Reuther