Theatergeschichte(n): Don Quixote oder der Kampf für Freiheit

Theatergeschichte(n): Don Quixote oder der Kampf für Freiheit

Da liebt einer die Freiheit. Ganz hoch hängt er sie. In riesigen Lettern stehen die acht Buchstaben auf weißem Banner hinter der Studiobühne. "Freiheit" ist das Ziel, für das Claudio Gatzke kämpft - als moderner Ritter.

"Don Quixote oder wie wollt ihr die Leere meiner Furcht ausfüllen und das Chaos meiner Verwirrung in lichte Ordnung bringen?" nennt Gatzke sein Portrait, mit dem er sich am Donnerstag, 28. April, 21 Uhr, dem Trierer Theaterpublikum vorstellt. Ein sperriger Titel, entnommen aus Miguel de Cervantes‘ bekanntem Werk. Der Satz eines Zweiflers, der sich überreden lassen will, die Geschichte des Ritters niederzuschreiben.

Eine Situation, in der sich Gatzke selbst sieht: "Wir sind täglich umgeben von Eindrücken; Tag für Tag prasseln Informationen auf uns ein", sagt der 28-Jährige. Da stelle sich die Frage: "Wie gehe ich damit um, wie positioniere ich mich?. Gatzke hat sich entschieden. Er stellt sich der Auseinandersetzung, erzählt die Story.

"Cervantes‘ Buch ist 400 Jahre alt und total aktuell", sagt Gatzke. Don Quixote sei ein Typ, der von der Gesellschaft als Spinner abgetan werde. "Aber der eine Überzeugung hat und für etwas einsteht, der bereit ist, für seine Ideal zu kämpfen."

Gatzke versetzt sich in seinem Portrait in die Rolle des Erzählers, wenn er sich hinter seinem Computer verschanzt, ihm Töne, Lieder entlockt, sein zweites Ich zum Handeln zwingt. Und er arbeitet mit Assoziationen. Mit gestutzten Bäumchen hat er bei seinem ersten Portrait-Abend eine Art "Platz des Himmlischen Friedens" geschaffen, auf dem sein zweites Ich munter Massaker verübt. Als moderner Don Quixote nimmt Gatzke den Kampf auf. Seine Windmühlen sind Nenas "99 Luftballons", die er nach und nach niedermetzelt, bevor er wild über ihre Leichen tanzt. Immer wieder switcht er zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her, zieht Parallelen zwischen AFD-Anhängern und Nazis.

Für Gatzke wirft Cervantes‘ Werk Fragen auf: "Was bedeutet Ritter sein heute? Für was kämpfe ich? Für was bin ich bereit, mich aus meiner eigenen Komfortzone herauszubewegen?", sagt er. "Wir müssen lernen, für Dinge einzustehen und uns bei aller Informationsflut nicht einlullen zu lassen."

Gatzke klingt entschlossen. Und war es auch in seiner Berufswahl: Als Zuschauer ging er ins Theater - und entschied: "Da gehe ich nicht mehr weg!" Seine erste Rolle war Edgar in Shakespeares "König Lear" in einer Studioproduktion am Theater Dortmund. 2012 schloss Gatzke sein Schauspielstudium an der Zürcher Hochschule der Künste ab, spielte in der freien Theatergruppe Hengst Produktionen, bevor er für zwei Jahre ein Engagement am Stadttheater Klagenfurt annahm. Seit dieser Saison ist er in Trier. Sein Ziel: mit guten, spannenden Menschen gutes Theater zu machen.

"Ich setze mich für die Freiheit der Menschen ein. Ich bin gegen Grenzen", sagt Gatzke. "Wir müssen kapieren, dass wir die Probleme nicht von uns abhalten können. Wir müssen uns engagieren." Und so will er in seinem nächsten Portraitabend die "Ritter Armee Fraktion _-RAF-" gründen. "Die steht ein gegen Intoleranz, für Fantasie und Menschlichkeit!"