1. Region
  2. Kultur

Vivaldi als Wettrennen

Vivaldi als Wettrennen

Das Weihnachtskonzert des Musikkreises Springiersbach hat eine langjährige Tradition. Die große Besucheranzahl zeigte, dass diese Einrichtung sehr geschätzt wird.

Beim Weihnachtskonzert war nicht die Kirche der Schauplatz, sondern wegen der niedrigen Temperaturen der romanische Saal des Klosters. Musikalische Gäste waren das Kammerensemble Stuttgart unter Führung von Konzertmeister Daniel Rehfeldt und die Klarinettistin Cornelia Boczek. Im Reisegepäck hatten sie ein Programm, das sich fast ganz dem Barock widmete, sieht man von einem Ausflug in die Welt von Wolfgang Amadeus Mozart ab.

Rehfeldt und sein Ensemble vollführten mit den Interpretationen einen Spagat, der etwas verwunderte. Einerseits präsentierten sie eine Spielweise mit vollem, satten Ton, wie man sie aus den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts kannte, andererseits beteiligte er sich an dem unglückseligen Wettbewerb mancher Interpreten, der die Frage in den Raum stellt, wer denn nun der Schnellste ist. Beides tat der Musik nicht gut. Antonio Vivaldis Konzert d-Moll, Opus 3,11, kam auf breiten klanglichen Füßen daher, ebenso wie die Chaconne in g-Moll von Henry Purcell. Besonders negativ fiel dabei die schwergewichtige Bassgruppe auf, die keinerlei Rücksicht auf die akustischen Verhältnisse des Raumes nahm. In aberwitzigem Tempo gestaltete Rehfeldt den Winter aus Vivaldis Jahreszeiten, was ihn zwar als Virtuosen auszeichnete, musikalisch aber blieben etliche Fragen Raum stehen.

Erheblich gefühlvoller agierte da schon Boczek, hatte allerdings Mühe, sich bei Georg Philipp Telemanns Konzert für zwei Chalumeaus und Orchester, TWV 52:D1, das in einer Fassung für Klarinette und obligates Cello erklang, gegen ihren Partner durchzusetzen. Herzlicher Applaus der Zuhörer im nahezu ausverkauften Saal.