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Was Triers Museen von Nero lernen

Was Triers Museen von Nero lernen

Es fängt mit komplizierten Anfragen für Exponate an und hört mit so Profanem wie Toilettenpapier auf. Eine große Ausstellung wie die diesjährige zu Kaiser Nero bringt nicht nur viel Aufmerksamkeit, sondern zieht auch einen Rattenschwanz an Aufgaben nach sich.


Die Liste von Elisabeth Dühr, Museumsleiterin des Stadtmuseums Simeonstift, ist lang: Eine neue Schließfachwand, Gitterboxen für Schulranzen, neue Beschilderungen, damit die Besucher zur Ausstelllung finden, insgesamt 116 neue Führer, fünf neue Angestellte mit Zeitvertrag, eine neue Kassenmatrix, die auch die Kombitickets abrechnen kann, plus neuem Server, ein neuer Laptop für die Kasse, der Einblick gibt in die Gruppenbuchungen, die über die Trier Tourismus Marketing GmbH laufen. Zu dem kommen ein gesonderter Stand für die Audioguides, verlängerte Öffnungszeiten, ein Nerobezogenes Sortiment für den Museumsshop, meterweise pinke Folie für den Boden und zwei neue Kopfhörer für die Mulimediastation. Besucher hatten diese ausgerissen, als sie versuchten, mit den Hörern bis zur nächsten Sitzmöglichkeit zu kommen. Allein der Papierverbrauch auf den Toiletten hat sich während der Neroausstellung mehr als vervierfacht. Alles, um den Besuchern einen reibungslosen Museumsbesuch zu ermöglichen. Der Lohn: Lob, Lob und Lob in den Gästebüchern. Vier Stück davon kann alleine das Rheinische Landesmuseum Trier vorweisen: "Grundsätzlich haben wir von Nero gelernt, dass Trier der richtige Ort ist für antikenbezogene Ausstellungen", sagt Mechthild Neyses-Eiden, die Projektleiterin der Neroausstellung im Museum.
Doch die Nachfrage überraschte sie selbst. Als die ersten Buchungen von Reiseveranstaltern eingegangen waren, mussten sie noch einmal nachjustieren: Zwei Eingänge, einer für Gruppen, einer für Einzelbesucher, zwei Kassen, zwei Garderoben, zwei Ausgaben von Audioguides. Ein "heilloses Durcheinander" wäre sonst programmiert gewesen. Während des laufenden Betriebes wurden zudem mehr Sitzmöglichkeiten in den Räumen verteilt. Viele hatten die Klappsessel, die es an der Kasse gab, nicht genutzt, weil sie die Länge der Führung unterschätzt hatten.
"Was wir auf jeden Fall mitgenommen haben, ist, dass Konzeption, Exponate und ihre Inszenierung eine feste Einheit sein müssen, die den Besucher dort abholt, wo er ist." Ein Museum müsse sich auch gegen Ausstellergesellschaften durchsetzen. Nero war teils zu eng gestellt und zu dunkel. Das Museum am Dom hat schon einiges von der Konstantinausstellung im Jahr 2007 gelernt. "Damals hatten die Leute Angst, etwas zu verpassen.
Für Nero haben wir einen aufeinanderaufbauenden Rundgang entwickelt", sagt Markus Groß-Morgen, seit 2010 Leiter des Museums. Von Konstantin lernten sie auch, dass große Ausstellungen öfter gereinigt werden müssen. "Außerdem haben wir die Klimaanlage ausgebaut, um die Feuchtigkeit im Griff zu behalten." In den Verträgen für die Exponate sind Raumtemperatur und -feuchtigkeit genauestens festgeschrieben. Für die nächste große Ausstellung zu Karl Marx, die für das Jahr 2018 geplant ist, erwartet Groß-Morgen ein ganz anderes Publikum als bei Nero. "Wir versuchen dann Menschen anzusprechen, die sich mit dem Thema Arbeit beschäftigen, auch in einem modernen Kontext."
Elisabeth Neu, Leiterin des Karl-Marx-Hauses, bereitet sich auf einen großen Ansturm vor. "Da ist die Nero-Ausstellung natürlich ein Vorbild." Als schwierig betrachtet sie das Haus an sich, "weil es eben ein barockes Wohnhaus ist und kein Museumssaal". Dennoch wird 2018 für ihr Haus der Höhepunkt sein. "Das letzte Event dieser Größenordnung hatten wir beim 100. Todestag von Marx. Das war im Jahr 1983."
sbra