"Wir wollen nichts glattbügeln"

"Wir wollen nichts glattbügeln"

Durch die Wirtschaftskrise hat Karl Marx geradezu ein Revival erlebt. Zeit, auch die Dauerausstellung im Museum Karl-Marx-Haus in Trier zu aktualisieren. Zumal im nächsten Jahr auch noch der 200. Geburtstag des Vaters des "Kapitals" ansteht. Ein Wissenschaftlicher Beirat hilft bei der Gestaltung.

Trier. Man sei heute gelassener im Umgang mit Karl Marx, sagt Peter Brandt. Der Historiker und Sohn von Altkanzler Willy Brandt wurde am Samstag zum Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats gewählt, der die neue Dauerausstellung im Trierer Karl-Marx-Haus mitgestalten soll.
Zum 200. Geburtstag im nächsten Jahr wird nicht nur das Geburtshaus des berühmtesten Sohn Triers umfassend saniert. Auch die Dauerausstellung soll aktualisiert werden. Die neue Schau, die im August 2018 eröffnet wird, soll "als kritische Reflexion" auf 450 Quadratmetern den Philosophen, Gesellschaftskritiker und Journalisten umfassend und durchaus kontrovers würdigen. "Wir wollen nichts glattbügeln", betont Brandt.
Eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Gelehrten ist auch das Anliegen von Kurt Beck. Der ehemalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident ist Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), die Trägerin des Karl-Marx-Hauses ist. "Uns geht es um ein möglichst objektives Bild des Menschen und Philosophen, wie der politischen Persönlichkeit", erklärt Beck. Sie sollten in der neuen Dauerausstellung erlebbar werden.
Gut eine Million Euro werden Sanierung und Ausstellung kosten. Das Konzept steht: In den drei Abteilungen Biografie, Werk, und Universalgelehrter will sich die Ausstellung dem Vater des Kapitals nähern. Der Kapitalismuskritiker war, wie Brandt unterstreicht, schließlich auch ein großer deutscher Denker, der gleichermaßen in der Tradition der deutschen Geistesgeschichte wie seiner bürgerlichen Herkunft stand und sich das Wissen seiner Zeit anzueignen suchte.
Einen Schwerpunkt der neuen Schau wird die Wirkungsgeschichte des Philosophen bilden, der als einer der geistigen Väter der deutschen Arbeiterbewegung und der Gewerkschaften wie der Sozialdemokratie gilt und dessen Theorien Sozialismus wie Kommunismus als Rechtfertigung ihrer jeweiligen Ideologien in Anspruch dienten. Um eine umfassende Aufarbeitung des komplexen Themas zu gewährleisten, ist der neunköpfige Beirat interdisziplinär zusammengesetzt. Ihm gehören Fachleute für die Marx ´ sche Philosophie und Philologie an, Experten für die neue Marx-Engels Gesamtausgabe sowie Spezialisten für soziale Bewegungen wie Sozialdemokratie und Arbeiterbewegung. Mit im Boot ist überdies ein Vertreter der Wissenschaftsdidaktik.
Mit Design und Ausstellungsarchitektur ist die Bonner projekt 2508 GmbH beauftragt. Man wolle "die Sehgewohnheiten des 21. Jahrhunderts" bei der Neugestaltung berücksichtigen, sagen die Ausstellungsmacher. Eingesetzt werden dabei sämtliche neuen Medien moderner Museumsdidaktik und Vermittlung. Möglichst griffig soll die Schau zudem werden. So wird unter anderem Karl Marx Londoner Lesesessel zu sehen sein, in dem er auch starb. Verstärkt werden soll überdies der Bereich Museumspädagogik, wie Anja Kruke, die Leiterin des Archivs der sozialen Demokratie der FES in Bonn berichtet.
Schon jetzt versteht sich das Museum, das jährlich 40 000 internationale Besucher empfängt, darunter zahlreiche aus China, als Studienzentrum. Die neuen Konferenzräume im Neubau gegenüber dem Geburtshaus, in den die Verwaltung des Museums 2016 umgezogen ist, ermöglicht die Ausweitung der pädagogischen Arbeit für Schüler und Studenten. Neben den Führungen im Geburtshaus können Schüler und Lehrer hier mit Fachleuten des Museums zu Gruppen-und Projektarbeit zusammenkommen.
Zudem bietet der Neubau Raum für weitere politische und gesellschaftspolitische Bildungsarbeit. Am Jubiläumsjahr 2018 wird sich das Karl-Marx-Haus mit einem eigenen Rahmenprogramm in Zusammenarbeit mit der "Karl Marx 2018 Ausstellungsgesellschaft mbh" und dem Bistum Trier beteiligen.

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