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Zusammenarbeit läuft immer über Menschen, nicht durch institutionelle Verordnung

Zusammenarbeit läuft immer über Menschen, nicht durch institutionelle Verordnung

Frank Feitler (Foto: Tageblatt) steht als Intendant für den Aufschwung des Luxemburger Grand Théâtre seit der Wiedereröffnung im Jahr 2003. Sein Haus feiert in diesem Winter ein Doppel-Jubiläum: Zehn Jahre im hochmodern umgebauten Domizil, 50 Jahre seit der Gründung im Jahr 1964. Aus dem einstigen Provinztheater ist ein europäischer Player geworden. Frank Feitler, studierter Lehrer, hat das Theaterhandwerk als Dramaturg von der Pike auf gelernt, gründete in Luxemburg schon in jungen Jahren eigene Theatergruppen, schrieb Film-Drehbücher und Theaterstücke. 2015 wird er in Ruhestand gehen.

Herr Feitler, Sie haben das Haus 2001, mitten in einer mehrjährigen Umbauphase, übernommen. Wo steht das Grand Théâtre as Ihrer Sicht heute? Feitler: Das Haus steht gut da, in der Region ebenso wie international. Vor allem im Tanztheater arbeiten wir mit den wichtigsten Häusern und Kompanien zusammen. Auch bei der Oper gibt es gute Kooperationen, aber da sind unsere Möglichkeiten begrenzt, schließlich sind wir kein klassisches Opernhaus, sondern ein Drei-Sparten-Betrieb.

Beim Schauspiel müssen sie ein mehrsprachiges Publikum bedienen ...

Feitler: Wir bedienen Luxemburg so, wie es heute ist, also international. Es gibt Stücke in Deutsch, Französisch, Luxemburgisch, Englisch, sogar in Polnisch. Das spiegelt einfach die Gesellschaft wider.

Gerade in der örtlichen Schauspiel-Szene gab es Befürchtungen, durch die Übernahme des Kapuzinertheaters kämen die Luxemburger Eigenproduktionen zu kurz. Hat sich das bewahrheitet?

Feitler: Wir lassen die einheimische Szene nicht im Regen stehen. Es gibt viele Eigenproduktionen mit anderen Luxemburger Theatern, freien Gruppen, einzelnen Künstlern. Aber man muss auch sehen, dass Eigenproduktionen, wenn es nicht gerade um Klassiker geht, oft am schlechtesten verkauft sind in unserem Angebot. Deshalb arbeiten wir intensiv daran, unsere Projekte auch international unterzubringen. So wie "Bernarda Albas Haus" in der Regie von Carole Lorang, damit gehen wir nach Frankreich und Belgien.

Sie holen übers Jahr mehr als 50 Produktionen aus aller Welt nach Luxemburg - wie verschafft man sich da den Überblick?

Feitler: Ich habe über die Jahre ein Netzwerk entwickelt, damit man sieht, was wo läuft. Viele kommen mit ihren Projekten inzwischen auch auf uns zu. Man muss sich halt vieles anschauen, aber oft gibt es auch ein über Jahre gewachsenes Vertrauen in die Qualität der Angebote. Zusammenarbeit entscheidet sich immer über Menschen, nicht durch institutionelle Verordnung.

In der Großregion scheint das mit der Zusammenarbeit schwierig zu sein. Da hat man nicht den Eindruck, dass es große Fortschritte gibt ...

Feitler: Die Kooperation gerade mit deutschen Häusern ist schwierig, aufgrund der unterschiedlichen Strukturen. Die deutschen Häuser haben feste Ensembles, die eingesetzt werden müssen. Da gibt es auch kein bewegliches Budget. Wir holen die Besetzungen für jede Produktion neu.

... also großregionale Sendepause?

Feidler: Keineswegs. Grundsätzlich sind Gemeinschaftsprojekte sinnvoll, wenn die Entfernungen nicht zu groß sind. Es gibt konkrete Überlegungen mit Saarbrücken, der neue Mainzer Intendant ist dieser Tage zum Gespräch da. Und vielleicht finden wir ja nach dem Intendantenwechsel mit Trier auch noch mal Anknüpfungspunkte.