Pendler sauer über "Abzocke"

Pendler sauer über "Abzocke"

LUXEMBURG. Luxemburgs Arbeitnehmer und die Pendler aus den Nachbarländern sollen umsteigen: vom Auto auf Bus und Bahn. Das soll unter anderem durch neu eingeführte Parkgebühren erreicht werden. Viele Pendler halten das für eine Abzocke.

Die Parkgebühren, die die Stadt Luxemburg zum 1. Juli im gesamten Stadtgebiet und in den umliegenden Gewerbegebieten eingeführt hat, sorgen bei vielen Pendlern aus der Region Trier für Unmut. "Ich habe mich sehr aufgeregt", sagt Oliver Vess, der in Luxemburg-Merl bei einem Architektenbüro angestellt ist und in Trier wohnt. In der Parkzone vor dem Büro müssen die Mitarbeiter stündlich 70 Cent zahlen. "Das macht täglich 6,30 Euro. Über den Monat gerechnet ist das, zusammen mit den Fahrtkosten, viel Geld." Vess, der bisher keine passende Alternative zum Aufofahren gefunden hat, ärgert auch, dass die Parkdauer vor dem Büro in dieser Parkzone der Stadt nur auf drei Stunden begrenzt ist. "Ich muss dann immer rauslaufen. Wie sollen das Leute machen, die nicht den ganzen Tag im Büro bleiben, sondern auch woanders zu tun haben?" Parkverkehr nervt die Anwohner

Dieses Problem, wendet Manuel Gillet, Pressesprecher der Stadt Luxemburg, ein, habe es schon vorher gegeben: "Es gab ja schon lange die Parkscheibe in den Zonen." Er könne nachvollziehen, dass sich viele über Gebühren aufregen, "aber das war eine notwendige Konsequenz der Überlastung", sagt Gillet. "Die Stadt bläht sich täglich auf durch die vielen Arbeitnehmer. Die Pendler beanspruchen einen Parkraum, der nicht da ist." Über 97 000 Pendler kommen täglich nach Luxemburg, aus der Region Trier laut Schätzungen 15 000 bis 20 000. Für einen Teil von ihnen stellt sich das Problem der Parkplatzsuche nicht, da ihre Firmen Parkplätze anbieten. Die anderen parkten in der Vergangenheit in den Wohngebieten der Stadt. Den Anwohnern sei der Verkehr nicht mehr zuzumuten, sagt Gillet. Langfristiges Ziel sei, ein Gleichgewicht zwischen privatem und öffentlichem Verkehr herzustellen. Der Busverkehr sei bereits ausgeweitet worden, allerdings hauptsächlich innerhalb von Luxemburg, räumt Gillet ein. Die Verkehrsminister der beiden Länder, Henri Grethen und Hans-Artur Bauckhage, haben im Juli einen schnellen Ausbau der Bahnstrecke zwischen Konz und Wasserbillig und bessere Busangebote über die Grenze versprochen, doch wann diese Projekte Realität werden sollen, steht noch nicht fest. Viele Pendler aus der Region Trier sehen bisher keine Alternative zum Auto. Auf ein anderes Verkehrsmittel umzusteigen, lohne sich nicht, sagt auch Oliver Vess. "Das dauert für mich zu lange und ist zu unflexibel." Zu den Haltestellen der zwei Buslinien aus Trier oder zum Bahnhof in Trier müsste er schon das Auto oder einen anderen Bus nehmen. Auch in Luxemburg müsste er von dort in der Stadt, wo Busse und Bahn enden oder von einem Park-und- Ride-(P&R)-Parkplatz aus erneut einen Bus nehmen. "Ich habe das getestet. Es hat eineinhalb Stunden gedauert. Mit dem Auto brauche ich etwa 40 Minuten." Für Grenzgänger, die nicht in Trier, sondern in kleineren Gemeinden leben, ist der Anschluß an öffentliche Verkehrsmittel entsprechend ungünstiger oder kommt gar nicht in Frage. Auch der luxemburgische Arbeitgeberverband "Fédération des Artisans" vertritt diese Auffassung. "Das öffentliche Verkehrsangebot in den Gewerbezonen entspricht nicht den Bedürfnissen der Arbeitnehmer und der produzierenden Unternehmen", sagt deren Pressesprecher Christian Reuter. Laut einer Umfrage mehrerer Arbeitgeberverbände von April und Mai unter 4000 Beschäftigten aus 51 Unternehmen fahren 91,5 Prozent der Befragten mit dem Auto. 87,3 Prozent wollten auch trotz der Gebühren noch mit dem Auto fahren, um flexibel zu bleiben. 7,7 Prozent wollten Fahrgemeinschaften gründen und nur 7,4 Prozent der Befragten öfter öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Park & Ride: Schon früh morgens überfüllt

Vielfach bemängelt wird auch, dass die Park-und-Ride-Plätze, die rund um die Stadt gebaut wurden und noch gebaut werden, meist schon früh morgens überfüllt und ungünstig gelegen seien. Ende 2004 sollen auf fünf P&R-Plätzen rund 5000 Stellplätze zur Verfügung stehen. Zusammen mit den anderen Parkplätzen und Tiefgaragen sollen dann insgesamt 13 000 Parkplätze nutzbar sein. Um unnötige Staus auf und vor den P&R-Plätzen zu verhindern, will die Stadt ab Anfang 2005 ein neues Parkleitsystem in Betrieb nehmen. "An allen Einfahrtstraßen und in der Stadt werden elektronische Tafeln aufgestellt, wo genau zu sehen ist, wo noch Plätze frei sind", erläutert Gillet. Ausreichen werden die 13 000 Parkplätze für die große Zahl der Pendler aber nicht. Es sei aber auch nicht Ziel der Stadtverwaltung, ausreichend Parkplätze zu bieten, sagt Manuel Gillet. "Dann ändert sich ja nichts an der Überfüllung. Die Leute sollen auf die anderen Verkehrsmittel umsteigen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg." Oliver Vess hat inzwischen eine Fahrgemeinschaft gegründet. Dennoch hofft er, dass es künftig einfacher wird, mit Bus und Bahn nach Luxemburg zu fahren. Was halten Sie von der Parkregelung in Luxemburgt? Gibt es andere Themen, mit denen wir uns auf der Luxemburg-Seite beschäftigen sollten? Mailen Sie bis zu 15 Druckzeilen an meinung@volksfreund.de. Wir können Ihre Meinung nur veröffentlichen, wenn Sie Ihren Namen und Ihre Anschrift angeben.