Auch die Traben-Trarbacher bangen um das Zeller Krankenhaus

Infrastruktur : Auch die Traben-Trarbacher bangen um das Zeller Krankenhaus

Träger der Klinik und des Medizinischen Versorgungszentrums Traben-Trarbach ist insolvent. Löhne und Gehälter zahlt bis Ende März Bundesagentur für Arbeit.

Die Geschäftsführung der Katharina-Kasper-ViaSalus-Gesellschaft mit Sitz in Dernbach, Trägerin des Klinikums Mittelmosel in Zell und der Medizinischen Versorgungszentren in Zell und Traben-Trarbach, hat beim Amtsgericht Montabaur einen Antrag gestellt, das Insolvenzverfahren zu eröffnen und ein sogenanntes Eigenverwaltungs-Verfahren durchzuführen. Das hat die Unternehmensgruppe in einer Presseerklärung mitgeteilt.

Man wolle sich einer „grundlegenden Restrukturierung“ unterziehen, heißt es. Das Klinikum Zell verfügt derzeit über 166 Betten und hat 288 Beschäftigte. Das Medizinische Versorgungszentrum St. Josef mit den Fachbereichen Chirurgie und Orthopädie befindet sich im ehemaligen Traben-Trarbacher Krankenhaus. Außerdem hat dort eine gynäkologische Praxis Räume gemietet.

Wie es nun mit dem Klinikum in Zell und dem Standort Traben-Trabach weitergeht, ist völlig unklar. Der Stadtbürgermeister von Traben-Trarbach, Patrice Langer: „Diese Nachricht hat mich völlig überrascht. Wir können nur das Beste hoffen.“

Dabei war Langer nach einer Präsentation der Katharina-Kasper-ViaSalus-Gesellschaft im Bürgersaal Traben im November 2018 noch optimistisch gestimmt. Geschäftsführerin Elisabeth Disteldorf hatte das Konzept eines Lokalen Gesundheitszentrums in Traben-Trarbach vorgestellt. Dort sollten unter anderem Hausärzte praktizieren und eine ambulante betreute Wohn-Pflegegemeinschaft entstehen. Geplant seien, so Disteldorf, ferner diverse Therapieangebote wie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. Doch seitdem ist noch nichts geschehen. Nach dem Insolvenzantrag ist nun die Verunsicherung groß: Langer: „Wie es jetzt weitergeht, steht in den Sternen.“

VG-Chef Marcus Heintel hat nach Bekanntwerden des Insolvenzantrags sofort Kontakt mit seinem Zeller Bürgermeister-Kollegen Karl-Heinz Simon aufgenommen, um auszuloten, welche politische Lösungen möglich sind. Heintel: „Wir ziehen in dieser Frage natürlich an einem Strang. Das Zeller Krankenhaus ist auch für uns von größter Bedeutung, ebenso das Versorgunszentrum in Traben-Trarbach. Würde Zell schließen müssten die Patienten nach Simmern, Cochem, Bernkastel-Kues oder Wittlich.“

Das Amtsgericht Montabaur beabsichtigt derweil, eine vorläufige Eigenverwaltung unter Bestellung eines Sachwalters anzuordnen.

„Das Unternehmen will den Sanierungsprozess nutzen, um sich neu aufzustellen und seine Finanzen langfristig neu zu ordnen“, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Welche konkreten Sanierungsmaßnahmen an welchem Standort getroffen werden müssten, könne man derzeit noch nicht sagen. Zu der Frage, ob ein Krankenhaus komplett geschlossen werde, wollte sich der Sprecher mit Blick auf den zu erstellenden Sanierungsplan derzeit nicht äußern.

Schon Mitte Dezember vergangenen Jahres löste das Klinikum Mittelmosel die Neurologie in Zell auf (der TV berichtete). Dafür sollen zwar personelle Probleme ein Grund gewesen sein, doch finanzielle Turbulenzen könnten bei der Verlegung der Schlaganfall-Einheit von der Neurologie in die Internistische Abteilung also ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Eine „bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung bleibt auch in den neuen Strukturen weiterhin gewährleistet“, vermeldete damals der Träger.

Am 1. April 2012 schloss das Verbundkrankenhaus Zell/Traben-Trarbach in Zell die Geburtsstation und konzentrierte die Geburtshilfe am Standort Traben-Trarbach. Aber auch diese wurde drei Jahre später geschlossen. Die Betten wurden abgebaut und nach Zell verlagert.

Jetzt stehen vermutlich alle Strukturen auf dem Prüfstand.

Die deutschlandweit rund 3200 Mitarbeiter von ViaSalus wurden inzwischen ebenfalls über die Situation informiert. Die Beschäftigten sollen während des gesamten Eigenverwaltungsverfahrens über den Stand der Dinge informiert werden, hieß es. „Die Löhne und Gehälter aller Arbeitnehmer sind bis Ende März durch die Bundesagentur für Arbeit gesichert“, betonte ein Unternehmenssprecher. Den Plänen zufolge soll das Eigenverwaltungsverfahren Ende März oder Anfang April eröffnet werden. Bis dahin will die ViaSalus-Geschäftsführung gemeinsam mit Mitarbeitern und Gläubigern ein Sanierungskonzept ausarbeiten. „Ob es Kündigungen geben wird, können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen“, teilte ein Sprecher mit. „Durch die Neustrukturierung können wir den wirtschaftlich tragfähigen Betrieb von ViaSalus langfristig sichern. Dabei stehen der Erhalt der Arbeitsplätze und die Versorgung der uns anvertrauten Patienten und Bewohner im Mittelpunkt“, betonte Elisabeth Disteldorf.

Warum ViaSalus finanziell in Schieflage geraten ist und welches Ausmaß das Defizit hat, dazu wollte sich der Unternehmenssprecher nicht äußern. „Die Neuaufstellung von ViaSalus wurde erforderlich aufgrund anhaltender wirtschaftlicher Defizite an einzelnen Standorten, die auch durch die Verzögerung von Bauprojekten hervorgerufen wurde“, hieß es lediglich. Die Geschäftsführung sei aber optimistisch, das Eigenverwaltungsverfahren bis Ende 2019 abschließen zu können. „Die Leistungen sämtlicher Einrichtungen werden wie gewohnt in vollem Umfang weiter erbracht“, versicherte der Sprecher.

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