Auf Platt den Alltag spitz skizziert

Auf Platt den Alltag spitz skizziert

Moselfränkisch ist nicht nur ein Stück Kultur, sondern auch eine Philosophie für sich. Achim Weinzen, Cilli Kehsler und die "Wéngert Stompers" betrachteten beim SWR4-Mundart-Festival "Mussik, Sprooch un Wein" den "ganz alltäglichen Alltag" auf Platt und skizzierten das Leben daheim hintergründig, pointiert und mit viel Humor.

Starkenburg. (red) Wer aus der Eifel kommt und vom "Navi" nach links geschickt wird, wenn rechts Starkenburg ausgeschildert ist, spürt schon, dass es mit der Verständigung nicht immer ganz einfach ist. So musste Liedermacher Achim Weinzen aus Bitburg auch ein bisschen Geduld mit seinem Publikum in der Starkenburger Gemeindehalle haben, bis sich die echten Moselaner an seine Mundart gewöhnt hatten. "Dat es net mei Daach", sang er noch zur Eröffnung, doch spätestens mit seinem Lied über "Matthes" kam er an der Mosel an - 'nen echten Matthes gibt es eben überall.Das gut vorgewärmte Publikum brachte Cilli Kehsler aus Pünderich so richtig auf Touren. In ihrer moselfränkischen Muttersprache deckte sie die Einflüsse des Englischen auf, die sie mit spitzer Zunge "auf gut Deutsch" zurückübersetzte. "Ma mos et erläft ho", ist ihr Wahlspruch, denn ihre Geschichten von der "Weihnachtsbeleuchtung", dem "dolle Poa Schoh" und der "Kreizfoaht" sind mitten aus dem Leben gegriffen. Ihre Texte schreibt sie übrigens nur auf Hochdeutsch und übersetzt sie beim Vortrag, denn: "Auf Platt schreiben - das ist für mich wie Chinesisch für Fortgeschrittene". So musste sie die Anfragen nach ihren Texten mit dem Hinweis auf ihre Publikationen in Hochdeutsch und auf die Mitschnitte vom Mundart-Festival "Mussik, Sprooch un Wein" beantworten, die jeden Sonntag zwischen 18 und 20 Uhr in SWR 4 bei den "Heimatmusikanten" einen Sendeplatz haben.Dort werden auch die "Wéngert Stompers" wieder zu hören sein, die auf ihren Weinbergsinstrumenten rasanteste Rhythmen produzierten und davon träumten, einmal Bacchus zu sein oder aus dem Glas der "Schéin Weinkönigin" zu trinken. Band-Gründer und Sänger Markus Mich nutzte die Gelegenheit zum Mundart-Austausch zwischen Ober- und Mittelmosel. Die regionale Bezeichnung für "Hooten" und die bevorzugten Traktor-Marken ließ er sich vom Publikum in der voll besetzten Starkenburger Gemeindehalle zurufen. Moselfränkisch ist eben nicht gleich Moselfränkisch, sondern ein Stück ganz individueller Kultur.

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