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Baustelle an der Lieser: Lärm - Dreck - Leere

Baustelle an der Lieser: Lärm - Dreck - Leere

Das Projekt Stadt am Fluß trifft Wochenmarkt und Einzelhändler. Neben dem Krach gibt es einen weiteren Störenfried.

Kurz vor Mittag, von oben brennt die Sonne herab, kein Lüftchen weht. Es ist Dienstag, Markttag in Wittlich und gleichzeitig der bisher wärmste Tag dieses Sommers. Nur wenige Kunden laufen zwischen den Verkaufswagen und Ständen umher, auf der Suche nach Brot, Geflügel und Gemüse für ihr Mittag- oder Abendessen.

Ein bisschen liegt es sicher auch am Wetter, dass auf dem Marktplatz so wenig los ist. Trotzdem sind sich die Marktleute einig: Die Baustelle am Platz an der Lieser ist gar nicht gut fürs Geschäft.

Ungefähr 40 Prozent weniger Kundschaft kommen zu ihr an den Wurststand, seit die Bagger rollen, schätzt Monika Pauly. "Und jetzt kommt auch noch das warme Wetter dazu", sagt sie.

Das größte Problem für viele hier ist die Parkplatzsituation, nicht zuletzt weil seit einigen Wochen der Parkplatz in der Karrstraße wegen einer weiteren Innenstadt-Baustelle gesperrt ist (der TV berichtete). Es bleibt der Parkplatz Rommelsbach, aber: "Viele wissen gar nicht, wie sie da drauf kommen", sagt eine Kundin von Pauly. Zwar ist die Zufahrt über die Feldstraße nach wie vor frei, nur in den Stoßzeiten regelt eine Ampel den Verkehr. Doch das hat sich offenbar nicht bei allen Kunden rumgesprochen.

Und selbst wenn sie den Parkplatz finden, für so manchen ist der Weg in die Innenstadt trotzdem noch ein Problem. "Es gibt ja auch Leute, die wollen nicht zu Fuß gehen, wenn sie Einkaufstaschen schleppen", sagt Gemüsehändlerin Martina Heintges.

Ein paar Meter weiter, auf dem Platz an der Lieser selbst, hat sich mittlerweile ein ganz neues Problem aufgetan: der Staub. Vor vier Wochen klagten die Geschäftsleute am Platz vor allem über die teils unübersichtliche Verkehrsführung(der TV berichtete) - die schreckte Laufkundschaft ab und führte zu Problemen mit Lieferanten. Und nun also die Staubschwaden, die über den Platz wehen - begünstigt von dem seit Wochen anhaltenden trockenen Wetter. Die Mitarbeiterin einer Modeboutique am Platz gab den Arbeitern den Tipp, etwas Wasser zu spritzen. Scheinbar mit Erfolg, einige der Arbeiter halten Schläuche in der Hand und befeuchten den Untergrund, auf dem sie gerade arbeiten.

Aber genau wie vor vier Wochen - die Stimmung unter den Verkäuferinnen in der Boutique ist ungebrochen gut. "Wenn es staubt, holen wir die Kleiderständer rein und sind ganz schnell fertig", erklärt Jutta Nonnweiler.

Verschärft hat sich die Lage für Restaurant-Inhaber Jürgen Werner: Er schätzt, dass ihm im Tagesgeschäft teilweise 80 Prozent der Einnahmen fehlen. "In der Mittagspause hat doch keiner Lust auf Palaver und Staub." Sein Außenbereich grenzt direkt an die Großbaustelle und ist mittlerweile an drei Seiten vom Bauzaun umgeben.

Auf dem Markt sind die direkten Folgen der Baustelle weniger gravierend, der Lärm ist kaum zu hören, und auch der Staub weht nicht so weit. Bäckereifachverkäuferin Susanne Bernardi fürchtet dennoch um ihren Umsatz. Sie sieht vor allem den Zulauf aus dem Wittlicher Umland schwinden. Die Kunden fänden sich in der neuen Verkehrsführung nicht mehr so gut zurecht und wichen lieber auf die großen Läden am Stadtrand aus. "Das ist blöd für das Innenstädtchen", sagt Bernardi. Sie fürchtet langfristige Folgen: "Wenn die Leute sich erst mal an den Umweg gewöhnt haben, kommen sie vielleicht auch dann nicht mehr, wenn die Baustelle längst beendet ist. Der Mensch ist schließlich ein Gewohnheitstier."

Nur die zwei Herren am Markt sehen es gelassen. Vincenzo Calabrese verkauft Olivenöl, von einem alten Schulfreund in Italien - selbst gepresst. "Ich darf mich nicht beschweren", sagt er. Schließlich verkaufe er nur im Nebenerwerb, es sei eher ein Hobby als Arbeit. Sein Marktnachbar, Feinkosthändler Suleyman Aküz, kann auch keinen größeren Umsatzrückgang feststellen. "Ein bisschen weniger ist es schon, aber das liegt dann doch mehr am Wetter." Ohnehin: Protest bringe gar nichts. "Die machen da auf der Baustelle auch nur ihren Job."

Olivenölhändler Calabrese kommt dann, unabhänig von allen Diskussionen rund um die Baustelle, noch eine Idee. "Die Stadt kann doch mal ein Dach über dem Marktplatz aufspannen." Er kennt das von Märkten in seiner Heimat Italien, sagt er. Das bringt ja vielleicht ein bisschen Abkühlung in hitzigen Zeiten - und schützt vor Staub.