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Das alte Wittlich hat sich stark vergrößert

Das alte Wittlich hat sich stark vergrößert

Vergleicht man alte Karten mit den heutigen Ansichten, so zeigt sich, was sich "in dem Alten Wittlich" und "um das Alte Wittlich herum" in den vergangenen 200 Jahren verändert hat.

Wittlich. Als Beispiel dient ein Ausschnitt aus der topographischen Karte Nr. 193, die 1811 von Ing.-Geograph Raymond aufgenommen wurde. Als Orientierungshilfe bietet sich dabei der in blauer Farbe dargestellte Verlauf der Lieser von Nordwesten nach Südosten. Zwischen der Lieser und der Stadtmauer war damals noch mehr Freiraum. Die Stadt Wittlich im Zentrum, zeigt sich mit den vielen Bürgerhäusern und dem Standort von Schloß Philippsfreude.
Stadt- Geschichte(n)


Vor 200 Jahren stand Wittlich nur auf der linken Lieserseite, seit 1300 mit einer Stadtmauer umgeben. Rechts der Lieser waren in geringer Entfernung die Brückenmühle, die Fallerkapelle und Wegekreuze am Weg zur Fallerkapelle und nach Klausen. Der Standort der Kirche St. Markus ist mitten in der Stadt.
Die Hauptverkehrsstraße war die große Route von Trier nach Koblenz, die über die Lieserbrücke mitten durch die Stadt führte. Die heutige Trierer Landstraße und die Koblenzerstraße sind immer noch Teile dieser "Grande Route". Die Himmeroder-, die Ober-, die Burg-, die Trierer- und die drei Kordelstraßen sind jeweils mit beidseitiger Bebauung zu erkennen. An der Wallstraße standen noch keine Häuser.
Der Marktplatz auf den die Gassen zulaufen, zeigt seine zentrale Lage. An der heutigen Neustraße am Marktplatz standen das Rathaus und das Kesselstattsche Haus. Die obere Neustraße und der Bereich Hochstraße bis zur heutigen Kegelbahnstraße waren noch unbebaut und wurden landwirtschaftlich genutzt. Selbst Weinberge standen 1833 noch in diesem Bereich innerhalb der Stadtmauern. Die Lage des damals neuen Friedhofes ist an der Straße nach Koblenz zu erkennen, seit 1791 außerhalb der Stadtmauer. Groß und frei zeigt sich die Fläche um das Schloss Philippsfreude zwischen der Oberen Kordel, der Burg- und Kurfürstenstraße. Besonders groß fällt dabei der Tiergarten auf. Interessant ist im westlichen Bereich der Zulauf des Rommelsbaches mit seiner Umgebung.
Der gesamte Karteninhalt zeigt dem Betrachter eine verhältnismäßig genaue kartographische vergleichende Rückschau. Napoleon hatte die topographische Aufnahme rheinischer Gebiete angeordnet, die zunächst 1803 bis 1813 unter Oberst Tranchot begonnen und unter Generalmajor Freiherr von Müffling 1816 bis 1820 vollendet wurde. Die Originale befinden sich in der Staatsbibliothek Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin, die teilweise vom Landesvermessungsamt Rheinland-Pfalz 1975 reproduziert wurden. Diese Karten gibt es nicht nur von Wittlich, sondern von der ehemaligen Rheinprovinz, und sie zeigen den Heimatforschern, wie die damaligen Orte und Landschaften topographisch ausgesehen haben und mit welchen Lagebezeichnungen sich unsere Vorfahren orientiert haben. Nach genau 200 Jahren darf an dieses große und noch frühe Kartenwerk erinnert werden, das über Wittlich eine interessante kartographische Rückschau bietet.