Der Mann für den Bass

Keiner ist so lange dabei wie Helmut Reitz. Seit 60 Jahren spielt er die Tuba im Musikverein Hetzerath. Dass er 1954 zu dem Bassinstrument griff, obwohl er viel lieber Fußball spielte, hatte sein Vater entschieden. Das Spielen dieses Instruments liegt dem 74-Jährigen bis heute am Herzen.

Hetzerath. Eigentlich wollte Helmut Reitz als 13-Jähriger viel lieber Fußball spielen. Mit dem Musikverein Hetzerath hatte er nichts am Hut. Aber sein Vater - als Vorsitzender - und der gesamte Vorstand drängten ihn. Der Verein brauchte dringend einen Bassisten. Beim Instrument hatte Helmut, genannt Hella, also ebenfalls keine Wahl. Es musste die Tuba sein.
Auch ein Lehrer fand sich: Sein Onkel Jakob Karls, Landwirt in der Klüsserather Straße. Der Anfang war schwer. Monatelang musste Helmut Reitz zu seinem Onkel stiefeln, um graue Theorie zu büffeln. Erst als alle Tonleitern und Griffe in seinem Kopf abrufbar waren, erlaubte ihm der Onkel das Üben mit Instrument. "Was war ich dem Mann nachher dankbar", sagt Helmut Reitz heute.
Vor Abfragen gestrenger Dirigenten brauchte er sich nicht zu fürchten. Die Theorie saß. Er hat sich nicht nur mit der Unterrichtsmethode angefreundet, auch die Tuba ist ihm schnell ans Herz gewachsen.
Fan von Marschmusik


Hätte er die Wahl gehabt, wäre es wohl die Klarinette geworden. Aber nur wegen der Größe. Mit 74 ist das Tragen der Tuba beschwerlich, vor allem bei der jährlichen, sieben Kilometer langen Wallfahrtsprozession nach Klausen. Seit drei Jahren lässt sich Helmut Reitz bei diesem Marsch vertreten. Apropos Marsch. Helmut Reitz liebt Marschmusik. So wie Volksmusik und Polkas. Ein Repertoire, dem er sich mit den "Hetzerather Rummelwäschern" verschrieben hat. Seine dritte Kapelle ist das Trierer Bundesbahnblasorchester "Flügelrad", in dem er als ehemaliger Fahrdienstleiter seit 40 Jahren mitspielt.
Helmut Reitz ist Vereinsmensch aus Überzeugung. "Auf dem Sportplatz ist noch nie ein Mensch verdorben worden", erklärt er die wichtige Rolle der Vereine. Im Hetzerather Sportverein ist Helmut Reitz ebenfalls seit 60 Jahren Mitglied. 30 Jahre spielte er aktiv Fußball, 14 Jahre lang war er zweiter Vorsitzender und pflegt heute als Sportwart die Plätze. Sonntags verpasst er selten ein Heimspiel.
Aller guten Dinge sind drei: Seit der Gründung des Karnevalsvereins 1975 ist Helmut Reitz auch dort dabei , 19 Jahre lang im Vorstand, davon 16 Jahre als zweiter Vorsitzender.
In den 60 Jahren, die er auf das Vereinsleben zurückblickt, hat sich einiges verändert. Vieles ist besser geworden, anderes schlechter, findet er: Der Musikverein sei heutzutage zum Glück auch offen für Frauen. Der Vorstand versuche im Gegensatz zu früher, die sonntäglichen Auftritte mit dem Fußball unter einen Hut zu bringen. Aber im Karneval dominieren zum Verdruss des Jecken mittlerweile Musik und Tanz die Redebeiträge, in denen Reitz in der Bütt früher selber so gerne Hetzerather Originale auf die Schippe nahm.
Er lässt keine Probe aus


Im Karnevalsverein ist er inzwischen inaktives Ehrenmitglied, im Musikverein lässt er aber immer noch keine Probe aus. "Es muss schon schlimm kommen, dass ich eine Probe ausfallen lasse", betont er und tritt für absolute Pünktlichkeit ein. "Das ist das A und O". Sein Verein kann auf ihn zählen, sagt der Vorsitzende Thomas Schuh: "Hella ist mit Abstand der älteste, zuverlässigste und organisierteste aktive Musiker im Verein. Er ist immer da, wenn man ihn braucht." sys