Die Diskussion um das Sondergebiet Hotel und Gastronomie geht weiter.

Stadtentwicklung : Auf dem  Plateau ist eine Lösung in Sicht

Die Diskussion um das Sondergebiet Hotel und Gastronomie in Bernkastel-Kues geht zwar weiter. Bei einer Infoveranstaltung kam aber mehr Licht in die Sache. Der Investor könnte bauen, zwei andere Hoteliers wären nicht betroffen.

Das Interesse ist groß, die Stühle reichen gerade so aus. Mehr als 100 Bürger wollen sich informieren, was Hotelbesitzer Heiner Buckermann auf dem Kueser Plateau plant. Der größte Teil von ihnen hat bereits bei Sitzungen von Bauausschuss und Stadtrat zugehört — aber eben nur zugehört. Ihre Meinung sagen und ihre Fragen stellen durften die Bürger bisher aber nur außerhalb der Gremien. Das ändert sich an diesem Abend. Die Kommunalpolitiker, die die Entscheidungsgewalt haben, kommen dem Wunsch nach Anhörung entgegen.

Worum geht es? Heiner Buckermann, Besitzer des Wellnesshotels Zum Kurfürsten möchte seine Anlage um zwei benachbarte Betriebe, Hotel Kölchens und das Appartementhaus Zur Sonne erweitern. In diesen beiden Häusern will er die Restaurationsräume für die Hausgäste aller drei Betriebe konzentrieren. Zudem soll unter anderem im Bereich der Sonne ein Schwimmteich angelegt werden. Die Parkplätze sollen weitgehend auf das Gelände des schon bestehenden Geländes am Kurfürsten verlegt werden. Die Investitionssumme beläuft sich nach Buckermanns Angaben auf 4,5 Millionen Euro.

Manchen Anwohnern ist Buckermanns Anwesen jetzt schon zu groß. Sie stören sich vor allem an den Dimensionen des vor einigen Jahren gebauten Bettenhauses und befürchten das Ende der Fahnenstange sei noch nicht erreicht. Der Investor sagt, dass er nur gebaut habe, was ihm auch erlaubt worden sei. In dem Bereich befinden sich mit dem Hotel Rosengarten und dem Cafe Ernst zwei weitere gastronomische Betriebe.

Planerin Annette Weber zeigt an diesem Abend alte Baupläne vom Kueser Plateau, einem beliebten Wohngebiet. Sie zeigen, dass dort auf vielen Grundstücken die Grenzen nicht eingehalten worden sind. „Wer im Glashaus sitzt, sollte also nicht mit Steinen werfen“, sagt sie.

Der gängigen Praxis Ausnahmegenehmigungen zu erteilen, solle nun ein Riegel vorgeschoben werden. Längst sei dieser Bereich des Plateaus kein allgemeines Wohngebiet mehr. Die Kreisverwaltung verlange, dass dem Umbau der Betriebe Kölchens und Sonne eine Änderung des Bebauungsplanes vorangehen müsse. Damit solle die Planungssicherheit für die Zukunft gewährleistet werden — auch für die Besitzer des Hotels Rosengarten und des Cafe Ernst. Sonst könnten in diesem Bereich keine baulichen Erweiterungen mehr genehmigt werden.

Anwohner Joachim Weicher sieht das anders. „Die Besitzer dieser Betriebe haben keine Unsicherheit. Die hat Investor Buckermann“, sagt er. Mit einem Sondergebiet Hotel und Gastronomie solle sie beseitigt werden. Weicher moniert, dass von Seiten der Stadt  ein „Versteckspiel“ und eine „Blockadehaltung“ bei der Informationspolitik an den Tag gelegt worden sei. Es seien Irritationen entstanden, die auf eine Lösung harrten.

Maren Pflaumbaum spricht von Misstrauen gegenüber der Verwaltung und dem Stadtbürgermeister. Der Stadtrat habe noch nicht über die so genannte Offenlegung entscheiden, entgegnet Stadtbürgermeister Wolfgang Port. Wenn dies geschehen sei, könne jeder Bürger Einsicht in die Pläne nehmen, Anregungen geben und  Bedenken artikulieren.

An diesem Abend wird klar: Wenn die Betriebe Ernst und Rosengarten nicht Teil des Sondergebietes werden, sinkt der Widerstand. Jan Ernst wartet nach eigenen Angaben sei längerem auf eine rechtsverbindliche Betätigung, dass er seine Betrieb zum Beispiel auch als vermietetes Wohnhaus nutzen kann. Ansonsten sei bei ihm nichts zu sichern.

Es besteht offenbar die Möglichkeit, dass Buckermann ein sogenanntes vorhabenbezogenes Projekt angeht — also nur seine Pläne zum Tragen kommen. Die anderen Gastronomen dürften dann an ihren Bauten keine Veränderungen mehr vornehmen, was sie aber nach jetzigem Stand nicht vorhaben. Stadtplaner Rolf Weber, den Stadtbürgermeister Port als externen Experten zu der Versammlung hinzugezogen hat, bestätigt diese Möglichkeit des Vorgehens. Wenn dies geprüft und möglich sei, könnten die Betriebe Ernst und Rosengarten Teil des allgemeinen Wohngebietes bleiben.

Maria Kölchens vom Hotel Kölchens tritt als Pragmatikerin auf. Ihr Betrieb wäre aus Altersgründen sowieso geschlossen worden, sagt sie. Und die Sonne gammele schon lange vor sich hin. „Was wäre passiert, wenn Buckermann die Betriebe nicht gekauft hätte und sie in Ordnung bringt“, fragt sie. Keiner müsse Angst haben. „Es ändert sich gar nichts. Es wird nur schöner“, sagt sie. „Ich glaube viele sagen jetzt: So schlimm wird es gar nicht“, sagt Stadtratsfrau Gertrud Weydert am Ende der Veranstaltung gegenüber dem TV.