Ein Treffen ganz im Sinne von Nikolaus Cusanus

Ein Treffen ganz im Sinne von Nikolaus Cusanus

Die noch junge Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues propagiert im Fach Ökonomie das solidarische Wirtschaften. Das wurde bei einer Veranstaltung deutlich, zu der junge Leute aus ganz Deutschland an die Mosel kamen.

Bernkastel-Kues. Das Strategietreffen des Netzwerkes Plurale Ökonomik fand in diesem Jahr in Bernkastel-Kues statt. Fast 40 Studierende und junge Berufstätige waren aus den bekanntesten und größten Universitätsstädten Deutschlands - Heidelberg, Mainz, Hannover, Berlin - gekommen. Sie vertraten dort die Gruppen des Netzwerkes, das sich für Pluralität der Lehre und Forschung in den Wirtschaftswissenschaften einsetzt.
Das Ziel: Viele Formen zumeist solidarischen Wirtschaftens - beispielsweise Ansätze der katholischen Soziallehre oder das Grundeinkommen - sollen gleichberechtigt neben dem heute dominierenden Neoliberalismus an deutschen Universitäten gelehrt und erforscht werden.
Ort spielt wichtige Rolle


Der Ort war nicht zufällig gewählt. Die Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues ist fast die einzige Hochschule in Deutschland, an der man eine neoliberale Lehrbuchwirtschaft nicht nur hinterfragt, sondern durch alternative Ansätze, Fächer übergreifende Inhalte und die Originalquellen des klassischen Kanons der Nationalökonomie ergänzt.
Im Mittelpunkt stand der Vortrag von Prof. Dr. Silja Graupe, Vertreterin der Pluralen Ökonomie in Deutschland. Der große Saal des Rathauses in Bernkastel-Kues war bis auf den letzten Platz gefüllt. Zwischen die Studierenden hatten sich auch interessierte Bürger aus gemischt.
Einführende Worte sprach Prof. Dr. Harald Schwaetzer, der die innovative Rolle des Ortes unterstrich. So verwies er unter anderem darauf, dass Nikolaus Cusanus, Patron der Hochschule, bereits im 15. Jahrhundert das Konzept freier, gleicher und geheimer Wahlen entworfen habe. Silja Graupe erklärte die Unterschiede zwischen dem pluralen Ansatz und der an Gewinnmaximierung orientierten Sicht strenger Neoliberaler. Die Verwendung lebensferner Theoriemodelle, das Erstellen von Erfolgskriterien ohne individuellen Bezug (Noten, Tests), das bewusste Einsetzen eines irrationalen Zeitdrucks, das gezielte Wiederholen unstimmiger Argumente, das Erzeugen eines künstlichen Konkurrenzdenkens setze den Einzelnen unter Druck.
Wege aus der Sackgasse


Der zweite Teil ihres Vortrages war der Frage gewidmet, wie sich ein akademisches Wirtschaftsinstitut organisieren müsse, um den Sackgassen des Neoliberalismus zu entgehen. Zuerst, so Graupe, benötige man Vertreter verschiedener wirtschaftlicher Denkschulen, die auch eine solide Verwaltungsarbeit zu leisten hätten. Weiterhin sei die Bereitschaft unterlässlich, negative Auswirkungen falscher Denkmodelle zu verhindern - durch ethisch motiviertes Eingreifen. Wichtig sei, dass die Wirtschaft wieder den Menschen dienen müsse, anstatt diese den Gesetzen des Marktes zu unterwerfen.
In einer Fragerunde wurde aus unterschiedlichen Blickwinkeln immer wieder das Erstaunen darüber artikuliert, dass es überhaupt zu einer Dominanz des Neoliberalismus kommen konnte, dessen vielfältiger Einfluss auch an den meisten Heimatuniversitäten der Anwesenden alle Dialogversuche verhindere. red