Glaube im alltag

Advent - dazu gehört für mich Kerzenlicht und Stille, "Rorate", Engel und leise Musik, Tee, Plätzchen, Äpfel und Nüsse. Auch Johannes der Täufer gehört zum Advent, der Vorläufer, der auf den weist, der nach ihm kommt: "Bereitet dem Herrn den Weg, ebnet die Straßen", beseitigt die Stolpersteine.

Jetzt, im Advent, tragen die Stolpersteine Namen wie Hektik, Lärm, Trubel, Weihnachtsgeschenke, Einkaufsstress. Wie immer frage ich mich auch in diesem Jahr: Kann ich mich da auf sein Kommen vorbereiten? Wie können diese so menschlichen Stolpersteine aus dem Weg geräumt oder umgangen werden? Vielleicht ist es mir aber auch ganz recht, dass vor Weihnachten Hindernisse im Weg liegen. Denn käme Gott wirklich in meine Lebenswelt, das könnte unangenehm werden. Ich müsste mich eventuell ändern, so manches in meinem Leben hinterfragen, die oft so bequemen Zweifel und Ausreden beseitigen, vielleicht sogar mein Sofa der Bequemlichkeit verlassen. Nein, es ist schon gut, dass sich vor Weihnachten Hindernisse auftun, es ist ganz gut, dass Gott mir nicht zu nahe kommt. Aber da ist auch die adventliche Botschaft des Johannes, die mir nicht aus dem Sinn geht. Sie führt Jahrhunderte zurück: Das Volk Israel wurde aus Fremdbestimmung und Sklaverei befreit. Unüberwindlich scheinende Hindernisse konnten weggeschafft und der Heimweg aus dem Exil angetreten werden. Israel erlebte auf seinem Weg Erneuerung, Heil, Hoffnung, Zukunft. Johannes greift diese Erfahrungen auf, wenn er von Umkehr und einem neuen Anfang spricht, wenn er "dem Herrn die Wege bereiten will". Ob ich mich nicht doch darauf einlassen sollte? Werde ich dann vielleicht, wie so viele Menschen vor mir, entdecken, dass Jesu Botschaft von der Liebe Gottes in den Herzen der Menschen und in der Welt, dass sie für mich eine frohe, eine gute Botschaft ist mit heilender und befreiender Wirkung? Dass die Nähe Jesu in mir womöglich ganz neue Saiten zum Klingen bringt? Dass ich Gott ganz neu entdecke? Ich werde es riskieren. Rudolf Halffmann Pfarrer i. R. Bernkastel-Kues