Keine Angst vor Wölfen

Es ist fast 140 Jahre her, dass der letzte Wolf im Hunsrück bei Deuselbach erschossen wurde. Eine Rückkehr der Tierart in das Gebiet ist durch Zuwanderung möglich. In einem Gehege an der Wildenburg (Kreis Birkenfeld) wollen Experten zudem ab Frühjahr 2015 Leben und Verhalten von Wölfen erforschen.

Deuselbach/Kempfeld/Züsch. Rund 12 000 Quadratmeter groß soll das Freigehege an der Wildenburg bei Kempfeld sein, in dem künftig bis zu sechs Wölfe leben werden. Das ist sechsmal so groß wie gesetzlich vorgeschrieben. Im Frühjahr 2015 soll ein Muttertier mit fünf Welpen einziehen. Mit ihnen werden auch Tierpflegerin Luise Reis und Projektleiter Lennart Weidemann Tag und Nacht zusammen sein. Zunächst nur, um die jungen Wölfe alle zwei Stunden füttern zu können. Später möchten sie das Leben und Verhalten der Tiere studieren.
Damit dies gelingt, sollen nur Wölfe ins Freigehege Wildenburg kommen, die per Hand aufgezogen wurden. Finanziert wird das Projekt von einem Tierfutterhersteller, der auch ein für Wölfe geeignetes Trockenfutter im Angebot hat. "Wir wollen zeigen, was das für wundervolle Tiere sind", sagt Projektleiter Weidemann und begegnet damit kritischen Stimmen, die sagen, dass eingezäunte Wölfe nicht zu einem Nationalpark passen.
Keine Auswilderung geplant


Anders als beim Wildkatzenzentrum, das dafür geschaffen wurde, verletzte oder angefahrene Tiere zu pflegen und sie später wieder in die Natur zu entlassen, sei hier eine Auswilderung der Wölfe auf keinen Fall geplant. Das sei bei an Menschen gewöhnten Wölfen auch gar nicht sinnvoll, sagt Weidemann. "Diese Tiere würden auch in Freiheit die Nähe des Menschen suchen." Das sei gefährlich, allerdings mehr für die Tiere als für die Menschen, denn der Abschuss drohe.
Dennoch ist es nicht ausgeschlossen, dass sich künftig auch Wölfe in Freiheit wieder im Hunsrück einfinden. Das sagt Revierförster Willi Zimmermann aus Züsch (Kreis Trier-Saarburg), der zum Netzwerk für Großkarnivoren (große Raubtiere) gehört. "Das ist nur eine Frage der Zeit", sagt er.
Die nächsten Beobachtungen von Wölfen in freier Wildbahn mit einer Wildkamera habe man bei Metz gemacht. Das sei nur gut 100 Kilometer entfernt. Ein Wolf könne sich an einem Tag 50 bis 60 Kilometer bewegen, sagt Zimmermann. Auch im Westerwald sei schon ein Wolf gesichtet worden, der offenbar aus Italien gekommen war. Da alle Beobachtungen von Wölfen zentral erfasst werden, könne man auch die Wege der Tiere nachvollziehen.
Es müsse aber niemand Angst vor den Tieren haben, versichert Zimmermann. "Ein erwachsener Wolf lässt sich nicht blicken." Es habe auch in der Vergangenheit keinerlei Vorkommnisse mit Wölfen gegeben.
Derzeit werde in Rheinland-Pfalz an einem Wolfmanagement gearbeitet, sagt Zimmermann. Dabei werden auch Entschädigungszahlungen für Schafhalter berücksichtigt. Damit könne unter anderem eine Ausbildung der Herdenschutzhunde finanziert werden, oder Schutzvorrichtungen für die Schafe.
In dem Gehege im Wildenburger Park wird die Zahl der Wölfe begrenzt bleiben. Eine Vermehrung und damit auch Inzucht will man durch die Verhütung per "Pille" ausschließen.Extra

Haben euch eure Eltern auch immer spannende Märchen vorgelesen? Zum Beispiel von Rotkäppchen und dem bösen Wolf. Da frisst der Wolf erst die Großmutter und dann noch Rotkäppchen. Es gibt auch den Wolf und die sieben Geißlein. Da frisst der Wolf sogar ganz viele Tiere, bis auf das kleinste Geißlein, das sich in einer Uhr versteckt hat. Da kann man ganz schön Angst bekommen vor so einem Wolf. Dabei sind die Wölfe gar nicht böse und auch nicht gefährlich. Im Gegenteil, die haben nämlich eher Angst vor den Menschen. Deshalb muss niemand Angst haben, wenn im Wald ein Wolf unterwegs ist. Der will sich eigentlich immer vor den Menschen verstecken und tut ihnen nichts. noj