Kunstgeschichte steht am Straßenrand

Kunstgeschichte steht am Straßenrand

Die Barockstadt Dresden mit den weltberühmten Gebäuden wie Zwinger, Semperoper und Frauenkirche kennen viele. Man muss aber gar nicht weit fahren, um sich interessante Bauwerke aus unterschiedlichen Epochen anzuschauen. Auch der Kreis Bernkastel-Wittlich hat bauhistorisch viel zu bieten. Wir zeigen einige Beispiele.

Bernkastel-Wittlich. Wer aufmerksam durch die Städtchen und Dörfer des Kreises Bernkastel-Wittlich geht, und sich manch auffallendes Gebäude anschaut, erkennt die unterschiedlichsten Baustile - vom einfachen bis repräsentativen Fachwerkstil, von der Renaissance, Barock über Klassizismus, Historismus, Jugendstil bis zur Moderne. Das Thema regionaltypische Baukultur im Landkreis ist ein sehr weites Feld. Viele Kultur- und Kunstströmungen hat die Baukultur aufgenommen. Schlichte Bauernhäuser, imposante Winzerhäuser, Kirchen sowie große öffentliche Gebäude wie Rathäuser und Museen: Der Kreis hat architektonisch viel zu bieten.Nachfolgend einige Beispiele aus den unterschiedlichsten Epochen: Renaissance, Rathaus in Bernkastel-Kues: Der Kunsthistoriker Klaus Freckmann befasst sich in einem Beitrag im neuen Kreisjahrbuch detailliert mit dem 1608 erbauten repräsentativen Gebäude. Die symmetrisch ausgeführte Schaufassade zum Marktplatz hin besticht aufgrund ihres Farb- und Materialkontrastes. Der Renaissance-Dekor ist mit spätgotischen Schmuckelementen verbunden. Das Rathaus steht, so Freckmann, exemplarisch für die bauliche Synthese spätgotischer Architekturformen mit denen der Renaissance. Der Renaissancestil betont die Symmetrie, die Proportion, die Geometrie und die Anordnung der Bauteile. Barock, Schorlemer-Haus, Zeltingen: Die prächtige Barockfassade des Anwesens Freiherr von Schorlemer prägt seit 1758 das Ortsbild von Zeltingen und gehört zu den am häufigsten im Bild festgehaltenen Ortsansichten. Johann Jakob Pazen und Maria Leucius ließen 1758 das Barockhaus erbauen. Typisch für die Barockarchitektur sind geschwungene Fassaden, die Betonung der Mitte, ovale und runde Fenster, üppiger plastischer Schmuck und die Gebäudegruppierung um einen großen offenen Hof. Barock, Wohnhaus am Reiler Moselufer: Der ehemalige Hof der Freiherren von Neukirch ist ein schönes Beispiel für ein repräsentatives Wohnhaus aus der Barockzeit. Das nachträglich geteilte Wohnhaus ist als Dreiflügelanlage mit zwei Vollgeschossen und Mansarddach erbaut. In der Mitte zur Moselseite besitzt das Haus eine rundbogige Einfahrt. Historismus, Lorettahaus Traben-Trarbach: Das 1907 erbaute Lorettahaus ist ein Beispiel für den nationalbewussten romantischen Historismus dieser Zeit. Die Fassade zeigt eine Vielfalt an Balkonen, Erkern, Pavillons, Giebeln und Dachgauben. An der Fassade befinden sich eine Reihe von Figuren, die charakteristische Berufe und Beschäftigungen aus dem Moselbereich repräsentieren. So findet man dort Winzer und Winzerin, den Kellermeister, den Weinhändler, den Weinkenner mit Pokal und den Moselschiffer. Historismus, Kreishaus Wittlich: Der denkmalgeschützte Altbau wurde unter Kreisbaumeister Johannes Vienken nach Plänen von Paul Schultze-Naumburg von 1911 bis 1913 im historisierenden Stil errichtet. Der sich zur Straße hin öffnende Ehrenhof erweitert sich zu einer regelmäßig angelegten Gartenanlage, seitlich durch Mauern und Nebengebäude begrenzt. Im Erdgeschoss rahmen korbbogig schließende Fenster das schlichte Portal, die Fenster des Obergeschosses sind hier größer als die benachbarten der Flügel. Es heißt, mit der dreiflügeligen Anlage barocker Prägung habe der Architekt an das untergegangene Schloss Philippsfreude erinnern wollen. Jugendstil, Villa Huesgen, Traben-Trarbach: Das Haus Huesgen in Traben wurde 1905 erbaut. Die Villa ist der wohl beeindruckendste Traben-Trarbacher Jugendstil-Bau. Der Architekt Bruno Möhring, der "Vater" vieler Jugendstil-Bauten in der Stadt, wurde beauftragt, die Villa zu errichten. Der Jugendstil bestimmte Ende des 19. Jahrhunderts die Architektur Europas wesentlich. Typisch sind die geschwungenen Formen und Ornamente. Dabei soll die dekorative Schönheit in den Vordergrund treten. Moderner Landhausstil, Weingutshaus Steinbach in Reil: Das 1925 erbaute Wohnhaus ist ein Beispiel für den in dieser Zeit beliebte, aus England stammende Landhausstil. Gebaut wurde es von dem Zeller Architekten Otto Finé, der in und um Zell zahlreiche Behörden- und Bürgerhäuser schuf. Der Autor Gerd Bayer aus Bausendorf hat über Finé ein Buch geschrieben. Das Haus Steinbach ist wie alle von Finé gebauten Bürgerhäuser schön und funktional. Giebeldächer, gegliederte Fenster, Veranden, Erker, Balkone, Loggien und Höfe geben den Häusern ein ästhetisch ansprechendes Äußeres.

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