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Spagat zwischen Reformationsjubiläum und Strukturveränderungen

Spagat zwischen Reformationsjubiläum und Strukturveränderungen

Es wird gearbeitet aber auch gefeiert: Der Strukturprozess "Simmern-Trarbach 2020" ist in vollem Gang. Gleichzeitig wird im Kirchenkreis an Martin Luthers Theseanschlag erinnert. Die Kreissynode gab einen Vorgeschmack.

Simmern/Traben-Trarbach. Das Reformationsjubiläum feiern und gleichzeitig die Strukturveränderungen im Kirchenkreis fortsetzen: Vor diesem Spagat stehen die Protestanten auf dem Hunsrück und an der Mosel. Denn auf den Kirchenkreis Simmern-Trarbach warten einige wichtige Entscheidungen über die künftige Pfarr- und Gemeindestruktur wie auch die Arbeit in den Kooperationsräumen und im Kirchenkreis. Gleichzeitig feiern die evangelischen Gemeinden mit mehr als 80 Veranstaltungen ihr Reformationsjubiläum.
Diese Feiern werden in den nächsten Monaten wohl das Bild des Kirchenkreises in der Öffentlichkeit prägen. Bis zum 31. Oktober 2017 wird mit Konzerten, Vorträgen, Jugendveranstaltungen, Pilgerwegen, Ausstellungen und vielem mehr an den Thesenanschlag Martin Luthers vor 500 Jahren und die damit ausgelöste Reformation gefeiert. "Es ist ein europäisches, aber erfreulicherweise zugleich ein ökumenisches Ereignis", so Superintendent Horst Hörpel bei der Herbstsynode des Kirchenkreises Simmern-Trarbach.
Der Superintendent betonte vor allem den ökumenischen Aspekt. "In einer zerrissenen Welt, wie wir sie derzeit erleben, braucht es mutige Zeichen des Willens zur Versöhnung, ohne dass damit der Anspruch erhoben wird, von der anderen Seite zu verlangen, sie müsse ihre geschichtlich gewachsene Identität aufgeben", mahnte Hörpel. Er verwies auf den Papst-Besuch beim Lutherischen Weltbund am Reformationstag in Schweden. "Das Modell der versöhnten Verschiedenheit könnte dadurch relevant für politische Lösungsmodelle werden."
Doch auch die Strukturveränderungen, mit denen sich die evangelische Kirche beschäftigen muss, zeigen nach Hörpels Auffassung Aspekte der Reformation. Denn die Reformatoren hätten ebenfalls vor Herausforderungen gestanden: "Welche kirchlichen Strukturen müssen neu gebildet werden, wenn die bisherigen sich nicht mehr als tragfähig erweisen", fragte der Superintendent mit Blick auf die Folgen der Reformation. Neue Strukturen ausbilden, mutige Wege gehen, die vorher noch keiner gegangen ist - auch das gehöre zur Reformationsgeschichte.
Etat von 6,5 Millionen Euro


Seit 2003 gibt es Strukturveränderungen, eine Arbeitsgruppe "Simmern-Trarbach 2020" entwickelt derzeit Überlegungen, wie künftig Gemeindepädagogikstellen in den Regionen arbeiten können, wie sich gemeinsame Gemeindebüros bilden und wie die Kirchenmusik organisiert ist. Einen Zwischenbericht nahm die Synode zur Kenntnis, bis nächstes Jahr sollen Arbeitsergebnisse vorgelegt werden.
Deutlich wurde bei der Kreissynode allerdings auch, dass in den Gemeinden und den Presbyterien durchaus auch Vorbehalte und Sorgen bestehen, was Fragen einer weiteren Konzentration und Zentralisierung kirchlicher Aufgaben oder grundlegende Entscheidungen unter Zeitdruck angeht.
Die Frühjahrssynode im Juni 2017 in Argenthal soll daher ausführlich über den Strukturprozess "Simmern-Trarbach 2020" beraten, nachdem vorher die Presbyterien Gelegenheit hatten, die Vorschläge der Arbeitsgruppe zu diskutieren.
Auch die Finanzen spielten bei der zweitägigen Kreissynode eine wichtige Rolle. Einstimmig wurde der Etat des Kirchenkreises für 2017 (Gesamtvolumen rund 6,5 Millionen Euro) gebilligt.
Die Kreissynode traf zudem Personalentscheidungen. So wurde der Kirchberger Pfarrer Christian Hartung als Synodalassessor und damit Stellvertreter des Superintendenten ebenso wiedergewählt wie der erste stellvertretende Skriba Manfred Stoffel (Kirchberg) und die zweite stellvertretende Skriba Bärbel Sitzenstuhl (Simmern).
Mit Karin Schreiner (Niederweiler), Margit Dreher (Rayerschied) und Uwe Jost (Dill) wählten die Synodalen drei neue Synodalälteste in den Kreissynodalvorstand. Die bisherigen Mitglieder Holger Barth, Friederike Mauerhof und Friedhelm Konrad, die lange Jahre dem Vorstand angehörten, hatten nicht mehr kandidiert. Wiedergewählt wurden die stellvertretenden Synodalältesten Günter Schuler (Sohren) und Günter Bauermann (Bubach). dju