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Belästigt, verfolgt, vergewaltigt: So finden Frauen schnell Hilfe

Belästigt, verfolgt, vergewaltigt: So finden Frauen schnell Hilfe

Noch immer ist sexuelle Gewalt ein Thema, über das viele Opfer schweigen. Dabei könnten weit mehr als die 1334 Rheinland-Pfälzerinnen, die sich 2015 an die Frauennotrufe des Landes gewandt haben, Hilfe bekommen.

Sie wurden vergewaltigt, missbraucht, verfolgt, betäubt oder belästigt. 2311 Menschen haben 2015 Hilfe bei den zwölf Frauennotrufen des Landes gesucht, 1334 Frauen und Mädchen waren selbst betroffen, die übrigen waren Verwandte oder Bekannte der Opfer. Die Zahlen bleiben damit unverändert hoch. "Aber die Dunkelziffer ist noch viel höher", sagt Ruth Petri vom Frauennotruf Trier. Denn noch immer sei das Thema ein Tabu. Nicht einmal ihren besten Freundinnen vertrauten sich viele Betroffene an - so groß seien die Scham und die Angst vor Gerede sowie davor, keinen Glauben zu finden.

Die meisten meldeten sich wegen Missbrauchs in der Kindheit. Verbrechen, unter denen Betroffene oft noch viele Jahre später massiv leiden, bis sie dann irgendwann Hilfe suchen. In 592 Fällen ging es um Vergewaltigung. Auch Stalking, K.o.-Tropfen, aktueller sexueller Missbrauch und Hunderte andere Vergehen - wie sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz - waren Grund für die Kontaktaufnahme. Selbst mit organisierter Kriminalität bekommen die Beraterinnen der Notrufe es zu tun: In 21 Fällen suchten Rheinland-Pfälzerinnen Hilfe, weil man sie selbst oder eine Nahestehende zur Prostitution gezwungen hatte, sie zum Opfer eines Kinderpornorings oder satanistischer Sekten geworden waren.

Das Klischee vom bösen Fremden, der Frauen hinterm Baum auflauert, trifft nur selten zu. Eine Studie des Bundesfamilienministeriums zeigt, dass es sich bei einem Drittel der Sexualstraftäter um Verwandte des Opfers handelt. In je einem Viertel der Fälle sind (Ex)-Partner Täter oder aber Bekannte.
Die Frauennotrufe bieten psychologische Beratung, Selbsthilfegruppen und Selbstverteidigungskurse an. Sie begleiten Opfer aber auch zur Polizei, zu Anwälten und in Gerichtsprozessen.

Beim Trierer Frauennotruf, der für die gesamte Region zuständig ist, meldeten sich im vergangenen Jahr 113 Frauen. Das Polizeipräsidium Trier verzeichnete im gleichen Zeitraum 267 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen und Mädchen. 76 Mal waren Jungen und Männer Opfer. Kindesmissbrauch ist das häufigste angezeigte Sexualdelikt. Noch stärker als Frauen tabuisieren männliche Opfer Gewalterfahrungen. Die meisten Männer, die Telefonberatung in Anspruch nehmen, hadern mit ihrem Rollenbild.

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