Besuch in der Region: Bahnchef Rüdiger Grube redet in Trier mit Mitarbeitern

Besuch in der Region: Bahnchef Rüdiger Grube redet in Trier mit Mitarbeitern

Bahnchef Rüdiger Grube will wissen, wo seine Mitarbeiter der Schuh drückt. Regelmäßig kommt er daher zu ihnen, hört sich an, was sie zu sagen haben. Nun ist Grube in Trier unterwegs. Und das fast ohne Öffentlichkeit. Der TV darf exklusiv bei dem Besuch dabei sein.

Trier. Putztag im Trierer Bahnhof. Eine Reinemachefrau wischt in der Bahnhofshalle den Boden, vor dem Reisezentrum fährt ein Bahnmitarbeiter mit einer Putzmaschine hin und her. Bahnhofsmanager Ulrich Demmer und der Konzernbevollmächtigte für Rheinland-Pfalz, Jürgen Konz, warten vor dem Bahnhof.

Neben ihnen einer, dessen Gesicht man kennt. Ronald Pofalla. Er war Kanzleramtsminister von Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Nach der Bundestagswahl 2013 hat er sich aus der Politik zurückgezogen, um Cheflobbyist bei der Bahn zu werden. Generalbevollmächtigter für politische und internationale Ziele ist sein offizieller Titel.

Sie warten auf ihren Chef. Den obersten Chef der Bahn, Rüdiger Grube. Der hat sich heute zu einem sogenannten Regionentag in Trier angesagt. Regelmäßig reist der Bahnchef durch Deutschland, um den Kontakt mit seinen Mitarbeitern zu suchen. Und das ohne Öffentlichkeit, ohne Politiker, die was von ihm wollen könnten. In seinem Büro im 25. Stock des Bahntowers in Berlin bekomme er nicht mit, was die Leute an der Basis beschäftige, welche Probleme sie mit ihrem Arbeitgeber hätten, sagt er.

Heute nun ist Trier dran. Kurz nach zehn Uhr fährt ein schwarzer Mercedes-Bus vor den Bahnhof. Schwungvoll reißt Grube die Tür auf, steigt aus. "Willkommen in unserem schönen Bahnhof", begrüßt Demmer seinen Chef. Unklar, ob er das ironisch meint. Grube schaut sich auf dem Vorplatz um, sieht das eingerüstete Bahnhofsgebäude. "Sieht schon besser aus als vor zwei Jahren", meint er. Doch so richtig schön sei der Bahnhof längst noch nicht, sagt er, während er über die vom Wischen noch feuchten Stufen ("Extra geputzt für heute", meint er süffisant) in die Halle geht. Nein, der Bahnhof sei keine Visitenkarte für die Stadt, bestätigt ihm auch Bahnmitarbeiterin Margit Meyer am Infoschalter. Grube gibt ihr recht.

"Immerhin habt ihr mal die Dreckecke da hinten weggemacht", sagt er zu Bahnhofschef Demmer - und zeigt auf einen Platz neben der Tür zum Bahnsteig. Bereits jetzt ist klar: Grube kennt sich aus. Und er nimmt kein Blatt vor den Mund.
Das erwartet er auch von seinen Mitarbeitern. "Erzählen Sie frei heraus, haben Sie keine Angst!", ermutigt er sie an diesem Tag mehrmals. Genau wie die Auszubildende im Reisecenter, die sich schließlich ein Herz fasst und Grube sagt, dass sie nach Ende der Ausbildung nur in eine Zeitarbeitsfirma der Bahn übernommen werde. Grube stutzt, reicht ihr seine Visitenkarte. "Schreiben Sie mir eine E-Mail, ich werde mich drum kümmern." Einer anderen Auszubildenden, die sich über eine miserable Unterkunft bei einer Schulung beschwert, sagt er: "Geben Sie mir mal Ihre Handy-Nummer, ich klär das und rufe Sie an."

"Fragen Sie ihren Chef", steht auf einem DIN-A-Blatt mit einem Bild von Grube, das an der Wand im Pausenraum im Trierer Bahnhof hängt, mit dem der Besuch des Konzernbosses angekündigt wird. Und Fragen haben die drei Auszubildenden, die mit Grube und Pofalla in dem schmucklosen Pausenraum an dem Tisch mit der gelb-weiß geblümten Wachstischdecke sitzen. Ob er sich schon als Junge vorgestellt habe, einmal Konzernchef zu sein. Grube lächelt. Und dann erzählt der 63-jährige Bauernsohn aus Hamburg-Moorburg über seinen Weg an die Spitze des Weltunternehmens: Hauptschule, Realschulabschluss, Ausbildung zum Flugzeugbauer, ein von einem ehemaligen Hamburger Werftbesitzer finanziertes Studium zum Flugzeugtechniker, bevor er dann bei Airbus landet, wo er seinen Vorgänger als Bahnchef, Hartmut Mehdorn, kennenlernt, 2009 dann zur Bahn. "Wenn ich euch einen Tipp geben kann: Macht nach eurer Ausbildung noch ein Studium!", rät er den drei Auszubildenden.

Im ersten Stock des Bahnhofs haben sich bereits gut 30 Bahner versammelt. Bei Schnittchen und Kaffee empfangen sie ihren Chef. Und nehmen ihrerseits kein Blatt vor den Mund. Seit 18 Jahren sei er nicht befördert worden, sagt ein verbeamteter Lokführer, der sich auf mehreren DIN-A-4-Blättern mit Füller Fragen an Grube aufgeschrieben hat.Wettern gegen Rente mit 63

Im Gespräch mit Bahnkunden fragt fragt Unternehmenschef Grube auch diese Ordensschwester, wie ihr der neue Zug gefällt. Foto: Friedemann Vetter
Zwischenstation in Koblenz: Zugbegleiterin Linda Scherf verabschiedet sich von ihrem obersten Chef. Foto: Friedemann Vetter
Auf dem Trierer Hauptbahnhof erklärt Regionalbahnmanager Ralph Roesen, wie die Kupplung der Züge aus Saarbrücken und Luxemburg funktioniert. Foto: Friedemann Vetter
Prominente Fahrgäste auf der Moselstrecke: Bahnchef Rüdiger Grube und der Generalbevollmächtigte Ronald Pofalla (rechts) inmitten von Bahnreisenden. Foto: Friedemann Vetter


Ein anderer beschwert sich darüber, dass in seiner Abteilung Mitarbeiter, die in Ruhestand gingen, nicht offiziell vom Chef verabschiedet würden. Grube wundert sich, macht Notizen - und wettert bei der Gelegenheit noch gegen die Rente mit 63 ("gesellschaftspolitischer Quatsch").

Ansonsten gilt: Der Bahnchef hört zu. Vieles dürfte ihm bekannt sein. Doch er wirkt nicht gelangweilt, nicht verärgert. Über eine halbe Stunde steht er mit Pofalla inmitten der Bahner, von denen manche aus ihrem Unmut über ihren Arbeitgeber keinen Hehl machen.

Es geht weiter zu Gleis 13. Dort wartet bereits der erste Teil des Regionalexpresses nach Koblenz. Der nagelneue Zug vom Typ Kiss ist vor wenigen Minuten aus Luxemburg eingefahren. Der zweite Teil des Zuges (Flirt) kommt gerade langsam angefahren - aus Richtung Saarbrücken. Ein lautes Klacken verrät, dass die beiden Züge nun gekuppelt sind. Ralph Roesen, zuständiger Manager für den Nahverkehr in der Region, lächelt entspannt.

Genau dieses Kuppeln von Kiss und Flirt hat seit Monaten nicht funktioniert - und den Fahrplan zwischen Trier und Koblenz durcheinandergebracht. Seit ein paar Tagen klappt es. Grube ist beeindruckt von den Zügen, die im Innern so gar nicht mehr den Mief der alten Regionalzüge verströmen, sondern modern wirken. Der Bahnchef geht durch die Wagen, begrüßt Fahrgäste. Ob ihr der neue Zug gefalle, fragt er eine Ordensschwester. Die nickt. "Gut, sehr gut." Grube geht in den Führerstand, wo Lokführer Peter Zeimetz vor Bildschirmen sitzt und den Zug routiniert steuert. "Ein Super-Arbeitsplatz", schwärmt Zeimetz, der seit 15 Jahren Lokführer ist. Zu meckern hat er nichts. Kurz vor Bullay dann schnappt sich Grube das Mikrofon und macht die Ansage für den nächsten Halt. "Wir hoffen, Sie hatten eine angenehme Fahrt, und wir bedanken uns für Ihre Reise mit der Bahn."

Grube ist gut drauf. Zumal, als er dann noch den Zug ein paar Kilometer steuern darf, bevor er in Koblenz einfährt. Beim Aussteigen hilft Grube einer Frau den Kinderwagen hinaustragen. Draußen verabschiedet er sich von Zugbegleiterin Linda Scherf und verschwindet mit Pofalla auf der Treppe.