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Bruch: Schlosshotel ist ein gutes Projekt

Bruch: Schlosshotel ist ein gutes Projekt

Das rheinland-pfälzische Innenministerium geht in die Offensive. Konfrontiert mit immer neuen Vorwürfen in der Schlosshotel-Affäre kamen nun direkt Beteiligte zu Wort. Ihr Credo: Das Bauprojekt ist ein Segen für Bad Bergzabern.

Bad Bergzabern. Die rheinland-pfälzische CDU-Landtagsfraktion lässt nicht locker. Die umstrittene Sanierung des Schlosshotels in Bad Bergzabern im Wahlkreis von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) ist längst zum Wahlkampfschlager geworden. Am Dienstag wird es im Innenausschuss auf Betreiben der Christdemokraten sogar eine Sondersitzung geben.

Als Reaktion darauf lud das Mainzer Innenministerium jetzt zu einem Hintergrundgespräch ein. Sicher auch, um der Opposition den Wind aus den Segeln zu nehmen. Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) machte gleich zum Auftakt deutlich, dass er sich in keiner Weise von der mit 90 Prozent vom Land geförderten Sanierung des ehemaligen Ritterhauses in der Pfalz distanziert: "Das ist ein gutes Projekt." Seiner Überzeugung nach war es zu keiner Zeit sinnvoll, dass Bauvorhaben zu stoppen. Doch die eigentlichen Hauptakteure der eineinhalb Stunden im Innenministerium kamen aus Bad Bergzabern. Baudezernent Hermann Augspurger (FWG) schilderte eindringlich, dass der Vorbesitzer der "Bruchbude" Schlosshotel "jahrelang einen Käufer gesucht hat". Warum der Unternehmer Christian Gutland, ein Mann mit SPD-Parteibuch, schließlich den Zuschlag erhielt, erklärt Verbandsgemeindebürgermeister Hermann Bohrer (SPD) so: "Er war als einziger bereit, beide Gebäude zu kaufen, die zu dem Komplex gehören." Dafür soll der Wormser "zwischen 450 000 und 500 000 Euro" auf den Tisch gelegt haben. 2009 übernahm die Stadt das Areal, und Gutland wurde vom Besitzer zum Pächter. Angeblich, weil die in das Projekt involvierte GmbH, eine von vielen Firmen oder Beteiligungen des Unternehmers, Liquiditätsprobleme hatte.

Die von der Opposition angeprangerte massive Kostensteigerung begründen Baudezernent der Stadt und Bürgermeister der Verbandgemeinde Bad Bergzabern mit zwei Faktoren: Erstens war der Bau maroder als gedacht. Beispielsweise musste das morsche Dachgebälk erneuert werden. Und zweitens wurde ein Flügel von 200 bis 250 Quadratmetern nachträglich in die Sanierung einbezogen, der zunächst noch anderweitig genutzt wurde. Allein das kostete, so der städtische Sanierungsberater Hubert Deubert, rund 800 000 Euro mehr.

Überhaupt ärgern sich die Bad Bergzaberner über die Kostendebatte. "Da werden Äpfel mit Birnen verglichen", beschwerte sich Bürgermeister Bohrer. Seine Kalkulation: Die Netto-Baukosten sind lediglich von ursprünglich 3,7 auf 6,02 Millionen Euro gestiegen. Auf mehr als 8 Millionen kommt nur, wer Mehrwertsteuer, Nebenkosten und nicht förderfähige Kosten wie das neue Mobiliar mitrechnet. Der FWG-Baudezernent und der SPD-Bürgermeister machten keinen Hehl daraus, wie sauer sie auf die rheinland-pfälzische CDU sind: "Hier wird Wahlkampf auf dem Rücken unserer Region gemacht."

Diesen Satz hätte die SPD im Land sicher lieber aus dem Mund von CDU-Stadtbürgermeister Harald Bratz gehört. Doch der meldete sich überraschend krank.