Eifeler CDU-Rebell Michael Billen schafft die kleine Sensation

Eifeler CDU-Rebell Michael Billen schafft die kleine Sensation

Der Eifeler CDU-Landtagsabgeordnete Michael Billen hat zum vierten Mal das Bitburg-Prümer Direktmandat gewonnen. Billen kündigte an, ab Mittwoch wieder an den Fraktionssitzungen seiner Partei teilzunehmen.

Kaschenbach. Totgesagte leben länger: Der aus Kaschenbach bei Bitburg stammende CDU-Landtagsabgeordnete Michael Billen hat geschafft, was noch vor einem Jahr niemand für möglich gehalten hätte, selbst enge Parteifreunde nicht: Der 55-Jährige gehört auch in den nächsten fünf Jahren dem rheinland-pfälzischen Landtag an. Eine kleine Sensation, wenn nicht sogar eine große. Durch die sogenannte Polizeidaten-Affäre war Billen in der eigenen Partei schwer unter Beschuss geraten, die komplette Parteispitze war auf Distanz zu dem wortgewaltigen Eifeler gegangen. Nicht wenige forderten sogar Billens Rücktritt, weil er eingeräumt hatte, Polizeidaten bei seiner Tochter, einer Polizistin, abgegriffen zu haben.

Der seit 1996 im Landtag sitzende CDUler ließ zwar seinen Fraktionsstatus ruhen. Doch ein Rücktritt kam für den 55-Jährigen nie infrage.

Gestern nun gab's dafür die Bestätigung der Wähler im stets von Christdemokraten dominierten Eifelkreis Bitburg-Prüm. Mit 810 Stimmen Vorsprung vor seiner SPD-Hauptkonkurrentin Monika Fink holte Michael Billen das Direktmandat. Die einzige Chance für Billen, erneut ins Parlament einzuziehen. Nach einer Absprache mit CDU-Landeschefin Julia Klöckner hatte Billen auf einen Listenplatz verzichtet.

Den gestrigen Wahlabend verbringt der gelernte Landwirt zunächst mit Familie und engen Parteifreunden im heimischen Wohnzimmer, wo sie auf Computerbildschirmen die einlaufenden Eifel-Ergebnisse verfolgen. Das Abschneiden auf Landesebene interessiert nur am Rande.

Das erste Ergebnis, das eintrudelt, verkündet Billen noch selbst: Sein Heimatort Kaschenbach (71 Einwohner) beschert dem berühmtesten Sohn des Dorfes satte 86 Prozent Rückendeckung, in Zahlen: 30 von 35 abgegebenen Stimmen. Natürlich nur eine Momentaufnahme. Danach beginnt für den Christdemokraten eine knapp zweistündige Zitterpartie, die zur Halbzeit gegen 19 Uhr ihren Höhepunkt erreicht, als Monika Fink nur noch 1,3 Prozentpunkte hinter Billen lag. "Nervenstark sein, ruhig bleiben, alles andere bringt nichts", empfiehlt der durch etliche Kampfabstimmungen erprobte CDU-Mann den zunehmend nervöser wirkenden Anwesenden. Dabei hatte Billen noch kurz zuvor selbst eingeräumt: "Etwas nervös bin ich schon, ich bin ja auch nur ein Mensch." Auch Billens 88-jährige Mutter Anneliese fiebert mit: "Hoffentlich geht alles gut", sagt sie, "als Mutter ist man ja immer so besorgt." Eine Stunde später ist sie eine der Ersten, die ihrem Jüngsten gratulieren. "Gut habe ich ihn erzogen", sagt sie auf die entsprechende Frage eines Journalisten.

Derweil füllt sich ein paar Hundert Meter entfernt schon der Probier-Saal über der Brennerei des Billen-Clans. "Heute Abend wird gefeiert, so oder so." - Diese Devise hatte der Lokalmatador schon am frühen Morgen ausgegeben. Als Billen dort um kurz nach 20 Uhr erscheint, platzt der Saal schon aus allen Nähten. Wer den Landtagsabgeordneten kennt, weiß, dass er vor dem heutigen Morgen nicht nach Hause gewankt sein wird.

"Ich bin dankbar dafür, dass mich meine Eifeler Wähler nach dieser schwierigen Zeit mehrheitlich wieder nach Mainz schicken", sagt Billen noch, bevor er zum Feiern aufbricht. Und der 55-Jährige sagt, dass es mit dem ruhenden Fraktionsstatus ab sofort vorbei sein wird. "Ab Mittwoch nehme ich wieder an den Sitzungen teil." Eine Ankündigung, die einige Kollegen wohl als Drohung empfinden dürften.

Mehr von Volksfreund