Einfach wählen

Wer sind die besten Europäer? Kann man Europa mit links machen? Oder soll die Wahl schlicht eine Quittung für politisches Missfallen sein? Fragen über Fragen, die sich zumindest der noch unentschlossene Europa-Wähler stellt.

Doch wer sich mit seiner Wahlentscheidung schwer tut, kann ins Internet gehen und dort beim Wahl-o-mat Hilfe suchen: 30 Antworten zu ausgewählten Themen anklicken - und schon spuckt der Computer eine Wahlempfehlung für den 13. Juni aus. Allerdings zeigt die Skala nur den Grad der Übereinstimmung mit den sechs bereits im EU-Parlament vertretenen Parteien an, insgesamt kandidieren jedoch mehr als 20 Gruppierungen. Die Fragen wurden von einem Team aus 20 Jungwählern mit Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung entwickelt. Alle Antworten sind von den beteiligten Parteien SPD, CDU, CSU, Grüne, FDP und PDS abgesegnet. Abgefragt werden vor allem Einstellungen, bei denen die Parteien unterschiedliche Standpunkte vertreten: Soll die Türkei in die EU? Müsste europaweit die Werbung für Tabak verboten werden? Zahlt Deutschland zu viel in die EU-Kasse? Manche "gute" Frage sei herausgefallen, weil die Haltung der Parteien - für Eingeweihte wenig überraschend - gar nicht oder nicht eindeutig mit stimme zu/stimme nicht zu/neutral beantwortet werden konnte, wie die Wahl-o-mat-Macher einräumen. Dass sich so mancher nach dem Klick durch den Parcours am Ende verwundert die Augen reibt, wenn ihm seine Übereinstimmung mit den einzelnen Parteien am Bildschirm übermittelt wird, ist nicht neu. CDU-, SPD- oder FDP-Sympathisanten sollen so zu ihrer großen Überraschung auch schon mal ihre heimliche Sympathie für grüne Vorstellungen entdeckt haben - oder auch umgekehrt. Die ermittelte Wahlhilfe sei ein Durchschnittsergebnis aus vielen Themengebieten, heißt es dazu als Erklärung. Nicht auszuschließen also, dass ein unentschlossener Wähler am Ende trotz der Hilfe von www.Wahl-o-mat.de genauso ratlos dasteht wie am Anfang. Ihm bleibt das Kreuz mit dem Kreuz am Wahltag. Joachim Winkler