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Feiern am Ballermann, fiebern zu Hause

Feiern am Ballermann, fiebern zu Hause

Die Schweinegrippe breitet sich weiter aus: Derzeit sind vor allem Mallorca- und Spanien-Urlauber betroffen. Trotzdem besteht nach Ansicht von Experten kein Grund, auf den Urlaub zu verzichten.

Trier/Mainz. Vergangene Woche sah es noch aus, als sei Schweinegrippe vorerst kein Thema mehr. Das hat sich geändert. Im Saarland, das bis vor kurzem keinen einzigen Fall der neuen Grippe hatte, ist die Zahl der Infizierten innerhalb weniger Tage auf acht gestiegen. Alle waren zuvor auf Mallorca in Urlaub. In Rheinland-Pfalz gab es bis gestern Mittag 31 bestätigte Schweinegrippe-Fälle, darunter eine 20-Jährige aus Kaiserslautern, die in Spanien war.

Drei bis vier neue Fälle pro Woche



Pro Woche kommen drei bis vier neue Erkrankungen hinzu. In Trier gab es laut dem Trierer Gesundheitschef Harald Michels einen Verdachtsfall. Ein Kind, das auf Mallorca war, klagte über Grippe-Symptome. Bis gestern Mittag hatte sich der Verdacht auf Schweinegrippe allerdings nicht bestätigt. Auch aus Luxemburg werden weitere Fälle gemeldet, allein am Dienstag gab es fünf neue Erkrankte, zwei von ihnen waren zuvor ebenfalls auf Mallorca. Insgesamt 18 Personen sind im Großherzogtum erkrankt. Obwohl Luxemburgs Gesundheitsminister Mars Di Bartolomeo von einer "banalen Grippe" spricht, hat er für jeden Luxemburger Impfstoff gegen die Schweinegrippe bestellt.

In Deutschland sieht man derzeit keine Notwendigkeit ,für die gesamte Bevölkerung Impfstoff, den es vermutlich erst im Herbst gibt, zu bestellen. Zunächst sollen 50 Millionen Dosen geordert werden. Im ersten Schritt sollen sich 25 Millionen Bürger freiwillig impfen lassen. Darunter Ärzte, Pfleger, Polizisten, Feuerwehrleute und Mitarbeiter des Rettungsdienstes sowie chronisch Kranke und Schwangere, sagt Stephanie Burlage, Sprecherin des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums. Man verhandle derzeit mit den Impfstoff-Herstellern über den Kauf weiterer Dosen, damit man genügend Vorrat für alle Rheinland-Pfälzer habe. Ein besonderes Augenmerk auf Mallorca-Rückkehrer etwa auf dem Flughafen Hahn lege man nicht. Es werde jedenfalls kein Passagier etwa mit Wärmebild-Kameras auf Fieber untersucht, sagt Burlage. Nicht nur die Ferieninsel Mallorca ist von Schweinegrippe betroffen, sondern Spanien insgesamt. In keinem anderen EU-Land gibt es mehr registrierte Fälle. Doch bei Partys am Ballermann und gemeinsamem Trinken aus Sangria-Eimern ist die Gefahr größer, sich anzustecken. "Schon einen Tag, bevor die Krankheit bei einem ausbricht, kann jemand ansteckend sein", erklärt Gesundheitsamtschef Michels. Trotzdem brauche niemand auf seinen Urlaub zu verzichten, sagt er. Man solle nur nach Möglichkeit, größere Menschenmassen vermeiden (was in Hotels und im Flughafen schwer sein dürfte) und sich möglichst nicht mit der Hand, an der eventuell Viren durch Kontakt mit Erkrankten sein können, ins Gesicht fassen. Der beste Schutz sei daher noch immer: "Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen!"