Rheinland-Pfälzer kriegen oft Krankengymnastik

Gesundheit : Rheinland-Pfälzer kriegen oft Krankengymnastik

Im Land wird überdurchschnittlich viel Physiotherapie verschrieben. Das geht aus dem Heilmittel-Report der Krankenkasse Barmer hervor. Die Kasse geht davon aus, dass Ärzte die Anwendungen zu häufig verordnen. Gleichzeitig fehlen in der Region über 100 Physiotherapeuten.

Wenn der Rücken mal wieder Probleme macht, man morgens kaum aus dem Bett kommt und jede Bewegung schmerzt, verschreiben Ärzte oft Krankengymnastik, also Physiotherapie. Allerdings greifen sie in den Fällen in Rheinland-Pfalz offenbar öfter zum Rezeptblock als in anderen Bundesländern. Das geht aus dem Heil- und Hilfsmittelreport der Krankenkasse Barmer hervor.

Danach kamen im Jahr 2017 auf 100 Rheinland-Pfälzer 55 Verordnungen für Physiotherapie. Der Bundesschnitt liegt bei 50.  Nur in Sachsen mit 62 Verordnungen je 100 Einwohner, Sachsen-Anhalt (60), Schleswig-Holstein und Berlin (je 56)  wurden mehr gezählt. Die wenigsten Physiotherapie-Verordnungen auf 100 Einwohner verzeichneten Nordrhein-Westfalen und Bremen mit jeweils 42. Die  am häufigsten verordneten Physiotherapien sind Krankengymnastik und Lymphdrainagen.

Barmer-Landeschefin Dunja Kleis vermutet, dass die Unterschiede in den Bundesländern auf das Verordnungsverhalten der Ärzte und das Angebot an Physiotherapeuten zurückzuführen ist. „Die Bevölkerungsstrukturen in den Bundesländern können Unterschiede bei der Zahl der Verordnungen von Physiotherapien nicht erklären“, sagt sie.

Am häufigsten erhalten laut dem Report Frauen die Therapie. Den größten Anteil der Patienten, denen eine Physiotherapie verordnet wird, machen Senioren im Alter zwischen 80 und 84 Jahren aus. Die höchsten Kosten verursachen dabei Patienten über 85 Jahre. Im Schnitt kostet die Physiotherapie bei Frauen in dieser Altersgruppe rund 208 und bei Männern rund 150 Euro. Mit durchschnittlich 75,43 Euro pro Versicherten sind die Kosten für Krankengymnastik und Lymphdrainage in Rheinland-Pfalz gut zehn Prozent höher als im Bundesdurchschnitt. Laut Barmer ist die Physiotherapie  mit 73,0 Prozent der Heilmittelausgaben der größte Ausgabenblock bei den Heilmitteln. Mit 53,6 Prozent entfalle mehr als die Hälfte der Kosten auf die Krankengymnastik. Manuelle Lymphdrainage sei für 18,1 Prozent der Kosten verantwortlich.

Allerdings fehlt es vielerorts an Physiotherapeuten, in der Region sind es laut dem Branchenmonitor Gesundheitsfachberufe über 100, in ganz Rheinland-Pfalz gibt es mehr als 1000 Physiotherapeuten zu wenig. Das führt letztlich zu zum Teil langen Wartezeiten. Es ist nicht selten, dass Patienten bis zu drei Wochen auf einen Termin beim Physiotherapeuten warten müssen. Die Nachfrage werde wegen der demografischen Entwicklung weiter steigen, die Lücke werde gleichzeitig immer größer, teilt der Landesverband Physikalische Therapie mit. Bis 2022 soll die Zahl der Ausbildungsplätze für Physiotherapeuten im Land deutlich erhöht werden.

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