Vergewaltigungsopfer in der Region: Medizinische Hilfe ja, Pille danach nein

Vergewaltigungsopfer in der Region: Medizinische Hilfe ja, Pille danach nein

Vergewaltigungsopfer erhalten in den katholischen Krankenhäusern der Region medizinische Hilfe. Bei der Verhinderung einer Schwangerschaft werden sie aber an andere Ärzte verwiesen. Ausnahme ist das Wittlicher Krankenhaus.

Der Fall schlägt Wellen: Eine vergewaltigte Frau ist in Köln von zwei katholischen Krankenhäusern abgewiesen worden (der TV berichtete). Kommunikationsprobleme und Missverständnisse sollen Schuld daran gewesen seien. Kann so etwas auch in der Region passieren? Bis auf das Kreiskrankenhaus in Saarburg befinden sich alle Kliniken in der Region in kirchlicher Trägerschaft.

"Bei uns werden alle Patientinnen und Patienten, die als Notfall ankommen, selbstverständlich untersucht und behandelt. Dies gilt auch für Opfer von Vergewaltigungen", sagt Bettina Leuchtenberg, Sprecherin des Trierer
Mutterhauses. Vereinzelt würden Vergewaltigungsopfer etwa auf Veranlassung und unter Begleitung der Polizei im Notdienst der gynäkologischen Abteilung untersucht. Zumeist gehe es dabei auch darum, Spuren der Vergewaltigung zu sichern.

"Neben der medizinischen Untersuchung gehört dabei selbstverständlich eine Beratung zum Infektions- und Schwangerschaftsrisiko" erklärt Leuchtenberg. Beim Schwangerschaftsrisiko könne das Mutterhaus, wie fast alle Kliniken in katholischer Trägerschaft, allerdings nur beraten. Die sogenannte Pille danach, die eine befruchtete Eizelle tötet, ist tabu. Die katholische Kirche sieht darin eine Abtreibung. Und die ist kirchlicherseits offiziell verboten - und damit auch für die Krankenhäuser in kirchlicher Trägerschaft.

Man könne sehr gut nachvollziehen, wenn Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung geworden sind, nicht schwanger werden wollen, sagt Heribert Frieling, Sprecher der Marienhaus-Gesellschaft. Zu ihr gehören in der
Region die Krankenhäuser in Bitburg, Neuerburg (Eifelkreis Bitburg-Prüm), Gerolstein (Vulkaneifel) und Hermeskeil (TrierSaarburg) sowie das Ökumenische Verbundkrankenhaus Trier und Trier-Ehrang. Vergewaltigungsopfer würden in den Häusern auf keinen Fall abgewiesen, sie würden vielmehr "alle erdenkliche Hilfe" bekommen.

Allerdings eben nicht die Pille danach. Dafür werden die Frauen dann an andere Ärzte verwiesen. Diese starre Haltung ist Wasser auf die Mühlen von Kirchenkritikern. Vergewaltigten Frauen die Pille danach zu verweigern, sei unterlassene Hilfeleistung, sagt Annegret Laakmann vom Verein Frauenwürde. Der Verein, der von engagierten Katholiken getragen wird, fördert Schwangerschaftskonfliktberatung in freier Trägerschaft, die anders als die Beratungsstellen der Katholischen Kirche in begründeten Einzelfällen auch zur Abtreibung rät.

Mit der Ablehnung der Pille danach diskriminiere die Amtskirche die Vergewaltigungsopfer erneut und verletze deren Würde, sagt Laakmann.

Innerhalb des Bistums Trier scheint in Bezug auf die Frage nach der Verabreichung der Pille danach in katholischen Krankenhäusern ein Umdenken im Gang zu sein. Im Ethikrat aller katholischen Krankenhausträger im Bistum wurde bereits über das Thema diskutiert, wie eine Bistumssprecherin bestätigte.

Vor allem die Cusanus-Trägergesellschaft Trier (ctt), zu der das Verbundkrankenhaus Bernkastel/Wittlich gehört, treibt offensichtlich die Diskussion darüber in dem Gremium voran. In den ctt-Kliniken gebe es trotz Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche kein ausdrückliches Verbot, Vergewaltigungsopfern die Pille danach zu verordnen.

"Der behandelnde Arzt hat die Freiheit, in einem solchen Fall vor der Prüfung seines Gewissens eine entsprechende Verordnung vorzunehmen. Gerade bei dieser Frage genießen unsere Ärzte unser vollstes Vertrauen", sagt cttSprecherin Claudia Gerstenmaier.