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Stadtentwicklung
Europas Rekordpark ist Vorbild für die Gärten von Saarburg

Bürgermeister Jürgen Dixius (links) und der Planer und  Direktor der Gärten im niederländischen  Apeltern, Ben van Ooijen,  erläutern die Planung des Park-Areals bei den ehemaligen Beuriger Kasernen.
Bürgermeister Jürgen Dixius (links) und der Planer und Direktor der Gärten im niederländischen Apeltern, Ben van Ooijen, erläutern die Planung des Park-Areals bei den ehemaligen Beuriger Kasernen. FOTO: Dirk Tenbrock
Saarburg. Der Stadtrat signalisiert Zustimmung zu den Plänen für die Gartenlandschaft auf dem Beuriger Kasernengelände. Zehn Millionen Euro wird der Park voraussichtlich kosten. Finanziert werden soll er mit Unterstützung aus einem besonderen Bundesprogramm. Von Dirk Tenbrock

Eines ist sicher: Die Vorarbeiten für die Saarburger Bewerbung um die Ausrichtung einer Landesgartenschau waren nicht vergeblich, sondern haben einen Denkprozess bei den Verantwortlichen der Stadt um Bürgermeister Jürgen Dixius in Gang gesetzt.

Mit dem nächsten großen Projekt in dieser Richtung befasste sich der Stadtrat: Östlich des geplanten Wohnquartiers auf dem ehemaligen Kasernengelände von Beurig sollen die Gärten von Saarburg entwickelt werden. Diese Gärten sind ein Park mit einem dauerhaften Ausstellungsgelände für Gartenkultur, Gastronomie, Wanderwegen,  Räumen und Plätzen für kulturelle Veranstaltungen. Ziel ist laut Bürgermeister Jürgen Dixius,  mit den Gärten  ökologische Ausgleichsflächen zu schaffen und die Stadt zu einer Touristen-Metropole zu entwickeln.

Vorbild für die Gärten von Saarburg sind „De Tuinen van Appeltern“ in der Nähe von Nimwegen im Osten der Niederlande nahe der deutschen Grenze bei Kleve. „De Tuinen van Appeltern“ ist Europas größter Mustergärten-Park mit rund 200 Beispielgärten auf 30 Hektar und jährlich 150 000 Besuchern. Die Saarburger Gartenlandschaft soll kleiner, aber immer noch imposant werden: Acht Hektar (so groß wie etwa elf Fußballfelder) auf dem Konversionsgelände der ehemaligen französischen Kasernen sind ins Auge gefasst. Sie richtet sich an Touristen, soll aber auch Ausbildungszentrum sein für Berufe im Garten- und Landschaftsbau, für Hobbygärtner und Handwerker. Dazu sollen einige Wohneinheiten kommen. Ben van Ooijen ist der Planer und Direktor des erfolgreichen niederländischen Vorbildes und präsentierte dem Stadtrat die Ergebnisse des von der Stadt in Auftrag gegebenen Masterplans. Er ist zuversichtlich, dass ein solches Unterfangen in Saarburg erfolgreich sein wird.

Erstens könne man die Erfahrung aus Appeltern nutzen und Fehler in Saarburg korrigieren. Zweitens sei eine kleinere Anlage wegen der Überschaubarkeit sinnvoller, und drittens habe man in Appeltern vorher noch keinen Tourismus gehabt. Nach Saarburg kämen ja ohnehin schon Zigtausende Menschen, sagte Ben van Ooijen.

Auch Dixius sprach von Synergien und Angeboten, die Gartenbesuch, Weinproben, Schifffahrten und Stadtführungen verbinden. Es sei eine Frage des Marketings, das Projekt zum Erfolg zu führen, sagten Planer und Bürgermeister. Die Pläne inklusive eines Imagefilmes von der niederländischen Gartenlandschaft, die Ben van Ooijen vorstellte, beeindruckten durch ihre Vielfalt und Schönheit.

 Der Saarburger Park misst etwa 650 mal 150 Meter und integriert die bestehenden Gebäude und die erhaltenswerten älteren Bäume auf verschiedenen Höhenniveaus, die das Ganze strukturieren sollen. Im großen Gebäude an der Straße Richtung Irsch soll Gastronomie entstehen, die sich sowohl an die Parkbesucher als auch an die Bewohner des angrenzenden Wohngebiets richtet. Eine große Werkstatthalle, die Panzerhalle, mit ihrem Industrie-Ambiente soll für Theater, Konzerte, Ausstellungen und Märkte genutzt werden können und damit auch für Leben in der Winterzeit sorgen.

Zudem soll es Brunnen, Wasserläufe und Brücken geben, meditative Zonen und Ruhepunkte sind ebenfalls geplant. Um den Park zu bewirtschaften, möchte die Stadt einen privatwirtschaftlichen Betrieb gründen, der sich unter anderem über Eintrittsgeld (in Appeltern zwischen zwölf und 14 Euro pro Person) und Partnerschaften mit ausstellenden Betrieben finanziert. Bis Ende November soll die Stadt sich wieder für das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ bewerben. Dixius hofft auf einige Millionen Euro Zuschuss – bei einer Investition von mehr als zehn Millionen Euro.

In einem ersten Schritt hatte die Stadt für das Projekt Gärten von Saarburg sowie für die auf dem Kasernengelände geplante Wohnbebauung (Saarburg-Terrassen) 430 000 Euro aus dem Programm der Premiumprojekte erhalten. Die Expertenjury hatte Saarburg allerdings für einen Zuschuss von 3,5 Millionen Euro vorgeschlagen. Dass sich die Gärten von Saarburg mittelfristig rentieren werden, davon sind Stadtspitze und Planer überzeugt. „Sie haben hier ideale Voraussetzungen“, sagte Ben van Ooijen.  Auch die Kommunalpolitiker schienen großteils von dem Projekt überzeugt zu sein. Es gab zwar ein paar kritische Nachfragen, aber vor allem zustimmende Gesten und Äußerungen. Die endgültige Entscheidung des Stadtrats steht noch aus.

Blick auf Europas größten Mustergärten-Park im niederländischen Appeltern: Solch ein Park soll auch in Saarburg auf dem einstigen Kasernengelände entstehen – in kleinerem Maßstab.
Blick auf Europas größten Mustergärten-Park im niederländischen Appeltern: Solch ein Park soll auch in Saarburg auf dem einstigen Kasernengelände entstehen – in kleinerem Maßstab. FOTO: h_sab <h_sab@volksfreund.de>