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Saarburg
Famo-Kasene: Nach den Flüchtlingen kommt die Verwaltung

Flüchtlinge, die dort gewohnt oder ihren Deutschkurs absolviert haben, sind zum Abschlussfest in die Famo-Kaserne gekommen. Auch Bürgermeister Jürgen Dixius (links) war da.
Flüchtlinge, die dort gewohnt oder ihren Deutschkurs absolviert haben, sind zum Abschlussfest in die Famo-Kaserne gekommen. Auch Bürgermeister Jürgen Dixius (links) war da. FOTO: Marion Maier
Saarburg. Alle Migranten, die in der Famo-Kaserne gewohnt haben, haben eine neue Bleibe gefunden. Bald soll ein Teil der Saarburger Verwaltung dort einziehen. Von Marion Maier
Marion Maier

Zuletzt haben noch 35 Flüchtlinge in der Famo-Kaserne gelebt. Sie sind alle in private Wohnungen umgezogen – fast. Eine Familie ist geblieben. Bernd Hermesdorf vom Sozialdienst für Flüchtlinge der Caritas, der die Menschen vor Ort begleitet hat, sagt: „Für diese elfköpfige Familie aus Syrien haben wir außerhalb keine Wohnung gefunden.“ Ein kurzes Gespräch mit Bürgermeister Jürgen Dixius beim Abschiedsfest für die Flüchtlinge in der Kaserne genügte, und die Sache war geklärt.

Die Familie, die vor dem Krieg aus dem syrischen Raqqa geflüchtet war, kann vorerst in einem der Gebäude, das noch nicht gebraucht wird, bleiben. Spontan bedankte sich der Familienvater überschwänglich beim Bürgermeister.

Famo-Kaserne Saarburg: Hier haben Flüchtlinge gelebt, bald soll die Bauabteilung der Saarburger Verbandsgemeindeverwaltung dort einziehen.
Famo-Kaserne Saarburg: Hier haben Flüchtlinge gelebt, bald soll die Bauabteilung der Saarburger Verbandsgemeindeverwaltung dort einziehen. FOTO: Marion Maier

Seit Mai 2015 wurden Flüchtlinge in der Famo-Kaserne untergebracht. Platz gab es dort für 160 Menschen, doch so viele waren wohl nie da. Als Hermesdorf Anfang 2017 dorthin kam, waren es etwa 55. Im Rückblick sieht er die Zeit in Saarburg sehr positiv. „Dort hat sich eine Supergemeinschaft international entwickelt“, sagt der Sozialarbeiter. Menschen aus Syrien, Pakistan, Afghanistan, Somalia, Tschetschenien und weiteren Ländern haben in den vergangenen Jahren im Gebäude der einstigen Verwaltung für Zivilbeschäftigte des französischen Militärs Zuflucht gefunden. Probleme habe es kaum gegeben, sagt Hermesdorf. Lediglich zwei Männer seien in der Zeit schwierig gewesen.

Das bestätigen auch der Bezirksbeamte der Polizei, Bernhard Schmitt, und sein Kollege, die in Uniform zum Fest gekommen sind, um sich zu verabschieden. Doch nicht nur das. Hermesdorf erklärt: „Die Polizei spielt in den Ländern, aus denen die Flüchtlinge kommen, oft eine andere Rolle als hier. Die Flüchtlinge sollen sehen, dass es auch o.k. sein kann, wenn Polizisten da sind.“ In Sammelunterkünften werden Flüchtlinge untergebracht nach den ersten Monaten in Deutschland, die sie in der Regel in einer Erstaufnahmeeinrichtung wie beispielsweise in Hermeskeil verbringen. Jetzt, wo die Saarburger Unterkunft geschlossen ist, stehen im Kreis Trier-Saarburg noch die Unterkünfte in Schweich und Konz zur Verfügung. In der Saarburger Unterkunft wurden auch Deutschkurse zentral angeboten. So sind zum gut besuchten Abschiedsfest auch einige in die einstige Kaserne gekommen, die dort die Sprache gelernt haben. Dafür und für weitere Unterstützung müssen sie sich künftig an die Koordinierungs- und Fachstelle für Integration in der Kulturgießerei Saarburg wenden.

Mustafa Issa hat mit seiner Frau und seinen vier Kindern zuvor in der Kaserne gelebt. Nun ist der syrische Kurde, der in Trier bereits als Hausmeister gearbeitet hat, nach Saarburg umgezogen. Er sagt: „In Syrien war ich vier Jahre im Gefängnis. Meine Muttersprache Kurdisch durfte ich in dem Land nicht sprechen oder singen. Hier ist gut leben. Alles ist besser als Syrien.“