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So macht man Flieten
Nur das Kneipen-Flair fehlt (Video)

Schön angerichtet und verziert: Viele Zutaten braucht es nicht, um Flieten zu machen. Hähnchenflügel, Gewürz und Brot, dazu eine Fritteuse oder auch einen Topf, um die Flieten zu frittieren.
Schön angerichtet und verziert: Viele Zutaten braucht es nicht, um Flieten zu machen. Hähnchenflügel, Gewürz und Brot, dazu eine Fritteuse oder auch einen Topf, um die Flieten zu frittieren. FOTO: Nathalie Hartl
Trier. Die TV-Volontäre haben sich für die Serie Heimat-Genuss wieder an den Herd begeben – und haben dieses Mal sogar Unterstützung bekommen. Auf dem Speiseplan standen diesmal Flieten. Ein einfaches Gericht, das viele Fans hat.

Flieten? Da wir (die Volontärinnen Michaela und Patricia) zugezogen und keine waschechten Trierer sind, muss Volo-Kollege Christan erst mal erklären, was Flieten eigentlich sind. Er ist aus dem Hochwald, genauer gesagt aus Heddert, und daher mit dem Gericht aufgewachsen.

Beim Kochen selbst ist er nicht von Anfang an dabei, weshalb wir erstmal auf uns selbst gestellt sind, als es ans Einkaufen geht. Da wir noch nie selbst Flieten (moselfränkisch für Flügel) oder generell Chicken Wings gemacht haben, ist die erste Frage: Wo bekommt man die her? Und: Wo kann man die kaufen? In einem normalen Discounter sind wir noch nie darüber gestolpert, also fahren wir ohne große Umwege zu einem großen Supermarkt. In der Tiefkühltheke gibt es nur die bereits fertig gewürzten Chicken Wings. Wir haben aber den Anspruch, alles selbst zu machen, auch die Würzung. Frische rohe Hähnchenflügel finden wir dann in der Kühltheke. Für vier Personen kann man in etwa 20 Hähnchenflügel rechnen. Da wir schon im Vorfeld wissen, dass einige Vegetarier unter uns Volontären sind, kaufen wir nur eine Packung mit zwölf. Außerdem ist es das erste Mal, dass wir uns an den Trierer Flieten probieren.

Die zugezogenen TV-Volontärinnen Michaela Hellmann (rechts) und Patricia Prechtel probieren zum ersten Mal selbstgemachte Trierer Flieten. Das Ergebnis hat sie überzeugt. 
Die zugezogenen TV-Volontärinnen Michaela Hellmann (rechts) und Patricia Prechtel probieren zum ersten Mal selbstgemachte Trierer Flieten. Das Ergebnis hat sie überzeugt.  FOTO: Nathalie Hartl

Die nächste Herausforderung: Keiner von uns Volontären besitzt eine Fritteuse. Zwar könnten wir einen großen Topf nehmen und es zu Hause mit Fett selbst frittieren. Aber wir haben so unsere Bedenken, mit heißem Fett zu hantieren. Die Angst, unsere Küche abzufackeln, ist dabei doch zu groß. Und eine eigene Fritteuse dafür anzuschaffen, lohnt sich für uns eher nicht.

Die Lösung: Wir fragen unseren Kantinenchef René, der uns seine top ausgerüstete Profiküche im Herzen des Verlagshauses des Trierischen Volksfreunds zur Verfügung stellt. Und er erklärt sich sogar bereit, uns mit dem Frittieren zu helfen. Und schon bevor es losgeht, hat er den ersten Profitipp für uns: Hähnchenflügel sollen vor dem Frittieren am besten Raumtemperatur haben. Deshalb sollte man sie vorher aus dem Kühlschrank holen.

Es stellt sich heraus, dass die Zubereitung der Trierer Flieten sogar recht simpel ist. Die rohen Hähnchenflügel kommen bei 170 bis 190 Grad in die Fritteuse und brutzeln dort etwa zehn bis 13 Minuten. Wenn sie tiefgefroren sind, sollten sie länger frittiert werden, mindestens aber 13 Minuten.

Das Beste an unseren Flieten ist die spezielle Gewürzmischung von René: dafür vermischt er viele verschiedene Gewürze: Salz, Zucker, Paprika, in scharf und edelsüß, Zwiebelpulver, Majoran, Rosmarin, Thymian, Oregano und Knoblauchpulver. Das verleiht den Flieten ihren speziellen Geschmack.

Als Beilage hatten wir Salat und Baguette gewählt, was uns auch gut geschmeckt hat. Im Nachhinein haben wir jedoch erfahren, dass man es eher mit dunklem Brot isst.

Ich, Christian Thome, muss in meiner Funktion als Flieten-Experte (zu dem ich von den anderen Volontären ernannt wurde) auch ein paar Sätze dazu sagen. Flieten sind für mich kein Essen, dass man bei Oma bekommt oder das für besondere kulinarische Finesse steht. Flieten verkörpern all das, was der einfache Bürger liebt: Sie sind schnell und leicht zubereitet, schnörkellos und machen satt. Sie brauchen noch nicht mal eine Beilage geschweige denn einen Dip. Das perfekte Feierabendessen. Und wo nimmt der einfache (Hochwälder-) Bürger eine solche Mahlzeit zu sich? Richtig, in der Dorfkneipe. Auch in meinem heißgeliebten Heimatort Heddert gibt es eine solche Kneipe, in der das Geflügel zur Legende geworden ist. Ins Gasthaus zu gehen ist gleichbedeutend mit dem Genuss der Flügel. Flieten verbinden Generationen und Geschlechter, Kinder lieben sie ebenso wie Rentner, Frauen ebenso wie Männer. Der einzige Punkt, an dem sich die Geister scheiden, ist das Gewürz. Der eine mag es scharf, der andere mild. Ganze Restaurants spezialisieren sich auf die Fliete: Das Geflügel begleitet mich mein ganzes Leben – was nicht bedeuten soll, dass ich in der Kneipe aufgewachsen bin. Doch was war man stolz, wenn man als kleiner Junge wie die Großen zum ersten Mal sechs Flieten geschafft hat? Ein Moment, den man nie vergisst. Heute dienen sechs dagegen mehr als Vorspeise. Zeiten ändern sich, Flieten-Liebe bleibt.

Auch die Sauerei gehört dazu. Nach dem ersten Flügel schon versaut, kämpft man sich durch die nächsten, ganz egal wie verschmiert man ist. Das Ablecken der Finger als krönender Abschluss einer Genussreise ist gleichzeitig Triumphzug, Dessert und Highlight.

Gemeinsames Fazit aller Volontäre: Das Gericht ist einfach zuzubereiten und schmeckt wirklich gut. Wer eine Fritteuse hat, hat eine schnell zubereitete Hauptmahlzeit. Oder es eignet sich auch als kleiner Snack zwischendurch. Die Zubereitung wäre ohne die große Unterstützung und das Fachwissen von unserem Küchenchef René nicht möglich gewesen. Daher noch mal ein großes Danke von allen Volos!

Geschmacksprobe: Nur drei von uns Volos haben die Flieten probiert, aber auch bei anderen Kollegen kam die Trierer Spezialität gut an.

Michaela: Chicken Wings aus dem Fastfood-Laden habe ich schon gegessen, aber die selbstgemachten Flieten mit der hausgemachten Gewürzmischung unseres Küchenchefs René können die amerikanischen Snacks toppen. Vor allem, weil wir dadurch wissen, was genau drin ist. Unsere Flieten kommen ganz ohne künstliche Geschmacksverstärker und Zusatzstoffe aus. Von mir bekommen die Flügelchen die Bestnote: 1+.

Patricia: Unsere leckeren Hähnchenflügel mit dem ulkigen Namen haben mich wirklich begeistert! Wie Michaela kenne ich vor allem die Fastfood-Chicken Wings. Unsere selbstgemachten waren aber um Welten besser. Ich kann mir vorstellen, dass die Flieten einen guten Partysnack abgeben, einzig die Fritteuse schreckt mich ein bisschen ab. Vielleicht kann man ja aber doch mal probieren, sie in einer Pfanne selbst zu machen. Auch von mir bekommen sie eine Bestnote: 1+

Christian: Muss ich hierzu viel sagen? Ich glaube nicht. Die Flieten schmecken dank der guten Würze sehr lecker. Was fehlt, ist das Kneipen-Flair. Dennoch muss ich den Volos ein großes Kompliment aussprechen, das war große Flieten-Klasse. Von mir gibt es eine 1.

Jörg (kein Volo, aber großer Flieten-Fan): Flieten sind in der schönen Welt des Essens ein sehr sensibles Thema, denn sie werden oft unterschätzt. Echte Flieten sind eben keine routiniert runtergebruzelten Hühnerflügel mit langweiliger Würzmischung, sondern kleine Kunstwerke, deren Aroma eine magnetische Anziehungskraft besitzt. Es stellt sich deshalb die Frage: Können die Flieten meiner Kollegen diesen hohen Anspruch erfüllen? Ja, das können sie. Sie sind wundervoll würzig, lösen sich fast von selbst vom Knochen und machen es dem Genießer wirklich schwer, aufzuhören.

Eine 1+ bekommen sie von mir nicht, aber nur aufgrund meiner grundsätzlichen Zweifel an der absoluten Perfektion, die in dieser Note mitschwingt. Mein Urteil: eine glatte 1. Sehr gut gemacht.