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Angespannte Stimmung im Ruwertal

Angespannte Stimmung im Ruwertal

Nach drei vermutlich vorsätzlich gelegten Großbränden in einer Woche macht sich unter den Bewohnern von Trier-Ruwer die Angst breit. Auch in der benachbarten Verbandsgemeinde Ruwer herrscht seit Sonntag erhöhte Alarmbereitschaft.

Trier-Ruwer/Mertesdorf/Waldrach. Die Brandruine am Ruwerer Fischweg ist am Montagvormittag noch von Beamten der Trierer Berufsfeuerwehr und der Kriminalpolizei bevölkert. Die Wehrleute, ausgerüstet mit einem Tanklöschfahrzeug und einer Drehleiter, suchen nach versteckten Brandnestern im Schutt. Die Kripoleute in roten Overalls suchen nach Spuren und forschen nach der Ursache. Ein durchdringender Brandgeruch liegt über dem Fischweg. Bis gegen Mitternacht hatten hier 150 Wehrleute gegen die Flammen gekämpft. "Das Anwesen ist noch beschlagnahmt, denn wir warten auf einen Sachverständigen, den die Staatsanwaltschaft bestellt hat. Danach hilft ein Bagger bei den Aufräumarbeiten", sagt Präsidiumssprecher Karl-Peter Jochem. Der erwartete Gutachter dürfte jedoch nur bestätigen, was Polizei, Feuerwehr und Bevölkerung längst wissen: Dieser Brand und die anderen beiden Großfeuer gehen auf das Konto eines Feuerteufels. Gleiches gilt für insgesamt sieben kleinere "Feuerchen" im Bereich Paulinsgarten. Bisher bevorzugt der Täter für seine Anschläge alte, leerstehende Gebäude - wobei er allerdings in Kauf nimmt, dass auch bewohnte Nachbargebäude mit in Brand geraten. Bei den ersten beiden Malen war dies der Fall.Ist es ein Solotäter oder gibt es mehrere Zündler? Welche Motive könnten dahinterstehen? Ist da vielleicht ein Irrer unterwegs? Und wo brennt es demnächst? Diese und ähnliche Fragen stellen sich inzwischen viele Menschen an der Ruwer. Auch die Fischweg-Anrainerinnen Erika Wagner und Regina Trossowski. Zusammen mit rund 25 weiteren Anwohnern mussten sie am Sonntag ihre Häuser verlassen. Das vom Malteser-Hilfsdienst aufgebaute Zelt nutzten aber nur wenige Betroffene. "Dieser Brand ist überstanden, aber die Angst bleibt", sagt Erika Wagner. Zusätzliche Sorge bereite der nahe Wald, denn "der ist doch knochentrocken". Während die meisten Fischwegbewohner mit Rauchgestank in den Zimmern davonkamen, hat Anwohnerin Irmgard Heimann ein größeres Problem: Ihr acht Jahre alter Opel-Kleinwagen stand am Sonntag zur falschen Zeit am falschen Ort und bekam verkohltes Gebälk aufs Dach. Nun ist er Schrott. Ein "wirtschaftlicher Totalschaden, die Reparatur lohnt sich nicht mehr", sagt die Versicherung. Nachbarn in Alarmbereitschaft

Die Angst kriecht auch hinüber in die Nachbarorte im Ruwertal. "Bei uns gilt ab sofort erhöhte Alarmbereitschaft. Außerdem fahren wir mit ,geöffneten Augen\' durch die Gegend", erklärt in Waldrach Josef Hartmann, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Ruwer. Rund 70 seiner Leute aus unteren Ruwertal waren am Sonntag mit im Einsatz. Hartmanns dringende Bitte an alle Bürgerinnen und Bürger: "Haltet die Augen offen und meldet alles, was irgendwie seltsam wirkt.""Das mulmige Gefühl nach den ersten zwei Bränden hat sich verstärkt. Wir hoffen, dass der Täter nicht noch in die Nachbarorte geht", sagt Ruth Wilhelm, Ortsbürgermeisterin von Mertesdorf. So bitter es klinge, aber in solchen Fällen gelte bekanntlich das "St.-Florians-Prinzip". Auch Wilhelm bittet alle Bewohner um erhöhte Wachsamkeit.Der Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen dankt allen Feuerwehrleuten und den Angehörigen der beteiligten Rettungsdienste. Jensen: "Es ist gewaltig, was bei höchster Beanspruchung rund um die Uhr geleistet wird."volksfreund.deVideos, Fotostrecke und weitere Infos im Internet