Bahnausbesserungswerk Trier-West: Stadt kämpft mit harten Bandagen

Stadtentwicklung : Bahnausbesserungswerk Trier-West: Der Streit um die Brache eskaliert

Die Stadt Trier will Klagen auf hohe Vertragsstrafen nur zurückziehen, wenn die Entwicklung des alten Bahngeländes vorankommt. Die Lokhalle wird aus Sicherheitsgründen abgesperrt.

Das ehemalige Bahnausbesserungswerk in Trier-West ist seit gestern nicht mehr zugänglich. „Wir haben dem Eigentümer ein Ultimatum gestellt, das Bauwerk aus Sicherheitsgründen noch vor Weihnachten zu sperren“, sagt Baudezernent Andreas Ludwig im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund. Doch diese Aufforderung an den Eifeler Unternehmer Erland Knaf ist nicht der einzige Aspekt  des Streits um das fast sieben Hektar große ehemalige Bahngelände. „Wir haben am Donnerstag auch Klagen wegen Verstößen gegen den städtebaulichen Vertrag zur Entwicklung des Areals eingereicht“, macht Ludwig klar. Die Stadt werde sich nicht weiter vertrösten lassen.

Im Sommer 2010 hatten Erland Knaf und die Projektgesellschaft EGP gemeinsam die Grundstücksgesellschaft Trier-West (GGTW) gegründet und sich verpflichtet, in den kommenden acht Jahren das alte Eisenbahnareal und das benachbarte ehemalige Eybl-Bobinet-Gelände zu entwickeln. Doch während aus dem Bobinet-Gelände inzwischen ein schickes Wohn- und Gewerbe­areal entstanden ist, glänzt das Ausbesserungswerk lediglich durch die morbide Faszination zunehmenden Verfalls. Dabei sollen hier unter dem Motto „Leben im Denkmal“ 160 Wohnungen entstehen. Auf der 2,4 Hektar großen Freifläche dahinter sieht ein Bebauungsplan 200 neue Wohneinheiten vor. Und auch zwischen Bobinet und Ausbesserungswerk sollen 90 Wohnungen und 90 Gewerbeeinheiten gebaut werden.

Vertraglich verpflichtet hat sich Knaf auch zum Bau einer Erschließungsstraße unmittelbar neben der Halle. Weil diese auch Teil der neuen Entlastungsstraße für Trier-West sein soll und die Stadt dafür zwei kleinere Grundstücke von dem Unternehmer benötigt, beantragte er ein Normenkontrollverfahren, um das zu verhindern. Die Reaktion der Stadtverwaltung kam prompt: Klage! Die damit zusammenhängenden Vertragsstrafen könnten den Unternehmer mehrere 100 000 Euro kosten. „Die Entlastungsstraße ist ein Schlüsselprojekt für den Stadtumbau Trier-West“, empört sich Baudezernent Ludwig. „Die können wir doch nicht in einer Sackgasse enden lassen.“

Ein Stück der Erschließungs- und späteren Entlastungsstraße ist fast fertig. Sie soll neben dem ehemaligen Bahnausbesserungswerk (links) weitergeführt werden. Das will die Stadt Trier gegebenenfalls einklagen. Foto: Raier Neubert/Rainer Neubert

Bei dem Vermittlungsgespräch am Mittwoch einigten sich Bauderzernent Andreas Ludwig und Erland Knaf nun dem Vernehmen nach per Handschlag, den Konflikt niederzulegen. „Herr Knaf hat zugesichert, die Straße zu bauen und bis Januar einen Vorschlag für die Fortschreibung des städtebaulichen Vertrags vorzulegen. Wir werden dann verhandeln und das noch einmal im Stadtrat zur Abstimmung bringen.“

Der Unternehmer bestätigt das. „Wir werden die Straße auf unserem Gelände bis Ende 2019 bauen und das Normenkontrollverfahren zurückziehen, wenn wir uns einigen und die Verträge verlängert werden.“ Erland Knaf spricht auch davon, dass es auf dem Gelände bald losgehen werde. „Es geht um ein 100-Millionen-Projekt. Da ist die Suche nach Investoren nicht immer einfach.“ Er führe derzeit vielversprechende Verhandlungen. „Wenn alles gut geht, wird in der zweiten Jahreshälfte mit dem Bau begonnen. Dann folgen die Lokhalle und das Gewerbegebiet.“

So etwas  hört auch EGP-Geschäftsführer David Becker gerne: „Ich würde mich freuen, wenn sich auf dem Gelände endlich etwas tut.“ Gemeinsam mit Erland Knaf wird die EGP den Kreisverkehr an der Einmündung zur Straße Im Speyer bauen. „Wir stehen zu den Verträgen mit der Stadt“, sagt Becker.

Und die marode Halle? Die werde nun gesichert und mit Kameras überwacht. Erland Knaf: „Wir werden konsequent Anzeige stellen, wenn sich jemand Zutritt verschafft.“

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