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Beim Bezirksentscheid des Vorlesewettbewerbs in Trier zeigen junge Vortragstalente ihr Können.

Bildung : Dialoge, als stünde man daneben

Beim Bezirksentscheid des Vorlesewettbewerbs in Trier zeigen junge Vortragstalente ihr Können.

Da gruselt es bei schauerlichen Opferritualen im Hinterzimmer einer Diskothek, ein Schüler hat nach dem Umzug in eine neue Stadt Stress beim Ankommen in einer fremden Schule und mit einem von der ersten Liebe völlig überforderten Jungen lässt sich vortrefflich mitleiden und mitlachen. Richtig lebendig werden diese und weitere spannende Bücherwelten aber erst durch die Art, wie sie vorgelesen werden. In der Trierer Buchhandlung Mayersche Interbook stellen sich sechs Schülerinnen und Schüler zu einem Wettstreit der Vortragskunst – es ist Bezirksentscheid beim Vorlesewettbewerb. Seit vielen Jahrzehnten wird der alljährlich vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels ausgerichtet.

In der ersten Runde ist es noch recht knapp. Alle Teilnehmenden haben sich mit ihrem persönlichen Wunschbuch bestens auf die Präsentation vor Publikum vorbereitet. Nach einer kurzen Vorstellung des Werks geht’s los. Drei Minuten mit deutlicher Aussprache, angemessenem Tempo und sinngemäßer Betonung – so lautet die Aufgabe. Ziel ist, möglichst viel Atmosphäre zu transportieren, was gut bis sehr gut gelingt.

Bei Leon Christen wird’s beispielsweise spannend. „,Ich werde auf keinen Fall gehen, weil ihr ihn dann umbringt“, sagte sie und zeigte auf den jungen mit den blauen Haaren“, liest Leon. Worum es genau geht versteht man als Zuhörer nicht auf Anhieb, aber die Spannung wird greifbar. Und bei Mateo Elia Kleinmann spürt man regelrecht, wie der Titelheld nach der Begegnung mit dem Mädchen seiner Träume die Panik überfällt und er fluchtartig die Treppe herunterstolpert.

Keine einfache Sache für die Jury: Nach dem ersten Durchgang zeichnen sich noch keine klaren Favoriten ab. Also bleibt nur,  gnadenlos auf die Kleinigkeiten zu achten und dafür Punkte abzuziehen. Da war der Vortrag zu leise, statt drei wurde zwei Minuten gelesen oder die Textpassage hat nicht überzeugt: „zu viele ähnliche Dialoge.“ Fünf Juroren haben manchmal auch unterschiedliche Gewichtungen im Punktesystem für Lesetechnik, Interpretation und Textauswahl. Trotzdem liegen bis auf zwei alle Vorleser letztlich nahe zusammen. Das sei im Grunde gut, meint das Wertungsgremium. Denn nun müsse der Vortrag beim unbekannten Fremdtext die Entscheidung bringen.

Und der ist nicht so harmlos wie der Titel vermuten lässt: „Das Mädchen, das den Mond trank“ von Kelly Barnhill hält einige schwierige Namen und fremde Begriffe bereit. Besonders gut gelingt es Leon Christen und Maximilian Stricker in die Handlung über die zu Unrecht für böse gehaltene Hexe Xan und ihr unkontrolliert mit Magie um sich werfendes Ziehkind einzutauchen.

Einen zuvor noch nie gesehenen Text zu vorzutragen, dass Dialoge wie eine tatsächliche Unterhaltung wirken – das ist die Kür beim Vorlesewettbewerb.

Zusammen mit den Punkten aus der ersten Runde reicht es für Leon und Maximilian zum Sieg, die beiden werden am 8. Mai zum Landesentscheid in Mainz antreten. Dicke Stapel mit Büchergeschenken durften aber aller Teilnehmenden mit nach Hause nehmen – für Nachschub zum weiteren (Vor-)Lesetraining ist also gesorgt.