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Ein Gremium für die Schwächsten

Ein Gremium für die Schwächsten

Seit Januar gibt es den Beirat für Menschen mit Behinderung in Trier. Ebenso lange ist Nancy Poser die vorläufige Vorsitzende. Akuten Handlungsbedarf sieht sie bei der Volkshochschule und dem Theater. Fünf Arbeitsgruppen beackern weitere Handlungsfelder.

Trier. "Wir kennen uns noch gar nicht richtig", beschreibt die 32-jährige Nancy Poser die bisherige Arbeit im Beirat für Menschen mit Behinderung. Seit Januar gibt es den Beirat in Trier. Zwei Sitzungen wurden bisher abgehalten, vieles ist noch neu.
Poser, hauptberuflich Richterin am Amtsgericht Trier, ist für den Beirat meistens in ihrer Freizeit unterwegs. "Etwa zehn Stunden pro Woche bin ich damit beschäftigt - es ist viel, macht aber Spaß." Oft könne sie durch ihre Erfahrung hilfreiche Tipps geben, sagt Poser, die wegen einer Muskelatrophie im Rollstuhl sitzt.
Sei es ein versperrter Hauseingang oder Fragen zu Gesetzen - die Begehren der Bürger sind vielfältig. Poser trifft sich in ihrer Freizeit mit Vereinen oder anderen Beiräten der Stadt und bespricht Probleme von Menschen mit Behinderung. So können Informationen direkt an die Stadt weitergegeben werden und zum Beispiel in Bebauungspläne einfließen.
Akute Probleme für Menschen mit Behinderung in Trier seien vor allem Barrieren in Häusern, Wohnungen oder Geschäften. "In der Volkshochschule oder dem Theater sind viele Räume für behinderte Menschen nicht zugänglich." Im Beirat werden die Interessen von hör-, seh- oder gehbehinderten Menschen gebündelt. "So erfahre ich vieles, das mir vorher nicht bewusst war - das schärft die Wahrnehmung. Wir sind Vermittler und Wegweiser." Die Sitzungen seien sehr aufwendig. Es werden Gebärdensprache-Dolmetscher gebraucht, verschiedene Hilfsgeräte, Hilfspersonen und, und und. "Wir planen wohl nicht mehr als drei Sitzungen pro Jahr, der Aufwand ist einfach zu hoch." Auf der zweiten Sitzung des Beirats Ende Mai wurden fünf Arbeitsgruppen (AG) gegründet (siehe Extra). So solle die Arbeit des Beirats effizienter gestaltet werden, sagt Poser. sthi

Extra

Die AG Schule soll sich zunächst mit dem Zustand der Trierer Schulen beschäftigen. Für Vorschläge an die Stadt und das Überprüfen von Bebauungsplänen ist die AG Bauen und Wohnen zuständig. Hier sollen zudem neue Ideen für das barrierefreie Wohnen in Trier gefunden werden. Die AG Kultur und Freizeit kümmert sich in nächster Zeit vornehmlich um die akuten Problemfälle Volkshochschule und Theater. Geplant seien außerdem barrierearme Wanderwege im Wald. In der AG barrierefreie Stadtplanung beschäftigen sich die Mitglieder beispielsweise mit dem Ausbau der Behinderten-Toiletten und der Behindertenparkplätze. Die AG Internet soll eine Homepage für den Beirat entwerfen. sthi