Ein Spendeausweis schafft Sicherheit

Ein Spendeausweis schafft Sicherheit

Knapp zwei Drittel der Deutschen wäre bereit, die eigenen Organe nach dem Tod zu spenden. Aber nur wenige Menschen besitzen einen Organspendeausweis. Im Ernstfall fällt die Entscheidung häufig schwer.

Trier. "Als das Handy klingelte und ich die Nachricht bekam, dass ein Herz für mich da ist, lief es mir eiskalt den Rücken herunter", erzählt Katharina Schmitt. Seit eineinhalb Jahren lebt sie mittlerweile mit dem gespendeten Herz. Schmitt hatte vergleichsweise Glück und wartete nur sechs Monate auf ein Spenderorgan. Die Wartezeit war hart. Auch, wegen der ständigen Ungewissheit. "Irgendwann wird es normal, mit Einschränkungen zu leben. Man konzentriert sich auf die Dinge, die noch gut funktionieren", sagt Schmitt. Durch das Spenderorgan habe sie ihre Lebensqualität zurückgewonnen.
In Deutschland warten derzeit circa 10 000 Menschen auf ein Spenderorgan. Die Zahl der Spender ist trotz umfassender Informationskampagnen insgesamt niedrig. Es werden deutlich mehr Spenderorgane gebraucht als zur Verfügung stehen.
Gerade für Angehörige potenzieller Organspender, die ihren Willen nicht per Spendeausweis dokumentiert haben, kann die Sache mit vielen Unsicherheiten verbunden sein. Denn das deutsche Transplantationsgesetz fordert für die Organentnahme zum Beispiel von Unfallopfern zwei Bedingungen: Zum einen muss der sogenannte Hirntod zweifelsfrei von zwei Gutachtern festgestellt sein. Zum anderen eine Einwilligung zur Organspende vorliegen - vom Toten oder dessen Angehörigen.
Das Brüderkrankenhaus Trier (BKT) ist am Montag für seinen Einsatz im Bereich der Organspende und den Prozess der Begleitung ausgezeichnet worden. Gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Organspende würdigte Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler das Engagement der Klinik. Bätzing-Lichtenthäler lobte den hohen medizinischen Standard bei der Vorbereitung und Umsetzung von Organspenden im BKT sowie den "sensiblen und verantwortungsvollen Umgang mit den Angehörigen der Verstorbenen".
Es sei wichtig, das Thema Organspende in der Öffentlichkeit positiv zu besetzen, sagte Markus Leineweber, Vorsitzender des Direktoriums im BKT, im Rahmen der Auszeichnung. Er verwies auf die angespannte Spendensituation und bestehende Diskrepanzen: Etwa 80 Prozent der potenziellen Spender wären bereit, die eigenen Organe nach dem Tod zur Verfügung zu stellen, aber nur ungefähr 20 Prozent der Spendewilligen haben wirklich einen Organspendeausweis. Problematisch sei diese Konstellation insbesondere für die Angehörigen, die im Zweifelsfall die Entscheidung für oder gegen eine Organspende treffen müssten. Ein Spendeausweis schaffe hingegen im Ernstfall Transparenz für alle Beteiligten.
Klar sei auch, dass eine solche Situation theoretisch jeden treffen könne, unabhängig von Alter oder Gesundheit.
Unvorhergesehen konfrontiert mit einer solchen Entscheidung wurde Birgit Krupp nach dem Unfall ihres 19-jährigen Sohnes. Sie habe mit ihrer Familie in dieser emotionalen Situation eine rationale Entscheidung getroffen und seine Organe zur Spende freigegeben, sagte Krupp bei der Veranstaltung im BKT. Ihr Sohn hätte das Thema in der Vergangenheit wiederholt selbst angesprochen gehabt und auch einen Organspendeausweis besessen. "Ich bin mir sicher, in seinem Sinne die richtige Entscheidung getroffen zu haben", sagte sie. Schwierig für die Angehörigen sei oft, den Hirntod eines Menschen zu akzeptieren, solange der Körper intensivmedizinisch "am Leben" erhalten werde. Um das verstehen zu können, sei es wichtig, den Menschen leblos zu sehen und Abschied zu nehmen, "sonst begreift man das nicht", meinte Krupp.
Von der positiven Seite der Organspende erzählte Norbert Klinger. Er lebt seit 17 Jahren mit einer gespendeten Niere seines Bruders. Wie geht es meiner Niere, die dir gehört, frage ihn sein Bruder schon mal zur Begrüßung. Vor der Transplantation musste Klinger fünf Jahre lang alle sieben Stunden eine Bauchfelldialyse über sich ergehen lassen. Dem Lehrer wurde dafür in seiner Schule ein eigener Dialyseraum zur Verfügung gestellt. "Ich habe in einem Sieben-Stunden-Rhythmus gelebt", sagte Klinger. Als die Dialyseintervalle kürzer wurden, entschlossen er und sein Bruder sich zur Transplantation.