1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Ein Trierer Eventplaner will E-Sports in Trier groß rausbringen.

Veranstaltungen : Videospiele: Neue Events und ein Gaming-Café in Trier

Ein Trierer Eventplaner will E-Sports in der Moselstadt groß rausbringen. Seine neue Veranstaltungsreihe ist mit einem Turnier gestartet.

Fünf rote Vasallen mit Kanonen und Laserpfeilen starten das Feuer auf den gegnerischen blauen Turm. Währenddessen schlägt ein Krieger mit einem Beil auf die Festung ein. Dann eine blau-weiße Explosion. „Blauer Turm zerstört“, blinkt auf der Leinwand auf. Im Publikum schlägt der Teamcoach die Hände über dem Kopf zusammen. Andere Zuschauer klatschen, jubeln, stöhnen oder ziehen mit schmerzverzerrtem Gesicht Luft durch die Zähne. „Ein sehr krasser Teamfight“, bemerkt einer der beiden Spielkommentatoren.

Vier E-Sports-Teams der deutschen Uni-Liga zocken bei einem League-of-Legends-Turnier (LoL, siehe Info II) im Trierer Industriegebiet um einen Pokal, Ehre und Spielwährung im Wert von 100 Euro. In einem bestuhlten Raum nebenan verfolgen 30 Zuschauer das Computerspiel live über eine vier mal drei Meter große Leinwand. Ähnlich wie bei Public Viewing feuern sie ihr Favoriten-Team laut an. Zwei Kommentatoren, Caster genannt, sprechen live aus einem dritten Raum über das Spiel. Sie werden in einem kleinen Fenster auf der Leinwand eingeblendet. Hinter dem im Moseltal bislang unbekannten Veranstaltungsformat steckt Eventmanager Oliver Jax. „Der E-Sports-Markt wächst an den Sport heran“, sagt er. Computerspiel-Wettbewerbe würden weltweit ganze Stadien füllen. Dieses Erlebnis will Jax im kleineren Rahmen auch nach Trier bringen.

Das Turnier machte den Auftakt: Unter dem Namen eSports eXperience West will er mit seiner Firma Claw Events eine ganze Reihe E-Sports-Veranstaltungen in Trier und der Region organisieren. E-Sports-Teams gebe es in der Römerstadt zwar, Live-E-Sport-Events jedoch noch nicht. Für E-Sportler sind Vor-Ort-Events ein besonderes Ereignis: „Dem Gegner gegenüber zu sitzen, ist schon ein anderes Feeling, als online gegeneinander anzutreten“, sagt ein Turnier-Teilnehmer aus Bonn. „Das macht richtig Laune“, findet auch Benedikt Schneider, Coach des Teams Kaiserslautern Prime. Zweimal pro Woche trifft sich das Team der zweiten Uni-Liga neben dem Studierendenalltag online zum Training, verbessert Strategien und Reaktionsgeschwindigkeit und lernt die Stärken neuer Spiel­charaktere. Meist sitzen die Spieler beim Training zu Hause vor dem eigenen PC und kommunizieren per Headset. Manchmal treffen sie sich auch im Computerraum ihrer Hochschule. In bestimmten Kreisen werde das Hobby immer noch belächelt, erzählt ein Spieler aus Bonn. Dabei können Profi-E-Sportler wie Profisportler bei Turnieren Preisgeld in Millionenhöhe gewinnen.

Damit E-Sports in der Gesellschaft mehr Akzeptanz findet, will Oliver Jax E-Sportlern einen festen Platz in Trier verschaffen: Er plant ein Gaming-Café. Es soll Bar und Computerraum verbinden und E-Sportlern einen Treffpunkt zum Austausch, Training, Streaming oder zur Vernetzung bieten. Ein ungefähres Konzept für das Café habe er bereits, ein Ort stehe noch nicht fest. Jax hofft jedoch, das Projekt noch in diesem Jahr zu realisieren. Für die Finanzierung weiterer Veranstaltungen sucht er aktuell Sponsoren. „Wir sind im Gespräch mit der Stadtsparkasse“, verrät er. Trotzdem weiß Jax schon jetzt: Am Anfang wird er mit E-Sports noch kein Geld verdienen. „Aber es hat Wachstumspotenzial“, sagt er. Jax plant für Ende Oktober ein Besucherturnier zum Erscheinen des Spiels „Fifa21“. Und gemeinsam mit der Hochschule Trier und dem Verein GamesAhead soll es ein Public Viewing der „LoL World Championship“ geben, mit Möglichkeit zum Spielen nebenbei.

Zurück beim LoL-Turnier: Die zehn Studierenden der Finalteams Kaiserslautern Prime und E-Sports Uni Bonn sitzen sich in einem abgedunkelten Raum mit blauen und roten Lichtkanälen hinter ihren Monitoren gegenüber. Über Ohrhörer und Headsets tauschen sie sich zu ihrem nächsten Spielzug aus und steuern ihre Charaktere durch eine Fantasiewelt voller Drachen, Feinde und Türme. Nach einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen dann das „Game over“: Team Bonn zerstört die gegnerische Basis mit einem Gemetzel auf dem Spielfeld und gewinnt den Pokal – eine Trophäe in Form eines Spiel­konsolen-­Controllers.