Trierer Theater: FDP und AfD sagen Nein zu Sanierungsplänen

Trierer Theater : FDP und AfD sagen Nein zu Sanierungsplänen

Marodes Stadttheater Trier: Am Mittwoch diskutiert der Kulturausschuss über die Zukunft von Gebäude und Betrieb.

August 2024: Spielzeiteröffnung im generalsanierten Theater am Augustinerhof: So lautet das ambitionierte Ziel von Kulturdezernent Thomas Schmitt (CDU). Was dafür getan werden muss, darüber diskutiert der städtische Kulturausschuss in seiner Sitzung am Mittwoch, 9. Januar. In einer siebenseitigen Beschlussvorlage hat Schmitt die Eckpunkte des Mammutprojektes definiert. Wichtigste Größe: Die Bausumme von 48,8 Millionen Euro, für die das marode Gebäude im Bestand saniert und modernisiert werden soll – inklusive Erneuerung der Bühnentechnik (der TV berichtete).

Während CDU, SPD und Grüne zumindest grundsätzliche Zustimmung zu den aktuellen Sanierungsplänen signalisieren, will die FDP nochmal generell über „Struktur und Profil“ des Theaters diskutieren – etwa, ob es eigene Ensembles für Schauspiel, Oper/Konzerte und Ballett behalten soll oder eine der drei Sparten gestrichen werden kann. Die AfD kündigt an, der Theatersanierung aus Kostengründen nicht zuzustimmen.

Der Kulturausschuss gehört mit 14 Plätzen zu den sogenannten kleinen Ausschüssen – in denen FDP und AfD keine Plätze haben. Im Bauausschuss sind dagegen alle Fraktionen vertreten. Bei dessen Sitzung am Donnerstag, 10. Januar, stellen außerdem die Vereine Trier-Forum und Baukultur Trier die Ergebnisse ihres Workshops zur Theatersanierung vor. Die letztliche Entscheidung liegt beim Stadtrat, der sich am Dienstag, 29. Januar, zu seiner nächsten Sitzung trifft.

Der TV hat vorab bei allen Fraktionen nachgefragt, was sie von den Sanierungsplänen halten. Hier die Antworten im Wortlaut:

Ulrich Dempfle, CDU: „Die CDU-Fraktion dankt zunächst dem zuständigen Dezernenten Thomas Schmitt dafür, dass er die Frage der konzeptionellen Weiterentwicklung unseres Theaters zeitnah aufgegriffen hat. Die vorgelegten Zahlen haben wir zur Kenntnis genommen, werden darüber intensiv beraten und auf dieser Grundlage die erforderlichen Beschlüsse fassen. Wir halten es für wichtig, dass bei der Planung die Sanierung im Bestand Priorität vor einem Neubau genießt. Die avisierten zeitlichen Meilensteine vom Grundsatz- und Bedarfsbeschluss in 2019 bis zur Spielzeiteröffnung im September 2024 sind ambitioniert und begrüßenswert. Ebenso begrüßen wir in diesem Zusammenhang die Hebung von Synergien durch einen möglichen Neubau des großen Saals im Bereich der Tufa.“

Carola Siemon, SPD: Die SPD-Fraktion hat sich immer für den Erhalt des Drei-Sparten-Theaters ausgesprochen. Das neu vorgestellte Gutachten bestätigt, dass eine Bestandssanierung des Theaters machbar ist; die Kosten konnten durch den Verzicht eines Winkelanbaus am Theater nochmals gesenkt werden. Für die SPD-Fraktion zeigt sich, dass wir einer verlässlichen Planung näherkommen. Das vom Oberbürgermeister skizzierte Finanzaufkommen mit vier mal fünf Millionen städtischem Anteil pro Jahr ist ambitioniert, aber umsetzbar. Wir als SPD-Fraktion unterstützen daher den eingeschlagenen Weg. Der Tufa-Anbau ist aufgrund seiner doppelten Nutzung – zunächst als Ausweichspielstätte für das Theater, anschließend für die Tufa – für uns besonders wichtig. Er ist für uns ein wichtiges Signal, auch für die Zukunftsperspektive der freien Szene.

Dominik Heinrich, Grüne: Wir begrüßen die Planungen für die Sanierung des Stadttheaters Trier, haben wir den Erhalt dieses Hauses mit seinen drei Sparten doch bisher grundsätzlich unterstützt. Die anfänglichen Untersuchungen der Stadtverwaltung zum Raumbedarf, zu möglichen Erweiterungsbauten und einem Theaterneubau haben wir jedoch schon frühzeitig als überzogen und als nicht finanzierbar angesehen. Mit ihren in der jüngsten Stadtratssitzung vorgestellten Überlegungen ist die Stadtverwaltung jetzt auf dem richtigen Weg. Zum Finanzierungskonzept und zum anvisierten Zeitplan besteht jedoch erheblicher Klärungsbedarf. Auch zu den Standorten und Kosten von Verwaltungs-, Probe- und Lagerräumen haben wir noch etliche Fragen, die in den Fachausschüssen zu klären sind.

Tobias Schneider, FDP: „Aus Sicht der FDP-Fraktion müssen die nun vorliegenden Zahlen dringend Anlass zu einer echten Diskussion über die zukünftige Struktur und das Profil des Theaters geben. 48 Millionen für die Sanierung sind eine enorme Belastung für die Bürger, da kann es nicht nur heißen, wir machen einfach weiter wie bisher. Die FDP-Fraktion wird diesen Ausgaben ohne eine Reform der Spartenstruktur und eine klare Profilbildungsstrategie nicht zustimmen. Hier haben wir durch die Scheuklappenpolitik der vergangenen Jahre schon viel Zeit und Geld verloren.

Es muss jetzt darum gehen, das Theater zukunftsfähig zu machen. Dabei geht es uns am Ende weniger um die konkrete Summe als um eine vernünftige Strategie, die diese Investitionen rechtfertigt.“

Michael Frisch, AfD: Der Erhalt und die Förderung unserer Kultur sind für die AfD als konservative Partei wichtige Anliegen. Daher bekennen wir uns grundsätzlich zum Fortbestand des Trierer Theaters. Auch die erfolgreiche Arbeit des neuen Intendanten begrüßen wir in diesem Sinne ausdrücklich. Eine Theatersanierung in der jetzt geplanten Form werden wir jedoch nicht mittragen. Zu den genannten 49 Millionen für die reinen Baumaßnahmen kommen Ausgaben für Planung, Architekturbüro, Tufa-Anbau, Orchesterprobenräume und Außenanlagen hinzu. Einschließlich der zu erwartenden Preissteigerungen ist daher mit einer Gesamtsumme von 70 Millionen plus x zu rechnen. In einer Stadt, deren Schulden sich bald einer Milliarde nähern, sind solche Ausgaben nicht zu verantworten.

Hermann Kleber, UBT: Seit Jahren steht die Sanierung und funktionale Optimierung des Theatergebäudes an. Sie wird in den Jahren 2021 bis 2014 zu finanzieren sein, wenn die entsprechenden Vorarbeiten abgeschlossen sind und die Voraussetzungen für eine Realisierung vorliegen, nämlich ein Landeszuschuss von rund 60 Prozent der Kosten. Immerhin wissen wir seit der Ratssitzung am 4. Dezember, in welchem Kostenrahmen wir uns befinden: rund 50 Millionen für die Sanierung und funktionale Optimierung des Theatergebäudes und rund 7 Millionen für die Interimslösung mit dem Neubau einer zweiten Spielstätte auf dem Tufa-Gelände. Alles an diesem Großprojekt ist ambitioniert: Konzept, Zeitplan und Finanzierung. Aber wenn man es nicht angeht, hat man schon aufgegeben und verloren.

Theresia Görgen, Die Linke: Kultur und Bildung sind eine untrennbare Einheit und ein universelles Menschenrecht. Zur Kultur der Vielfalt gehört natürlich auch ein Theater. Trier ist im November mit dem Europäischen Kulturmarken-Award ausgezeichnet worden und hat damit als Kulturstadt einen starken Impuls erhalten, als städtetouristisches Ziel wahrgenommen zu werden. Natürlich hätten wir auch gerne einen Theaterneubau gehabt, aber den aktuellen Planungen, die einen vertretbaren Kompromiss darstellen, können wir vor allem auch im Hinblick auf die zugesagte Landesförderung folgen.

Der Zeitplan erscheint ambitioniert, aber ich gehe zunächst einmal von einer Realisierbarkeit aus. Nach dem Abschluss der Theatersanierung könnte der geplante Anbau der Tufa neue kreative Räume und Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen.

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