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Genuss fürs Auge und den Gaumen

TV-Serie 40 Jahre Naturpark Saar-Hunsrück : Genuss fürs Auge und den Gaumen

Im Naturpark Saar-Hunsrück sollen Natur, Landschaft, Vielfalt bewahrt werden. Wie das bei Streuobstwiesen funktioniert, zeigen in Fisch Obstbauern wie Roland Lutz.

Mensch und Natur in Einklang zu bringen, das ist seit 40 Jahren ein zentrales Ziel des Naturparks Saar-Hunsrück. Dessen Gebiet erstreckt sich auf 2055 Quadratmetern Fläche über zwei Bundesländer, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Mitglied im Naturpark-Trägerverein sind mehr als 320 Gemeinden, in denen rund 345 000 Menschen leben. In vielen dieser Dörfer hat der Naturpark bereits Projekte gefördert, die dem Erhalt von biologischer Vielfalt dienen und zudem das Bewusstsein stärken, dass durch die Nutzung der Landschaft viel Gutes getan werden kann – ökologisch wie ökonomisch.

Eines dieser Projekte betrifft die Gaugemeinde Fisch (Verbandsgemeinde Saarburg-Kell). Dort wurde mit Hilfe des Naturparks ein Konzept entwickelt, um zehn Hektar große alte Streuobstwiesen nachhaltig zu bewirtschaften. Diese Wiesen zählen zu den artenreichsten Biotopen im Naturpark. Sie prägen nicht nur dessen Landschaft, sondern ziehen auch Wanderer an und werfen mit ihren Produkten wie Viez und Schnäpsen Gewinne ab. Außerdem sind die Bäume Nahrungsquelle für zahlreiche Insekten.

Die drei Obstbauern mit den meisten Bäumen in Fisch sind Roland Lutz, Armin Hunsicker und Harald Wacht. Fast 2000 Obstbäume müssen mit fachgerechtem Schnitt gepflegt werden, damit es eine gute Ernte wird. Fischs Ortsbürgermeister Otmar Wacht lobt: „Das Streuobstwiesenprojekt der Landesregierung, betreut durch den Naturpark, war gut. Die Bäume mussten dringend behandelt werden.“ Für Obstbauer Lutz steht fest: „Vielleicht wären sonst heute die meisten Bäume nicht mehr da.“ Und das wäre nicht nur optisch ein Verlust, sondern auch für die Geschmacksnerven. Was die Römer einst einführten, geriet im Mittelalter in Vergessenheit. Napoleon brachte wieder Obstbäume mit, damit günstig Getränke für die Bevölkerung hergestellt werden konnten.

Fischer Obstbäume sind nicht selten mehr als 100 Jahre alt. Roland Lutz ist Obstbauer in dritter Generation. „Nach dem Krieg war Viez und Schnaps ein guter Nebenverdienst. Jeder Ackerer hatte seine Bäume“, erklärt er. Nach der Ernte von Rüben, Kartoffeln und Co ging’s im Herbst an die Äpfel für die Eigenversorgung und den Verkauf. Süßer Viez sei „die Limonade früherer Generationen“ gewesen.

Doch der Gewinn schrumpfte mit der Zeit. Heute müsse viel Idealismus für diese Arbeit aufgebracht werden, sagt Lutz. Positiv sei, dass heute Viez wieder im Trend sei, auch mit Mixgetränken. Gudrun Rau, seit 1993 Geschäftsführerin des Naturparks mit Sitz in Hermeskeil, nutzt gerne die Schlagworte „Naturschutz durch Nutzung, kurze Wege, langer Genuss“, wenn sie über die Ziele und Aufgaben spricht. Der Naturpark habe seine „Erlebniswirksamkeit“ längst bewiesen. Durch Angebote wie die Premium-Wanderwege, aber auch durch heimische Produkte wie die von den Streuobstwiesen in Fisch gelinge eine Wertschöpfung aus der heimischen Kulturlandschaft. Dadurch entstünden auch neue Arbeitsplätze, etwa im Tourismus.

In Kommunen wie Fisch wird viel ehrenamtliches Engagement entwickelt, um in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Ressourcen wie die Obstbäume zu bewahren und über ihren Nutzen zu informieren. Corona-bedingt musste zwar das Angebot heruntergefahren werden. „Ab September bieten wir aber wieder Veranstaltungen an“, sagt Gudrun Rau und empfiehlt dafür die Internetseite www.naturpark.org zur Information und Anmeldung.

Auch Roland Lutz will wieder Führungen durch die Streuobstlandschaft anbieten (www.viezvonlutz.de). Dann erklärt er Kindern und Erwachsenen, wie viel Arbeit dahinter steckt, bis aus einem Apfel oder anderem Obst Viez oder Edelbrand wird.