In der Eltzstraße in Trier-Pfalzel geht es um Millionen

Straßenbau : In der Eltzstraße in Trier-Pfalzel geht es um Millionen

Die teure Sanierung der Eltzstraße in Trier-Pfalzel soll im Sommer beginnen. Dass die Anwohner die Hälfte der Kosten bezahlen sollen, verstehen sie nicht. Die Stadt will nun die Ausbaubeiträge nochmals überprüfen lassen.

Acht Jahre nach dem Grundsatzbeschluss des Stadtrates soll die marode Eltzstraße in Pfalzel in diesem Jahr saniert werden. 5000 Autos, LKW und Busse fahren täglich durch den 450 Meter langen Straßenabschnitt zwischen dem Bahnübergang und dem Pfalzeler Stern. Doch die Erleichterung der 48 Anwohner über die Nachricht von dem bevorstehenden Ausbau ist blankem Entsetzen gewichen, seit sie wissen, dass sie dafür viel Geld zahlen müssen. Der Zorn, die Verzweiflung und die Angst davor, möglicherweise existenzielle Probleme zu bekommen, war am Mittwochabend zu jeder Minute der Anliegerversammlung im Bürgerhaus des Stadtteils zu spüren. Etwa 90 Betroffene und Interessierte waren gekommen.

Das Projekt Baudezernent Andreas Ludwig (CDU) hat Rechtsexpertin Anke Schmitz, die städtische Bauleiterin Martina Reuter und Robert Hess vom beauftragten Ingenieurbüro BFH mitgebracht, um auf wirklich alle Fragen zu dem Bauprojekt antworten zu können. Von Beginn an sind sie angesichts der emotional aufgeladenen Stimmung gefordert. Ab Ende Juli soll die Straße, die auch als Durchgangsstraße frequentiert ist, in vier Abschnitten ausgebaut werden. Sechs Meter Straßenbreite und beidseitige Gehwege mit Breiten von 1,5 bis 2,25 Metern sowie Parkbuchten mit Bäumen sind vorgesehen. Radfahrer sollen auf der Straße geführt. Als fünfter Bauabschnitt soll in Abstimmung mit der Trier-Hafengesellschaft auch der Bahnübergang neu gestaltet werden. Die Kosten dafür müssen die Anlieger nicht tragen.

Die Kosten Die Gesamtkosten für den Ausbau betragen nach aktuellen Schätzungen der Stadt knapp 2,5 Millionen Euro. Etwa ein Viertel davon sind nicht beitragsfähig und werden den Anwohnern nicht in Rechnung gestellt. Darunter fallen zum Beispiel die Markierungsarbeiten. Die verbleibenden Kosten von 1,96 Millionen Euro werden nach der aktuellen Planung zur Hälfte auf die 48 Anlieger umgelegt. Diese müssen ihren Anteil in Einmalbeiträgen nach dem Beginn der Baumaßnahme als Vorausleistung zahlen. Nach der Endabrechungen sind Nachforderungen oder Rückerstattungen möglich. 

Foto: TV/Schramm, Johannes

Die Straße wird als Anliegerstraße mit erhöhtem Durchgangsverkehr eingestuft. Der Berechnungsschlüssel sieht zum Beispiel für ein 500 Quadratmeter großes Grundstück mit zweigeschossigem Haus einen Betrag von knapp 16 000 Euro vor. Solche Summen machen den Anwohnern Angst. Sie werfen der Stadtverwaltung vor, die Bauarbeiten verzögert zu haben und einen ungerechten Kostenschlüssel anzuwenden. Wegen ihrer Funktion als Durchgangsstraße müsse die Stadt einen höheren Anteil übernehmen. Das haben sie der Stadt auch in Briefen und Mails mitgeteilt.

 „Die fälligen Summen variieren von dreistellig bis fünfstellig“, sagt Baudezernent Andreas Ludwig, der keine konkreten Zahlen nennen will. Diese Sorge nimmt ihm Autohändler Christoph Herz, der mit seinen Grundstücken, gemeinsam mit dem Netto-Markt, zu den beiden größten Beitragszahlern gehört. „Es ist erst einmal ein Schock, wenn ich mir vorstelle, dass ich 320 000 Euro bezahlen muss. Das entspricht fast der Hälfte der Summe, die das Land zu den Ausbaukosten zuschießt.“

Eines von mehreren Plakaten in der Eltzstraße. Die Stadt wertet diese als Anliegerstraße mit erhöhtem Durchgangsverkehr. Deshalb sollen die angrenzenden Grundstückseigner 50 Prozent der Ausbaukosten tragen. Foto: Rainer Neubert

Das Dilemma „Ich verstehe Ihren Frust, aber wir müssen und an die gesetzlichen Regeln halten“, verdeutlicht Dezernent Ludwig die Position der Stadtverwaltung. Auch er sieht das Dilemma, das die Anwohner teuer zu stehen kommt. Denn trotz des Ausbaubeschlusses des Stadtrats im Jahr 2011 haben Verwaltung und Stadtrat andere Straßenbauprojekte, wie zum Beispiel den Ausbau der Bitburger Straße, als wichtiger eingestuft und vorgezogen. Als 2018 das Projekt dann endlich auf den Weg gebracht wurde, haben die Kostenfortschreibungen eine fast doppelt so hohe Summe im Vergleich zur Schätzung vor acht Jahren ergeben. Zudem hat das Land die Eltzstraße vor einigen Jahren von der Kreisstraße zur Gemeindestraße heruntergestuft. Wäre sie Kreis-, Landes- oder Bundesstraße, müssten die Anwohner lediglich für die Bürgersteige zahlen.

Die Zusagen Nach zwei emotional aufgeladenen Stunden gibt Baudezernent Andreas Ludwig zwei Zusagen: So soll der Städte- und Gemeindebund überprüfen, ob statt der Kostenverteilung 50:50 die Reduzierung das Anwohneranteils auf 40 Prozent möglich ist. Zudem soll ergründet werden, ob der Förderzuschuss des Landes in Höhe von 684 450 Euro zur Hälfte auch für die Reduzierung der Anliegerbeiräge verwendet werden kann. Einige Anlieger erwägen rechtliche Schritte.

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