Kampf gegen Panikmacher

TRIER. Seit die Angst vor der Vogelgrippe Deutschland beherrscht, haben es die Halter von Geflügel nicht mehr leicht: Für die Tiere gibt es strenge Auflagen. Wilhelm Naumes vom Geflügelzuchtverein Trier rät zur Besonnenheit: "Wir sollten uns nicht verrückt machen lassen!"

Wie war das Leben doch einst so schön für Freiland-Hühner. Ganz anders als ihre Artgenossen in den Käfigen konnten sie nach Herzenslust über die Wiesen spazieren - bis die Vogelgrippe in Deutschland einkehrte und eine strikte Stallpflicht verordnet wurde. Seitdem ist den Tieren ein Aufenthalt nur noch in überdachten und zu den Seiten verschlossenen Orten erlaubt. Wenn ein Halter dagegen verstößt, kann es teuer werden: So wurde etwa einer Rentnerin in Brauneberg, deren Enkel eines ihrer Hühner zum Spielen auf die Straße gelassen hatte, mit einem Bußgeld von 500 Euro gedroht, sollte das noch einmal passieren."Das wird doch alles zu sehr aufgebauscht"

Fälle wie dieser lösen bei Wilhelm Naumes nur Kopfschütteln aus. Er ist Vorsitzender des Geflügelzuchtvereins Trier, in dem 62 Halter - vorwiegend von Rassegeflügel - Mitglieder sind. Naumes selbst züchtet rund 100 Hühner, Gänse und Laufenten, insgesamt 14 Rassen. Der erfahrene Züchter hält den Trubel um die Vogelgrippe für Aktionismus: "Das wird doch alles zu sehr aufgebauscht." Viele verunsicherte Hühnerzüchter hätten in den vergangenen Wochen bei ihm angerufen. Naumes rät ihnen, ihre Tiere beim Veterinäramt kostenlos anzumelden und die strengen Auflagen zu erfüllen. So müsse etwa darauf geachtet werden, dass die Wasser- und Futterstellen keinen Kontakt zum Regenwasser haben. Mit den Behörden sei Naumes überwiegend gut ausgekommen, berichtet er. Während einer Sitzung des Vereins kam jedoch auch ein Problem zur Sprache, das einige Mitglieder mit den Bauämtern hätten: Bevor sie auch nur ein einfaches Wellblech-Stalldach bauen durften, hätten sie sich eine Baugenehmigung besorgen müssen. Ein Züchter klagt über diese Praxis: "Einerseits mussten wir schnell die Hühner aufstallen, aber andererseits brauchen wir für ein paar Dachplatten erst einmal eine Genehmigung." Für die Tiere sei das ständige Eingesperrtsein zudem eine Qual: So neigten sie in der Enge leichter zu Kannibalismus. Naumes und seine Züchterkollegen hoffen, dass sie so bald wie möglich wieder wie gewohnt ihrem Hobby nachgehen dürfen.

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