Lily Vogel, eine junge Frau aus Trier mit Behinderung, absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr in Afrika.

Inklusion : Eine junge Frau aus Trier mit Behinderung absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr in Ghana

Lily Vogel aus Trier hat schon viele Hindernisse genommen. Nun stürzt sie sich in ein neues Abenteuer: 7100 Kilometer entfernt.

Ein Freiwilliges Soziales Jahr in Ghana – schon das ist nicht gerade üblich. Was den Plan von Lily Vogel aber vollends ungewöhnlich macht, ist, dass die 19-jährige Triererin im Rollstuhl sitzt und dazu noch eine Lernschwäche hat.

Lily hat gerade die Schule beendet und ist fest entschlossen:  Ende August wird sie nach Afrika fliegen. „Seit ich elf bin, wollte ich schon immer ins Ausland. Und seit zwei Jahren habe ich Ghana ins Auge gefasst“, erzählt Lily. Anfangs standen auch Neuseeland und Australien zur Auswahl, doch ihre Wahl fiel letztlich auf den afrikanischen Kontinent. Nicht zuletzt wegen Bezev.

Dieser Verein für Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit setzt sich seit 1995 für die Inklusion von Menschen mit Behinderung ein und ermöglicht ihnen ein FSJ im Ausland.

In Ghana wird Lily vormittags an Schulen aktiv sein und dort als Assistentin, aber auch als Lehrerin Kinder mit Beeinträchtigungen unterrichten. Der zweite Teil ihrer Arbeit geschieht am Nachmittag: Dann möchte sie Aufklärungsarbeit zu Inklusion und Barrierefreiheit leisten. Dazu gehört auch der begleitete Besuch nahe gelegener Dörfer.  „Ich weiß, was ich leisten muss, und will dort auch selbstständig arbeiten“, sagt Lily.

Bezev unterhält in Ghana einen barrierefreien Stützpunkt, an dem Lily in einer Wohngemeinschaft für Beeinträchtigte leben wird. „Ich habe während meiner Schulzeit  schon in WGs gewohnt. Außerdem habe ich meine Zimmerkollegen bereits kennengelernt.“ Am Stützpunkt stehen  Lily auch eine Physiotherapie zur Verfügung und ein Mentor. Abgesehen davon reist die junge Triererin ohne Begleitperson und möchte in Ghana „selbstständig Barrieren meistern“.

Das ungewohnte Umfeld und das möglicherweise problematische Terrain verschrecken sie nicht: „Ich werde dort mein Ding machen, egal, wie die Umgebung ist.“   Schon im Vorfeld hat Lily Vogel viele Anstrengungen gemeistert: Impfungen, Papiere, Bürokratie. Nun ist ihr Visum in trockenen Tüchern und ihrem Abenteuer steht nun nichts mehr im Weg. Ende August geht es los. Zwölf Monate lang wird die junge Frau von ihrer Familie und der neuen Katze getrennt sein, die seit ein paar Wochen bei den Vogels wohnt.

Gegen mögliche Kulturschocks wurde schon Vorarbeit geleistet: Auf mehreren Treffen des Vereins Bezev wurden die künftigen FSJler an Land und Leute herangeführt und konnten  sich mit den anderen Freiwilligen bereits vernetzen. Über die seriöse Organisation der Reise ist Lilys Mutter Katharina Vogel sehr froh: „Es ist natürlich angenehm für mich, dass der Verein Erfahrung mit behinderten Menschen hat. Das war wirklich ein Sechser im Lotto!“      

Lilys Interesse an anderen Kulturen, insbesondere der afrikanischen, kommt nicht von ungefähr. „Ein Freund meines Vaters kommt aus Togo und als Gastfamilie hatten wir selbst viele Austauschschüler bei uns. Außerdem war meine Schwester vor kurzem in den USA, das hat meine Reiselust nur noch bestärkt.“   Ihr Lebensweg führt sie nun also nach Ghana. „Ich muss diese Chance nutzen.“ Lilly Vogel will dort nicht nur neue Erfahrungen sammeln, sondern sich und der Welt beweisen: Eine Behinderung muss niemanden an etwas hindern.

Der Verein Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit e.V. (www.bezev.de) freut sich über Spenden: Bank für Sozialwirtschaft IBAN: DE89 370 205 00 000 8040703 BIC: BFSWDE33XXX (Köln); Stichwort: Spende weltwärts 2019

Mehr von Volksfreund