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Schülerfirma Frau Holli bewirbt sich beim Junior-Wirtschaftspreis

Bildung : Frau Holli und der Lampen-Tick

Alberich, Mephisto oder Rosenrot heißen märchenhafte Leuchten. 13 Gymnasiasten wollen mit ihnen Geschäfte machen. Ihr Ziel: Das Finale des Junior-Firmenprogramms in Berlin.

Holz, Harz und eine LED-Kerzenlampe. Das sind die wichtigsten drei Dinge, um Märchen wahr werden zu lassen. „Nur wer groß träumt, kann Großes erreichen“, sagt Consuela Lindig selbstbewusst. Die Gymnasiastin ist die Geschäftsführerin der Kleinstfirma, mit der sie und ihre zwölf Freundinnen und Freunde der Jahrgangsstufe 11 nach Berlin wollen. Dort dürfen sich am Ende des Schuljahres die besten Projekte aus ganz Deutschland präsentieren, die am Junior-Programm teilgenommen haben.

Seit 1994 schlüpfen Jugendliche nach vorgegebenen Regeln in die Rolle eines Unternehmers. Im vergangenen Schuljahr wurden erstmals über 10 000 Teilnehmer gezählt. In fast 800 Schülerfirmen wurde über die zündende Geschäftsidee gegrübelt, selbst entwickelte Produkte und Dienstleistungen an Kunden vertrieben und echtes Geld verdient.

„Frau Holli – märchenhafte Leuchten“ heißt die kleine Firma, mit der die 16- bis 18-Jährigen des Friedrich-Spee-Gymnasiums in Trier-Ehrang bis zu 15 000 Euro Umsatz machen wollen. Holli steht dabei für Holzlicht. „Wir bringen gleichzeitig mit Frau Holle das Märchenhafte in Verbindung“, erklärt Hannah Schlicker, die für Marketing und Werbung zuständig ist.

Die Idee: Auf einen  bearbeiteten und mit einem für die LED-Kerzenlampe ausgefrästen Holzkubus wird ein in mehreren Arbeitsschritten gegossener Würfel aus Polyresinharz montiert. Je nach Färbung des Harzes und hinzufügen von Material entstehen unterschiedliche Lampen, die von der Grundform gleich sind. Die Prototypen für Alberich, Mephisto, Schneeweißchen, Rosenrot und Bambi sind bereits fertig. Je nach Sage oder Märchen wurden zum Beispiel Münzen, Kohlestücke, Glitter oder Moosstücke beim Gießen in das Harz eingeschlossen.

Gebaut werden die leuchtenden Märchenstücke außerhalb der Schulzeit in einer Garage in Newel. „Wir haben da eine komplett eingerichtete Hobby-Werkstatt“, sagt Ives Jonas, der begeistert von den vielen Stunden erzählt, in denen er gemeinsam mit seinem Freund Jacob Prümm experimentiert und montiert hat, um die besten Ergebnisse zu bekommen. Ein Tischlerbetrieb aus dem Dorf unterstützt die jungen Firmengründer mit Holz und zunehmend verfeinerten Gießformen für das Polyresinharz, das in drei Schichten zu einem Block gegossen wird. Je nach Wunsch der Kunden können dabei unterschiedliche Gegenstände und Materialien eingeschlossen werden.

55 Euro inklusive Mehrwertsteuer kostet jede der individuellen Märchenlampen. Das erste verkaufte Objekt steht auf dem Schreibtisch des Schuldirektors. Wie in einer großen Firma müssen bei Junior-Projekten alle Betriebsabläufe sauber dokumentiert werden.

Es gibt unterschiedliche Abteilungen, das Unternehmen zahlt Steuern und jeder Mitarbeiter erhält einen Stundenlohn. Kontrolliert und bewertet wird das alles von den Verantwortlichen des Junior-Programms,  das im aktuellen Schuljahr bundesweit 10 000 Schülerinnen und Schüler motiviert hat, in eigenen Startup-Unternehmen unternehmerisches Handeln zu lernen. „Wir befassen uns mit Dingen, die wir in der Schule nur kurz anreißen“, erläutert Holli-Finanzchef Philipp Ullrich.

Finanziell sind allerdings Grenzen gesetzt. „Mehr als 5000 Euro Gewinn dürfen wir nicht machen“, sagt Hannah Schlicker, die PR-Beauftragte von Frau Holli. Die 900 Euro Startkapital kamen durch den Verkauf von 90 Anteilsscheinen zu je 10 Euro zusammen. Auf der eigenen Homepage und einer Facebook-Seite (www.frau-holli.de) hat die Vermarktung der märchenhaften Leuchten schon begonnen.

Ein Blick in die Werkstatt der Schülerfirma in Newel. Foto: Jacob Prümm

Wie werden Mephisto, Alberich und Rosenrot ankommen? Eine Antwort auf diese Frage bekommen die 13 Schülerinnen und Schüler des Friedrich-Spee-Gymnasiums auch im Mai, wenn der Junior-Landesentscheid ansteht. Buchführung und Marketing werden dabei ebenso bewertet wie die Präsentation. Wenn alles gut läuft, steht am Ende des Schuljahres der Bundesentscheid in Berlin an. Aber dazu müssen auch einige Mitbewerber aus der Region Trier ausgestochen werden. Sind alle dafür motiviert? „Ja! Klar!“, ist die einstimmig gerufene Antwort bei der Mitarbeiterversammlung mit dem Trierischen Volksfreund. „Nur wer groß träumt, kann Großes erreichen“, sagt Geschäftsführerin Consuela Lindig. Es könnte gleichzeitig ein Werbeslogan sein für die märchenhaften Leuchten aus Holz und Harz.