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Schüsse in der Geisterkulisse

Schüsse in der Geisterkulisse

Schüsse in Trier-Feyen haben am Mittwochabend Verwunderung und Besorgnis bei Anwohnern ausgelöst. Des Rätsels Lösung: Es war ein Manöver einer Bundeswehr-Kompanie aus Saarlouis auf dem ehemaligen Kasernen-Gelände Castelnau.

Trier-Feyen. 105 Minuten lang knallte es am Mittwoch im Trie rer Süden. Beunruhigte Bürger konnten sich den Lärm nicht genau erklären, riefen Nachbarn oder die Polizei an. Hinter den Geräuschen steckte aber weder ein Überfall noch ein Schützenfest oder ein Feuerwerk. Die Bundeswehr schloss in der ehemaligen Kaserne Castelnau ein dreitägiges Manöver mit einer Schießübung ab. 1999 hatte das französische Militär die Kaserne endgültig geräumt, die heute Eigentum der "Bima" (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) ist. Dort soll nach dem Willen des Stadtrats ein Handwerkerpark entstehen. Noch bieten die verlassenen Gebäude nur eine Geisterkulisse. "Nicht nur die Bundeswehr, sondern auch Polizei, Technisches Hilfswerk und Feuerwehr nutzen das Gelände regelmäßig für Übungen, natürlich mit Genehmigung", erklärt Hauptmann Ralph Kunz von der Luftlandebrigade 26 in Saarlouis.

Ein Truppenteil der Brigade ist die Luftlandepionier-Kompanie 260. Rund 30 Mitglieder dieser Kompanie übten seit Montag in Trier den Ernstfall. "Wir müssen die Soldaten so gut vorbereiten, dass sie für den Einsatz in Afghanistan gerüstet sind", beschreibt Kunz das Ziel. Es geht zum Beispiel darum, ein gefährliches Gelände sicher zu durchqueren oder auf einen Hinterhalt zu reagieren.

Eigens angemeldet werden solche Übungen nicht, auch nicht über die Medien angekündigt. Gleichwohl wäre das aus Sicht des Hauptmanns durchaus sinnvoll, damit Bürger sich darauf einstellen können: "Wir gehen sehr sensibel damit um, weil wir die Bürger nicht unnötig belasten wollen." Deshalb sei die Schieß-Zeit auf 19.30 bis 21.15 Uhr am Abschlusstag beschränkt worden. Scharfe Munition ist beim "Bund" zu Übungszwecken nur auf einem Truppen-Übungsplatz wie Baumholder erlaubt. Beim Manöver in Trier wurde mit Plastikpatronen geschossen. Dazu setzten die Fallschirmjäger ein sogenanntes Manöverpatronen-Gerät auf den Mündungslauf des Gewehrs. Dadurch können weder Plastik-Projektile noch Mündungsfeuer austreten. Kunz: "Es kann niemand verletzt werden."

Meinung

Wissen vermeidet Fragen

Unabhängig vom Sinn oder Unsinn des Afghanistan-Einsatzes steht fest: Die Bundeswehr operiert dort in einem Kampf, der immer mehr Züge eines Krieges annimmt. Deutsche Soldaten geraten in lebensgefährliche Situationen. Wer im Krisengebiet eingesetzt wird — und dazu gehören auch Fallschirmjäger aus Saarlouis —, muss hier so gut wie möglich darauf vorbereitet werden. Um Manöver auch nur ansatzweise realitätsnah zu gestalten, greift der Bund auch auf Liegenschaften zurück, in denen die Rekruten eben nicht täglich üben. Denn im Ernstfall geht es auf unbekanntes Terrain. So erklärt sich nachvollziehbar die Nutzung der verlassenen Kaserne. Um künftig Irritationen zu vermeiden, sollten Übungen schlicht rechtzeitig angekündigt werden. Bei Manövern außerhalb von Bundeseigentum ist das seit jeher selbstverständlich. m.hormes@volksfreund.de