Sparkasse: 18 Filialen im Landkreis Trier-Saarburg auf der Streichliste

Sparkasse: 18 Filialen im Landkreis Trier-Saarburg auf der Streichliste

18 von 49 Sparkassen-Filialen im Landkreis Trier-Saarburg könnten nach Volksfreund-Informationen noch in diesem Jahr schließen. Der Verwaltungsrat der Bank hält die Streichliste, die am heutigen Freitag beschlossen werden soll, weiter geheim – auch vor den Bürgermeistern der Verbandsgemeinden.

Foto: Birgit Keiser



4,13 Milliarden Euro Bilanzsumme im Geschäftsjahr 2015, operative Gewinne in den vergangenen Jahren von mehr als 30 Millionen Euro per anno. Trotzdem will die Sparkasse Trier sparen. Und zwar auch durch Filialschließungen.
In der Stadt Trier sollen fünf von 18 Geschäftsstellen aufgegeben werde n (Paulinstraße, Mariahof, Biewer, Trier-West/Römerbrücke und Euren).

Welche Gemeinden im Landkreis betroffen sind, wollte die Sparkasse ebenfalls bis nach der Sondersitzung ihres Verwaltungsrats am heutigen Freitag, 29. April, unter Verschluss halten. Doch dem TV sind die zur Disposition stehenden Geschäftsstellen bekannt (siehe Grafik). Besonders betroffen ist demnach die Verbandsgemeinde Ruwer: Fünf von acht Filialen könnten dort noch in diesem Jahr schließen. In der VG Hermeskeil sollen zwei von vier Geschäftsstellen aufgegeben werden. Ebenfalls stark belangt wird die VG Konz, in der vorgesehen ist, vier von zehn Filialen dichtzumachen.

Nur bei vier der insgesamt 18 Geschäftsstellen auf der Schließungsliste sollen stattdessen Geldautomaten erhalten bleiben, nämlich in Farschweiler, Schillingen, Ayl und Trassem. Ein Grund für die Schließungen ist, dass immer weniger Kunden die Sparkassenfilialen aufsuchen. Laut der Statistik des rheinland-pfälzischen Sparkassenverbands spricht jeder Kontoinhaber im Durchschnitt nur noch ein Mal pro Jahr persönlich in einer Sparkassenfiliale vor.

Online-Banking wird dagegen immer stärker genutzt, im Schnitt greift jeder Sparkassenkunde mittlerweile 120-mal jährlich übers Internet auf sein Konto zu. Weiterer Grund für die beabsichtigten Schließungen: Die Sparkasse Trier rechnet unter anderem wegen der Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank nach TV-Informationen im laufenden Jahr mit deutlichen Gewinneinbußen. Durch die Filialschließungen könnten rund 1,2 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden.

Der Vorstand der Trierer Sparkasse wollte sich vor der heutigen Sitzung des Verwaltungsrats auf TV-Nachfrage nicht zu den geplanten Einsparungen äußern.

Für den CDU-Landtagsabgeordneten Arnold Schmitt rechtfertigen ein möglicher Gewinnrückgang und weniger Kundenbesuche in den Filialen vor Ort die Schließung so vieler Sparkassenfilialen im Landkreis nicht: "Die Sparkasse ist eine öffentlich-rechtliche Einrichtung und hat den Auftrag, den ländlichen Raum mit Filialen zu versorgen", empört sich der Rioler. "Wir kämpfen im Landkreis darum, dass Nahversorgung und andere Infrastrukturen erhalten bleiben - und unsere eigene Sparkasse macht einfach ihre Geschäftsstellen zu", schimpft Schmitt.

Vor etwa fünf Jahren seien bereits die Öffnungszeiten in einigen Filialen im Landkreis stark reduziert worden. "Damals erklärte uns die Sparkasse, dass so die Filialstruktur erhalten bleiben könne - weswegen die Politik den Einschneidungen zugestimmt hat. Heute scheint es mir, dass damals schon die endgültigen Schließungen vorbereitet wurden - denn eine Geschäftsstelle, die ohnehin nur noch an zwei Tagen geöffnet hat, dichtzumachen, ruft weniger Widerstand auf den Plan als die Schließung einer Vollzeit geöffneten Filiale."

Dass die Sparkasse auf absehbare Gewinneinbußen mit Sparen reagiere, sei durchaus richtig, betont Schmitt. "Aber warum lässt man dann in Trier drei kostenträchtige Paläste in fußläufiger Nähe bestehen - nämlich die riesigen Sparkassen-Filialen am Viehmarkt, in der Simeonstraße und in der Theodor-Heuss-Allee - und macht zum Beispiel in der VG Ruwer fünf von acht Filialen dicht?", fragt Schmitt.

Bernhard Busch, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ruwer, hat von den geplanten Schließungen in seinem Revier durch den TV erfahren. Grundsätzlich bedauere er die Kürzungen bei der Infrastruktur. "Aber wenn nun mal niemand mehr hingeht, macht es auch keinen Sinn, die Filialen mit aller Gewalt aufrechtzuhalten", sagt der FDPler. "Aber ich würde mir schon wünschen, dass die Sparkasse mir kurzfristig die dafür zugrundeliegenden Zahlen vorlegt."

Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Ingeborg Sahler-Fesel - Mitglied im Verwaltungsrat der Sparkasse - stemmt sich nicht grundsätzlich gegen Filialschließungen. "Sicher muss die Sparkasse weiter in der Fläche präsent sein, und dafür mache ich mich auch stark. Aber wenn eine Filiale überhaupt nicht mehr angenommen wird, muss man schon überlegen dürfen, ob sie erhalten bleiben muss", sagt die Schweicherin. "Schließlich sind die wirtschaftlichen Interessen und Ziele der Sparkasse nicht etwas Bankinternes, sondern letztlich auch die der Politik und der Öffentlichkeit."

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