TV-Forum zur Bürgermeisterwahl in der VG Trier Land (Update)

Wahlen : Wahlarena im Sirzenicher Gemeindesaal – TV-Forum zur Bürgermeisterwahl in der VG Trier Land (Update)

Gut 100 Gäste besuchen das TV-Forum zur Bürgermeisterwahl in Trier-Land. Die Fragerunden decken deutliche Unterschiede zwischen den Bewerbern auf – und so manche Wissenslücke bei den ortsfremden Kandidaten.

Ein fröhliches Klingeln begleitet die fünf Kandidaten auf ihrem Gang zu den Mikrofonen und Stehtischen beim TV-Forum im Sirzenicher Bürgersaal. Denn bei jedem Schritt schütteln sich die Glöckchen am Till-Eulenspiegel-Kostüm von Horst Mahncke (63, parteilos).

TV-Forum zur Bürgermeisterwahl VG Trier-Land

Auf seinem langen grauen Haar sitzt eine Art goldene Zipfelmütze. „Wenn ich bunter Vogel tatsächlich Bürgermeister werde, dann habe ich erstmal ein Problem – denn dann müsste ich auf meine alten Tage noch ins Büro“, räumt der Bilanzbuchhalter und Fluglehrer augenzwinkernd ein. Seine Kandidatur sei ernst gemeint, beteuert der parteilose Kandidat. Im Vordergrund stehe für ihn aber, durch seinen Wahlkampf die Politiker der etablierten Parteien aufmerksam zu machen, dass die Bürger Veränderungen wollen. „Die Leute sind enttäuscht und meinen, dass ,die da oben’ ohnehin machen, was sie wollen. Es muss mehr Bürgernähe, mehr Demokratie geben!“

Mit konkreten Inhalte zu brennenden Themen in der Verbandsgemeinde Trier-Land – Moselaufstieg, öffentlicher Busverkehr, Schulen und die Frage, ob in der Nähe von Herresthal ein neues Gewerbegebiet sinnvoll ist etwa – tut sich der in Pillig im Kreis Mayen-Koblenz wohnende Bewerber allerdings schwer.

Auch Patrik Kartes (38, Mandern) muss Wissenslücken einräumen: „Ich habe von der Diskussion um den Moselaufstieg bislang nur auf den ausgehängten Plakaten gelesen“, gibt der Einzelbewerber zu, der ebenfalls ohne Nominierung durch eine Partei zur Bürgermeisterwahl antritt. Dabei standen die Sachthemen im Vordergrund bei der öffentlichen Diskussionsrunde des Trierischen Volksfreunds, zu der gut 100 Zuhörer gekommen waren.

„Wir wollen den Kandidaten auf den Zahn fühlen“, kündigt TV-Redakteur Harald Jansen an. Die Lokalmatadore Michael Holstein (44, Freie Wähler, Kordel), Matthias Wagner (54, SPD, Langsur-Metzdorf) und Lothar Zengerling (61, CDU, Welschbillig) punkteten mit detailliertem Wissen. Wie die beiden ortsfremden, parteilosen Mitbewerber Kertes und Mahncke versicherten auch die Kandidaten von CDU, SPD und den Freien Wählern, sich für mehr Bürgernähe einsetzen zu wollen. Er wolle unter anderem „die Stimme der Bürger sein“, betonte Zengerling. Der „Service- und Dienstleistungsgedanke“ müsse in der VG-Verwaltung gestärkt werden, sagte Holstein. Und SPD-Kandidat Wagner – der bei der VG-Verwaltung arbeitet und zuständig ist für das Ordnungsamt und die Feuerwehr – erklärte: „Bürger sind für mich immer Kunden!“

Die Kandidaten beantworteten auch Fragen, die TV-Leser vorab an die Redaktion gesandt hatten. So wollte Gabriele Hartmann-Tsigos aus Trierweiler wissen, wie die Bewerber zum Moselaufstieg stehen. Während sich CDU-Mann Zengerling klar für die Trasse durch den Wald bei Igel und Zewen hoch zur A 64 gen Luxemburg aussprach, äußerte SPD-Kandidat Wagner Zweifel: „Es gibt ein Für und Wider – bei der Bevölkerung in den Ortschaften, in deren Nähe die Trasse entlangführt, überwiegt derzeit allerdings das Wider. Und auch ich bezweifele, dass wir den Moselaufstieg wirklich brauchen.“ Holstein räumte ein: „Der Moselaufstieg ist ein Thema, bei dem man sich nur die Finger verbrennen kann. In meiner Brust schlagen in dieser Sache auch zwei Herzen, aber ich bin schon eher für den Bau.“

In Sachen neues Gewerbegebiet bei Trier-Herresthal zeigten sich die Einzelbewerber Kartes und Mahncke eher unentschlossen. Wichtig sei, was die Bürger wollten, betonten auch diesmal beide. Zengerling erklärte: „Es ist sinnvoll, weitere Gewerbeflächen zu schaffen. Wir brauchen den Mittelstand, wir brauchen die Unternehmen.“ Wagner war dagegen unentschieden: „Wir haben noch einen gewissen Bestand an freien Gewerbeflächen – diese sollten wir zuerst nutzen, bevor wir ein neues Gewerbegebiet ausweisen.“ Holstein richtete den Blick darauf, dass Gewerbeflächen nicht nur von ansiedlungswilligen Betrieben „dringend gesucht“ seien. Auch für die Arbeitnehmer im Trierer Land seien sie wichtig: „So werden wohnortnahe Arbeitsplätze geschaffen.“ Anders als Zengerling, der betonte, dass „die Stadt Trier schon auf das Gelände schiele, wir es aber selbst für die Wirtschaftsentwicklung nutzen sollten“, zeigte Holstein sich offen für Kooperationen mit der Stadt Trier bei interkommunalen Gewerbegebieten.

Was – wenn sie denn gewählt würden – sie als Erstes in Angriff nehmen würden als neue Bürgermeister, wollte TV-Lokalchef Marcus Hormes wissen. Während Kartes zuallererst schauen würde, „wo man bei der VG-Verwaltung selbst effektiv Geld einsparen könnte“, versicherte Mahncke, er würde zunächst „die ganze Verwaltung auf den Kopf stellen“, insbesondere, um diese bürgernäher auszurichten. Auch CDU-Mann Zengerling erklärte – weniger bildhaft – dass er zunächst „die Personalsituation der Verwaltung analysieren“ würde, um dann ein stärker „bürger- und serviceorientiertes Rathaus“ zu entwickeln. Freie-Wähler-Bewerber Holstein wies darauf hin, dass im Frühjahr 2019 zunächst mal Kommunalwahlen anstehen und schon dadurch beim Amtsantritt am 1. März 2019 einiges an Arbeit auf den neuen Bürgermeister zukommen werde. Als „Insider“ der Verwaltung betonte SPD-Kandidat Wagner, dass die Vorschläge seiner Mitbewerber ja „alle ganz wunderbar“ seien, die Verwaltung aber eben nun mal auf einen festen Mitarbeiterstab zurückgreifen könne, um Dinge umzusetzen. „Besonders wichtig sind mir unsere Schulen: Wir haben kein fertiges Schulkonzept!“ Dabei müsse die VG Trier-Land, in der es außer der kleinen Schule, die zur Sozialeinrichtung Haus auf dem Wehrborn auf dem Helenberg gehört, keine weiterführenden Schulen gibt, planen, „wo wir unsere Kinder hinschicken und welche Vorstellungen wir da haben. Wir dürfen nicht als Bittsteller bei den Schulen in Trier oder Schweich auftreten – sondern sollten ganz klare Vereinbarungen mit den Schulträgern treffen!“

Die Fragerunde aus dem Publikum zeigte, dass insbesondere die im Zuschauerraum sitzenden Ortsbürgermeister sich ein besseres Zusammenspiel zwischen Ortsgemeinden und Verwaltung wünschen. Während Wagner erklärte, dass man die Idee eines Kümmerers als zentralen Ansprechpartner für die Ortsgemeinden nochmal aufgreifen solle, sagte Zengerling: „Wir brauchen keinen Kümmerer, sondern einen starken Bürgermeister, der die Belange der Bürger wieder stärker in den Fokus rückt“. Holstein griff den Umstand auf, dass den ehrenamtlichen Ortsbürgermeister immer mehr Aufgaben zugeschustert worden seien: „Da muss die Verwaltung Entlastung bieten.“

Sollte am 3. Juni keiner der Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, kommt es am 17. Juni zur Stichwahl. Der Sieger kann sich dann nicht nur über seinen Wahlerfolg freuen, sondern möglicherweise auch über den ersten Sieg der deutschen Elf bei der Fußball-WM: Ab 17 Uhr kickt Deutschland gegen Mexiko.

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