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VG Ruwer: Workshops liefern Ideen für Starkregen- und Hochwasserkonzept

Starkregen : Wie sich die Verbandsgemeinde Ruwer gegen Starkregen wappnen will

Bei dem Jahrhunderhochwasser im Juli ist die Verbandsgemeinde Ruwer verschont geblieben. Dennoch gibt es auch dort Stellen, an denen die Bewohner bei Starkregen gefährdet sein könnten. Um diese Stellen herauszufinden, konnten die Einwohner in den vergangenen Monaten bei Treffen ihre Vorschläge einbringen.

Frühzeitige Warnungen, Sandsäcke und Hilfsgruppen: Es gibt viele Möglichkeiten, wie die Orte und Verbandsgemeinden sich auf Starkregen- und Hochwasserereignisse vorbereiten können. Um einen Überblick über nötige Verbesserungen zu bekommen, wird in der Verbandsgemeinde (VG) Ruwer ein Vorsorgekonzept erstellt, bei dem ein genauer Blick auf 18 Ortsgemeinden geworfen wird. Was ist noch zu tun und wer ist wofür verantwortlich? Der TV hat mit den Planern des Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepts und der Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Ruwer über den aktuellen Stand und die nächsten Schritte gesprochen.

Bei der Erstellung des Vorsorgekonzepts gebe es verschiedene Handlungsfelder, sagt Mark Bailey vom Planungsbüro Inca und Leiter des Projekts. Dazu gehören bauliche Schutzmaßnahmen im öffentlichen Bereich, die umsetzbar und wirtschaftlich sind und im Zuge des Konzeptes umgesetzt werden könnten. Auch Maßnahmen, die über die baulichen Änderungen hinausgehen, werden berücksichtigt. Wichtig in den Gesprächen mit Einwohnern sei auch gewesen, darüber zu sprechen, was jeder Betroffene selbst machen und mit welcher Hilfe er rechnen kann. Aus diesen Fragen und Themenfeldern heraus entwickeln die Planer das Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept für die VG Ruwer.

Eine öffentlich einsehbare Karte des Landes, auf der die Gemeinden je nach ihrer Gefährdung bei Stark­regen entweder rot, orange oder gelb markiert sind, habe einen ersten Überblick über die Gefahrenlage in der VG gegeben, sagt Bailey. Darauf ist zu erkennen, dass beispielsweise Waldrach, Kasel und Lorscheid rot markiert und damit bei Starkregen gefährdeter sind als Osburg, Thomm und Holzerath, bei denen von einer geringen Gefährdung ausgegangen wird.

Diese Karte sei Teil der Bestandsaufnahme bei der Ermittlung der Gefahren gewesen. Ein weiterer wichtiger Aspekt sei die Gefährdung durch die Kanalisation, denn „die Kanäle sind nicht auf Hochwasser ausgelegt“, sagt Bailey. Es sei wichtig, die Informationen zum Kanalnetz zu berücksichtigen, damit keine eventuelle Gefährdung übersehen wird. Außerdem seien Feuerwehrberichte mit Informationen zu Einsätzen bei Starkregen und Hochwasser berücksichtigt worden.

Diese Informationen seien eine Grundlage für nächste Schritte gewesen. Bei Ortsbegehungen seien mögliche Schadstellen und Schadenspunkte von vergangenen Ereignissen genauer betrachtet worden. In Bürgerworkshops, die von September bis November diesen Jahres in den einzelnen Gemeinden stattgefunden haben, seien Vorschläge von den Bewohnern aufgenommen und die Gefahrenkarten bearbeitet worden. Stephanie Nickels, Bürgermeisterin der VG: „Leider wurde das ganze Konzept durch die Corona-Pandemie ausgebremst, sonst hätten die Workshops schon früher veranstaltet werden können. Allerdings hat das Hochwasser im Juli auch einige wachgerüttelt, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.“

Die Workshops seien gut angenommen worden, sagt Michael Eiden, Projektingenieur bei Inca. Zwischen 20 und 30 Bewohnern seien zu den einzelnen Terminen gekommen. In den Orten auf Höhenlage seien aber beispielsweise weniger Menschen zu den Treffen gekommen, als in Waldrach oder Kasel. Der Großteil seien Mitglieder der Ortsgemeinderäte oder von Starkregen Betroffene gewesen.

Derzeit laufe die Auswertung der Bürgerworkshops, um aus den Ergebnissen notwendige Vorsorgemaßnahmen zu entwickeln. Eine zweite Reihe von Workshops soll – wenn die Corona-Pandemie die Treffen zulässt – von April bis Juli im kommenden Jahr laufen. Dabei sollen die Ergebnisse den Einwohnern präsentiert werden. Im weiteren Schritt sollen die Konzepte im Herbst fertiggestellt werden, damit rasch mit der Umsetzung begonnen werden kann. Allerdings endet die Vorsorge nicht mit der Umsetzung der Maßnahmen, sagt Eiden: „Die Hochwasservorsorge ist eine Daueraufgabe, es gibt immer neue Erkenntnisse. Um die bestmögliche Vorsorge zu erreichen, sollte das Risikomanagement als Kreislauf betrachtet werden.“

Bei den Workshops sei die Frage, ob in der VG Ruwer ein Ereignis wie an der Ahr oder Kyll im Juli möglich sei, häufig gestellt worden. Diese Frage müsse grundsätzlich für jede Region in Deutschland mit ja beantwortet werden. Bei den Fragen seien Vergleiche zwischen der Steinbachtalsperre im Kreis Euskirchen und der Riveristalsperre in der Verbandsgemeinde Ruwer gezogen worden. Detaillierte Daten über die Riveristalsperre seien die Basis für die Annahme, dass ein Überstau wie bei der Steinbachtalsperre, nach menschlichem Ermessen sehr unwahrscheinlich sei, stellen die beiden Ingenieure die Ergebnisse vor.

Allerdings unterstütze das Planungsbüro aktuell mit einer Präsentation zum hochwasserangepassten Planen und Bauen die Weiterbildungsmaßnahme des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität (MKUEM) zum Wiederaufbau im Ahrtal.