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Kriminalfälle
Jährlich werden 2000 Menschen in der Region als vermisst gemeldet (Video)

Ungewöhnlicher Fall: Der spurlos verschwundene Rentner Walter Klein wird zwar weiter in der Vermisstendatei des Landeskriminalamts geführt. Doch die Ermittler sind sich sicher, das Schicksal des Rentners zu kennen: Walter Klein wurde ermordet.
Ungewöhnlicher Fall: Der spurlos verschwundene Rentner Walter Klein wird zwar weiter in der Vermisstendatei des Landeskriminalamts geführt. Doch die Ermittler sind sich sicher, das Schicksal des Rentners zu kennen: Walter Klein wurde ermordet. FOTO: Eisenkraemer Sven
Trier. Viele Fälle klären sich rasch auf. Aber etliche Personen bleiben auch nach Jahren verschwunden. Von Rolf Seydewitz

Vor dreieinhalb Jahren wurde Birgit Ameis zum letzten Mal lebend gesehen. An einem Aprilmorgen beendete die 54-jährige Frau ihre Arbeit beim Deutschen Wetterdienst auf dem Hunsrück-Flughafen Hahn, um nach Hause zu fahren. Dort kam sie nie an. Ihr Auto wurde eine Woche später auf einem Parkplatz in der Nähe des Flughafens gefunden. Von der Frau aber fehlt bis heute jede Spur.

Der Fall Ameis ist einer von knapp 15 000 Vermisstenfällen, die das Bundeskriminalamt (BKA)  registriert hat. Allein in Rheinland-Pfalz wurden im vergangenen Jahr 3847 Menschen als vermisst gemeldet; im Bereich des Polizeipräsidiums Trier waren es insgesamt 2096 Personen.

Das Gros der Vermisstenfälle klärt sich allerdings rasch wieder auf. „In den allermeisten Fällen handelt es sich um Menschen, die kurzfristig ihr persönliches Umfeld verlassen und dann wieder zurückkehren oder deren Aufenthaltsort schnell ermittelt werden kann“, sagt der Trierer Polizeisprecher Karl-Peter Jochem. Eine Aussage, die auch vom Bundeskriminalamt bestätigt wird. Demnach erledigt sich ungefähr die Hälfte aller Vermisstenfälle in der ersten Woche. Innerhalb eines Monats liegt der Wert bereits bei 80 Prozent. Der Anteil der Menschen, die länger als ein Jahr vermisst werden, liegt laut BKA bei etwa drei Prozent.

In der Region Trier werden nach Angaben des Polizeisprechers derzeit 50 Vermisstenfälle bearbeitet, hinzu kämen 15 Langzeitvermisste. Als langzeitvermisst gilt laut Mainzer Innenministerium bereits, wer länger als zwei Monate verschwunden ist. Landesweit fallen 267 Menschen in diese Kategorie.

Der Fall Birgit Ameis gehört dazu, der Fall Walter Klein ebenfalls. Der Rentner aus Oberlascheid (Eifelkreis Bitburg-Prüm) verschwand vor elf Jahren spurlos. Das Ungewöhnliche an dem Fall: Walter Klein wird zwar weiter in der Vermisstendatei des Landeskriminalamts geführt. Doch die Ermittler sind sich sicher, das Schicksal des Rentners zu kennen: Walter Klein wurde ermordet. Ein Tatverdächtiger wurde zweieinhalb Jahre nach dem spurlosen Verschwinden Kleins verhaftet und später wegen Mordes verurteilt. Die ganze Geschichte beleuchten wir im zweiten Teil unserer Serie über spektakuläre Verbrechen.

Auch im Fall Birgit Ameis geht die Polizei inzwischen davon aus, dass die Frau getötet wurde. Für einen Selbstmord oder einen Unfall gebe es keine Anhaltspunkte, sagen die Ermittler.

Ein Mord und keine Leiche: Der Fall Walter Klein