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Augen zu und schneller durch

Augen zu und schneller durch

Im vergangenen und in diesem Jahr haben Autofahrer und Anlieger besonders im Norden des Kreises Vulkaneifel gute Nerven gebraucht. Denn: Eine Baustelle reihte sich an die nächste. Und überall waren Vollsperrungen eingerichtet. Laut Straßenbaubehörde ist das gesetzlich vorgeschrieben und hat einen positiven Nebeneffekt: Baustellen werden in der Regel schneller fertig - so wie jetzt in Zilsdorf, wo der Ausbau der B 421 zwei Monate rascher vonstatten ging als geplant.

Gerolstein/Bitburg/Walsdorf-Zilsdorf. Norbert Schmitz, Polier der Firma Backes, war Ende vergangener Woche damit beschäftigt, das Lager der Firma in Zilsdorf zusammenzuräumen. Schließlich wollte er das Dorf, das nun in neuem Glanz erstrahlt, ordentlich verlassen. Und das nach 16 Monaten Bauzeit und somit rund zwei Monaten weniger als veranschlagt. Er sagt: "Das ist sehr gut, dass wir früher fertig wurden als geplant." Zumal er sich noch gut an die Zeit erinnert, als sich wegen der Baustelle und der damit verbundenen Umleitung einige Anlieger beschwert hatten. Und obwohl die Arbeiter wegen zahlreicher Autos und LKWs behindert wurden, die trotz Sperrschildern eigentlich die gesamte Bauzeit über in die Baustelle gefahren sind.

Sein Kommentar: "So etwas habe ich noch auf keiner Baustelle erlebt." Aber jetzt: Haken dran und Freude über den zügigen Baufortschritt.
Der hat auch damit zu tun, dass während des Ausbaus der Straße kein Verkehr durch die Baustelle geleitet, sondern eine Vollsperrung mit Umleitung eingerichtet wurde. "Es ging zwei Monate schneller als geplant", sagt Harald Enders, Leiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) in Gerolstein. In einigen Fällen könne dadurch die Bauzeit sogar halbiert werden, sagt Enders und erklärt: "Aus Gründen der Arbeitssicherheit und durch Vorgaben der Straßenbauordnung sind wir gesetzlich verpflichtet, Straßen unter einer Breite von 7,10 Metern nur unter Vollsperrung ausbauen zu lassen." (Siehe Extra).

Und das betrifft für den Zuständigkeitsbereich des LBM Gerolstein, der den Vulkaneifelkreis und den Eifelkreis Bitburg-Prüm mit 300 Kilometern Bundesstraßen und 2100 Kilometern Landes- und Kreisstraßen umfasst, "rund 90 Prozent unserer Strecken, denn mehr als sieben Meter sind nur unsere Bundesstraßen breit", sagt Enders. In der Regel sind Landstraßen in der Eifel sechs, Kreisstraßen maximal 5,50 Meter breit - und fallen demnach unter das Gebot der Vollsperrung. Hinzu kommt: Ortsdurchfahrten, egal ob Bundes - oder Kreisstraße, wurden laut Enders schon immer beim Ausbau voll gesperrt - wegen der vielen Querleitungen im Boden. Kurzum: "Vollsperrungen sind jetzt der Standard", sagt Enders - der wegen der vielen Beschwerden von Anliegern und Autofahrern in seiner Behörde über diesen Umstand aufklären möchte.

Denn 2015 und auch dieses Jahr hätten zahlreiche Bürger wegen der vielen Baustellen und der damit verbundenen Umleitungen vor allem im Norden des Kreises Vulkaneifel beim LBM angerufen und sich beschwert.Projekte werden verschoben


"Früher haben Firmen auch noch bei sechs Metern Fahrbahnbreite eine Ampel aufgestellt, das ist heute nicht mehr möglich. Unser Ermessen liegt bei 0,0 Prozent. Wir drohen daher auch Strafen an, wenn die Vorgaben nicht eingehalten werden", sagt LBM-Abteilungsleiter Bruno von Landenberg. Neben dem positiven Effekt der kürzeren Bauzeit verschweigt von Landenberg aber auch die negativen Begleiterscheinungen der neuen Vorgabe nicht. Das sind neben den Umleitungen ("Die aber in der Regel maximal fünf Minuten längere Fahrzeit bedeuten.") auch Verschiebungen von Bauprojekten - wie der Ausbau der L 7 in Hermesdorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm) und L 64 in Daun-Gemünden, die beide nun erst ab Frühjahr 2017 realisiert werden.

In Hermesdorf hat das mit der vorgezogenen Brückensanierung zu tun, in Daun-Gemünden damit, dass die Straße als Umleitung für den Ausbau der B 257 zwischen Oberstadtfeld und Wallenborn dient. So sagt von Landenberg: "Eine als Umleitung ausgewiesene Strecke ist natürlich tabu für einen Ausbau."

Und während Polier Norbert Schmitz sich zumindest in Zilsdorf nicht mehr über Auto- oder LKW-Fahrer ärgern muss, die mal wieder bis in die Baustelle fahren, wird dies andernorts in der Eifel mit Sicherheit gerade mal wieder passieren. "Denn zu viele Leute verlassen sich blind auf ihr Navi, anstatt der Umleitungsbeschilderung zu folgen", weiß von Landenberg.Extra

Übersicht: Im Eifelkreis Bitburg-Prüm und im Vulkaneifelkreis hat es laut LBM von Anfang diesen Jahres bis zum 1. September 71 Straßenbaustellen mit Vollsperrungen gegeben. Davon entfallen etwa zwei Drittel auf den Eifelkreis, ein Drittel auf den Vulkaneifelkreis. Zeitgleich waren etwa 60 Straßen voll gesperrt. Bei einer Gesamtstrecke von 2400 Kilometern Straße, die der LBM Gerolstein betreut, bedeutet das rein rechnerisch alle 40 Kilometer eine Baustelle mit Umleitung. Die Zahlen sind gegenüber dem Durchschnitt nur leicht erhöht, denn laut Harald Enders setzt das LBM in der Regel 60 Projekte pro Jahr mit einem Gesamtvolumen von 35 Millionen Euro um.

Arbeitsschutz: Falls bei einem Straßenausbau eine halbseitige Sperrung eingerichtet wird, müssen Mindestabstände eingehalten werden, um die Sicherheit der Bauarbeiter zu gewährleisten. Diese betragen 30 Zentimeter, falls mit Tempo 30 durch die Baustelle gefahren wird, 50 Zentimeter bei 50 Stundenkilometern. In dem Bereich müssen sich Arbeiter frei bewegen können, ohne dass sie durch den Verkehr gestört werden. Hinzu kommen 25 Zentimeter für Baken und weitere 25 Zentimeter Sicherheitsabstand zum Verkehr. Für den ist eine 2,75 Meter breite Fahrbahn einzurichten. Macht zusammen 3,75 Meter. Mal 2 für den Baustellenbereich ergibt die erforderliche Gesamtfahrbahnbreite von 7,50 Metern. mh