Gesteinsabbau nur eines von vielen Topthemen

Gesteinsabbau nur eines von vielen Topthemen

Hohe Qualität, ausbaufähige Quantität: Beim erstmals veranstalteten Funkensprüher-Wettbewerb für Ausarbeitungen, die sich mit dem Landkreis oder einem hiesigen Unternehmen beschäftigen, sind sieben Beiträge eingereicht und prämiert worden. Jeweils Erste in ihrer Kategorie wurden Schülerin Michelle Horten aus Boxberg zum Thema Gesteinsabbau und Studentin Susanne Thelen aus Darscheid zum Thema familienfreundliche Jobs.

Daun. Wie schaffen Unternehmen es, top-qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen? Wie gelingt es, der Landflucht zu begegnen und junge Leute auch wirtschaftlich an die Region zu binden. Selbst wenn sie studieren, nicht den Kontakt in die Heimat abreißen zu lassen? Sondern sie dazu zu bewegen, danach einen Job in der Vulkaneifel anzutreten und nicht eben in Köln, Trier, Frankfurt oder Berlin. Damit sie sich hier ansiedeln, eine Familie gründen… - um damit dem Ausbluten der ländlichen Region, der Überalterung der hiesigen Gesellschaft und eben auch dem Fachkräftemangel zu begegnen.
Wettbewerb etablieren


Aus solchen und ähnlichen Fragestellungen ist bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Vulkaneifel (WFG) die Idee des Funkenspüher-Wettbewerbs erwachsen. Fehlten nur noch Sponsoren, die den Wettbewerb mit ordentlichen Preisgeldern dotieren, um ihm auch die nötige Attraktivität zu geben. "Die hatten wir mit unseren drei Gesellschafterbanken, der KSK Vulkaneifel sowie den Volksbanken Rhein-Ahr-Eifel und Eifel-Mitte, rasch zusammen", berichtet WFG-Prokuristin Judith Klassmann-Laux, zugleich Ideengeberin des Wettbewerbs, der vor einem Jahr ins Leben gerufen wurde.
Daher ist klar: Auf die nun abgeschlossene Premiere werden mindestens zwei weitere Durchgänge des Funkensprühers folgen. "Letztlich aber wollen wir den Wettbewerb dauerhaft etablieren", sagt Judith Klassmann-Laux.
Die Teilnehmer des ersten Durchgangs, die nun in einer öffentlichen Veranstaltung vor gut drei Dutzend Gästen in der Dauner KSK-Filiale ausgezeichnet wurden, jedenfalls waren allesamt happy, mitgemacht zu haben.
So freute sich Susanne Thelen aus Darscheid riesig über den Gewinn des ersten Preises und die damit verbundenen 1000 Euro, die ihr - ganz hightech-mäßig - ein kleiner Roboter namens Nao samt Laudatio überreichte. Dem TV verriet die Studentin der Politikwissenschaft anschließend, wie sie das Geld verwenden will: "Ich fliege für drei Monate in die USA, um den Präsidentschaftswahlkampf hautnah zu begleiten."
Mit ihrem Beitrag zum Thema "Familie und Beruf - Förderung der familienbewussten Personalpolitik am Beispiel der Volksbank Rhein-Ahr-Eifel", bei der sie seinerzeit arbeitete, überzeugte sie die Jury. Der gehörte auch Landrat Heinz-Peter Thiel an. Der sagte: "Diese Arbeit ist beispielhaft für alle Unternehmen in der Region." Daher von hohem Nutzwert für die Vulkaneifel. Daher der erste Preis.
Die Preisträgerin hatte unter dem Stichwort "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" 280 Bankmitarbeiter per Fragebogen um deren Einschätzung und Verbesserungsvorschläge gebeten und aus den Antworten eigene Lösungsansätze erarbeitet. "Dabei ging es stets um gemeinsame Lösungen zwischen den Mitarbeitern und dem Unternehmen", betonte die 26-Jährige.
Um Lösungen, die allen Konfliktparteien gerecht werden, ging es auch Michelle Horten aus Boxberg. Die Schülerin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Daun hatte sich im Rahmen einer Facharbeit am Beispiel der Region rund um den Laacher See mit dem konfliktbeladenen Thema des Gesteinsabbaus auseinandergesetzt. Dabei ging es ihr, wie sie sagte, "um einen nachhaltigen und rücksichtsvollen Abbau". Also um eine Lösung, bei der sowohl die Interessen der Abbauunternehmer als auch die des Landschaftsschutzes, des Tourismus´ und die der Menschen der Region berücksichtigt würden. Ihr Fazit: "Gar nicht so einfach, aber es geht." Ausgewählt habe sie das Thema, weil sie in der Vulkaneifel durch Plakate immer wieder auf den Konfliktherd Gesteinsabbau hingewiesen worden sei. Und in der Region Mayen-Mendig sei man beim Erarbeiten gemeinsamer Lösungen eben schon weiter, begründete sie ihre Auswahl.
Landrat Thiel nannte die Ansätze beispielhaft, "weil hier mit gesundem Menschenverstand und dem Willen zum Ausgleich an das Thema herangegangen wurde. Und das ist genau der richtige Lösungsansatz - auch für die Vulkaneifel". Der Lohn für ihre Facharbeit: 13 Punkte (Eins minus) in der Schule und nun der erste Platz in der Kategorie Schülerbeiträge, dotiert mit 500 Euro. Die wolle sie für ihr Studium verwenden, sagte sie.
Großer Praxisbezug


"Der Funkensprüher ist ein Baustein in den Bemühungen, qualifizierte Fachkräfte im Landkreis Vulkaneifel zu binden.
Oft ist das Verfassen einer Fach- oder Abschlussarbeit der Einstieg in die Karriere bei einem Unternehmen in der Region. Das beweisen unzählige Beispiele aus dem hiesigen Mittelstand", sagte der Landrat.
Und Gastgeber Dietmar Pitzen, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Vulkaneifel, die diesmal die Preisgelder zur Verfügung stellte, lobte darüber hinaus "den großen Praxisbezug" und die "vielen Lösungsvorschläge" der Arbeiten. Da sei die Auswahl der Gewinner nicht leicht gewesen.
Die Anzahl der Teilnehmerbeiträge, darunter nur einer bei den Schülerarbeiten, soll allerdings noch gesteigert werden. So meinte Judith Klassmann-Laux: "Für den Auftakt sind wir mit sieben Beiträgen zufrieden, aber gerade im Bereich der Schüler ist das noch ausbaufähig."
Der Preis geht nach den Sommerferien Ende August in die zweite Runde. Einreichungsfrist für die Arbeiten ist der 31. Januar 2017. Weitere Informationen gibt es bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Vulkaneifel, <%LINK auto="true" href="http://www.wfg-vulkaneifel.de" text="www.wfg-vulkaneifel.de" class="more"%>. Ansprechpartner: Alfred Bauer, Telefon: 06592/933-201, E-Mail: alfred.bauer@vulkaneifel.de
Meinung

Gute Idee, tolle Themen
Zwar ist es schade, dass nur sieben Beiträge eingereicht wurden. Aber das ist wohl auch dem Umstand geschuldet, dass der Funkensprüher-Wettbewerb in den Schulen und an Unis noch nicht die Runde gemacht hat. Das dürfte sich nun allein schon durch die ersten Preisträger, das mediale Echo und die weiteren hohen Preisgelder ändern. Gut so! Denn was die Qualität und die Themen betrifft, so war der erste Durchgang ein Volltreffer. Eine Schülerin, die die Konflikte um den Gesteinsabbau beleuchtet und Lösungsvorschläge erarbeitet. Hervorragend! Die Arbeit sollten sich die politischen Verantwortungsträger in der Region, bei denen das Thema schon bald auf der Tagesordnung steht, auf jeden Fall ansehen! Wie schaffe ich Jobs, die familienfreundlich sind? Ebenfalls eine zentrale Frage, der sich eigentlich alle Unternehmen in der Region stellen müssen. Stichwort: Fachkräftemangel. Und auch die Frage, wie Feuerwehren langfristig überleben können, ist fundamental. Alles Themen und Lösungsansätze, die die Region voranbringen. Umso besser, wenn sie von jungen Leuten vorgebracht werden, die dann auch hier leben. Das stimmt erstens hoffnungsfroh, zweitens wartet man geradezu voller Spannung auf den nächsten Durchgang mit wieder tollen Themen. Der Funkenspüher, eine gute Idee! m.huebner@volksfreund.deExtra

Schülerbeiträge: Den ersten Preis (500 Euro) im Bereich Facharbeiten erhielt Michelle Horten aus Boxberg, deren Facharbeit sich mit dem Thema "Nutzungskonflikte Abbau vulkanischer Rohstoffe - Umweltschutz-Tourismus" beschäftigte. Es gab keine weiteren Einsendungen. Studentische Beiträge: Im Bereich der Bachelor- oder Masterarbeiten ging der erste Preis (dotiert mit 1000 Euro) an Susanne Thelen aus Darscheid für ihre Arbeit zum Thema: "Familie und Beruf - Förderung der familienbewussten Personalpolitik". Den zweiten Preis (500 Euro) erhielt Benjamin Alexander Keul aus Gerolstein. Seine Arbeit hatte das Thema "Strukturwandel in ländlichen Räumen - analysiert anhand des Einzelhandels in Gerolstein und Prüm". Der dritte Preis (250 Euro) ging an Marco Blum aus Gerolstein für seine Arbeit "Demografischer Wandel und seine Auswirkungen auf die freiwilligen Feuerwehren am Beispiel der VG Gerolstein". Jeweils einen Anerkennungspreis (ohne Dotierung) erhielten David Krämer, der die Ökologie des Gemündener Maars untersucht hatte, und André Krämer, der sich mit der Geschichte und einem pädagogischen Konzept für die Berndofer Wehrkirche beschäftigt hatte. mh