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Hinter den Mädchen sitzt der Einheizer

Hinter den Mädchen sitzt der Einheizer

HILLESHEIM. Eine wechselvolle Geschichte erlebte das Schulgebäude, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die "ahl Schull" in Hillesheim ersetzte.

Alles war rechtzeitig auf den Beinen, als die neue Schule an der Provinzialstraße Ecke Mirbachstraße ihre Einweihung feierte. Nach einer kleinen Messe im Beisein des königlichen Kreis-Schulinspektors mit anschließender Prozession ging es vorbei an der "ahlen Schull" auf der Kirchstraße, heute Graf- Mirbach-Platz 18, zum neuen Schulgebäude. Unter dem Läuten der Schulglocke wurden die Räume der vierklassigen Volksschule vom Pastor eingesegnet. Der Hauptlehrer gelobte in seiner Ansprache, treu und fleißig zu arbeiten und die Kinder im rechten christlichen Geiste zu erziehen. In dem vorherigen zweiklassigen Schulgebäude, Erbauungsjahr 1597, richtete die Gemeinde Dienstwohnungen für Beamte ein. Bis zum Baubeginn hatte es einige Verzögerungen und langwierige Verhandlungen gegeben. Bereits am 29. März 1837 genehmigte der Landrat im Hillesheimer Wald das Fällen von 140 Eichen. Auf der Suche nach weiteren finanziellen Mitteln kam der Wildlanddistrikt "Kleinheidchen" zum Verkauf. Da sich trotz vieler Bemühungen keine passende Baustelle fand, beschloss man, am Markt- und Gemeindeplatz neben dem Wasserkump das Gebäude zu errichten. Um genügend Bauland zur Verfügung zu haben, gab Steuereintreiber Ludwig Meurin als Schenkung seinen Gartenfußweg. Nachbar Ludwig Daehle gestattete, das Schulhaus an seinen Giebel zu bauen, was heute noch erkennbar ist. Die Gebrüder Fasen verkauften von ihrem Garten zwei Ruten (eine Rute entspricht zwölf bis 16 Fuß) zum selben Preis, für den sie es 1818 angesteigert hatten. Den Vertrag zum Schulneubau unterschrieben Baumeister Faure, Bürgermeister Schneider, Ortsschöffe Schloesser sowie die Notablen von Hillesheim namens Kloep, Fasen, Meyer, Veling und Dr. Neukirch. Als Bauaufseher ist Nikolaus Manderscheid aufgeführt. In der Schulchronik von Amtsgerichtsrat Josef Draf (1861-1931) ist ferner nachzulesen, dass verschiedentlich über die Säumigkeit der Handwerker geklagt wird und die Bauzeit sich in die Länge zog. Große Streitigkeiten gab es über 41 000 berechnete Nägel, aber nur 6000 wurden ausgeliefert. Über diese Angelegenheit soll viel Tinte geflossen sein. Es kam zu keiner Klärung, ob die Nägel verschwendet oder entwendet wurden. Das alles schien nun bei der feierlichen Einweihungsfeier vergessen zu sein. Während des Kirchenneubaues 1851/53 diente das kürzlich bezogene Schulhaus kirchlichen Zwecken. Statt Kindergeschrei gab es jetzt feierliche Messen, Sonntagsdienst und Andachten. Im Erdgeschoß waren anfangs noch das Friedensgericht und auch das Bürgermeisteramt untergebracht. Wegen der steigenden Einwohnerzahl und der vermehrten Kinderschar wurden die Unterrichtsräume erweitert. In den letzten drei Schuljahren erfolgte der Unterricht getrennt in Mädchen- und Jungenklassen, was sich erst im Zweiten Weltkrieg änderte.Endlich getrennte Toiletten

Josef Meier (92) berichtet aus seiner Schulzeit, dass hinten im Hof der Lagerschuppen für das mitzubringende Brennholz stand. Im Winter waren die Jungen für das Einheizen der Öfen zuständig. Im fünften Schuljahr wurde Josef dafür eingeteilt, was neben der aufwändigen Feuerung auch Freude hervorrief, denn als Einheizer durfte man gleich hinter den Mädchen sitzen. "Das führte zu meiner ersten und einzigen Tracht Prügel vom Lehrer Broos. Die vor mir sitzende ebenso schlaue wie hübsche Trude Kloep verleitete mich dazu, an ihren langen, blonden Zöpfen zu ziehen." Ungerecht fanden die Mädchen, dass sie in den Pausen hinten im Hof spielen mussten, die Jungen sich dagegen auf der Straße aufhalten durften. Mittlerweile wurde auch diese Schule zu klein, und alle Räume außer einer kleinen Dachwohnung für eine Lehrerin waren Klassenräume. Einige Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs gab es ernsthafte Überlegungen, wiederum eine größere Schule zu bauen, diesmal am Ortsrand. Im Herbst 1929 erfolgte deren Einweihung. Erfreulich fanden die Mädchen, wie Magda Hennrich sich erinnert, dass die Toiletten für Mädchen und Jungen getrennt waren. In das nun alte Schulhaus zog im Erdgeschoß eine Sparkasse ein und später noch ein Frisörsalon. 1959 erwarb Fritz Schlösser zur Erweiterung seines Möbelgeschäfts das angrenzende Gebäude und baute es um. Nur die Außenwände erinnern teilweise an das einst stattliche Schulhaus am Wasserkump.