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Im Dienst der Menschlichkeit weltweit unterwegs

Im Dienst der Menschlichkeit weltweit unterwegs

KERPEN. Bereits fünf Mal ist Stephanie Röper für den Senioren-Experten-Service (SES) im ehrenamtlichen Einsatz gewesen, um mit ihren beruflichen Erfahrungen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Eindrücke ihres jüngsten Einsatzes in Pakistan hat die Hebamme und Krankenschwester sogar in Berlin präsentiert.

Als am 8. Oktober 2005 eine Serie von heftigen Erdbeben große Teile Pakistans in der Kaschmir-Region erschütterte, starben rund 90 000 Menschen. Mehr als drei Millionen Menschen wurden obdachlos. Das Epizentrum lag an der Grenze zwischen Pakistan und Indien. Das Beben öffnete einen etwa 100 Kilometer langen Bruch, an dem entlang praktisch alle Gebäude zerstört wurden. Eine große, weltweite Hilfswelle folgte. " Trotz des gigantischen Ausmaßes funktioniert die Versorgung der Bevölkerung vorbildlich. Die Pakistani haben mit enormer Ausdauer gearbeitet", berichtet Röper. Niemand lasse den Kopf hängen. Alle krempelten die Ärmel hoch. Die 65-Jährige war von Ende März bis Anfang Mai in einem fünfköpfigen SES-Team (zwei Ärzte und drei Krankenschwestern) in dem verwüsteten Gebiet unterwegs. Sie erklärt: "Unsere Aufgabe war es, zusammen mit pakistanischem Personal Defizite zu erkennen und Informationen für die Errichtung neuer Einrichtungen zu liefern." Sozialer Notstand herrsche nicht mehr. Der Schulbetrieb laufe einwandfrei, wenn auch in Zeltstädten. Röper war viel auf dem Land und in Bergdörfern unterwegs. Sie sagt: "Trotz des Bebens haben die unermüdlichen Pakistani noch im Herbst ihre Felder bestellt und die Wintersaat ausgebracht. Der Weizen stand gut." Die SES-lerin beobachtete nicht nur und sammelte Fakten, sondern packte auch in der medizinischen Versorgung an. In Zelten des staatlichen Gesundheitsamtes werden Behandlungen kostenlos angeboten. Die pensionierte Hebamme und Krankenschwester behandelte vor allem Frauen. Zur pakistanischen Kultur gehört, dass Frauen ausschließlich von Frauen und Männer ausschließlich von Männern medizinisch versorgt werden dürfen. Röper: "Viele leiden unter posttraumatischen Erkrankungen, und die Angst vor neuen Beben steckt den Leuten zusätzlich in den Knochen." Die Situation der Frauen sei besonders schlimm, da sie ihre Existenzberechtigung mit einer Familie gleichsetzten. Röper berichtet von einer Frau, die ihren Ehemann und ihre fünf Kinder durchs Beben verloren hat: "Die Frauen leben nicht für, sondern durch ihre Familien." Ihre Gefühle gelte es ernst zu nehmen. Es sei erstaunlich, wie geduldig junge Ärzte den traumatisierten Patienten zuhörten. Röper erklärt: "Es wird weitere personelle Hilfe für den Wiederaufbau, vor allem bei Gesundheitseinrichtungen, gebraucht." Diese Bitte der staatlichen, humanitären Organisation NCHD (National Commission for Human Developement) trage sie gerne weiter. Röper wurde für einen Erfahrensbericht sogar nach Berlin eingeladen. Vor der parlamentarischen Gesellschaft sprach sie über ihren SES-Einsatz in Pakistan, damit weitere Kontakte geknüpft werden können. Außerdem hat ihr Ehemann Lothar über diesen Einsatz eine eindrucksvolle DVD-Präsentation erarbeitet.